"Wir sind sehr froh, dass es wieder Nachwuchs gibt", meint Joachim Urban, zuständiger Förster der Bayerischen Staatsforsten, erleichtert. Gemeint sind die extrem sensiblen Schwarzstörche, die auf jegliche Art von äußeren Störungen anfällig sind. Vor drei Jahren erst hat Urban zusammen mit dem Schwarzstorch-Experten Alfred Nottorf drei künstliche Nistplätze in der Umgebung angebracht. Der Experte Nottorf habe dabei Stellen herausgesucht, die optimale Bedingungen für diese Art bieten. Die Nähe zu einem Gewässer müsse gegeben sein, und der Waldboden dürfe nicht zu sehr von jungen Bäumen und Krautbewuchs bedeckt sein, damit die Jungstörche im Laub nach Mäusen und anderen Kleintieren stochern können, meint Urban. Meist werde ein Seitenast einer Eiche oder einer Buche als natürlicher Nistplatz von den Störchen bevorzugt.


In abgelegenen Waldstücken

Die künstlich eingerichteten Horste sind in Bäumen auf künstlichen Plattformen errichtet, mit Reisig ausgelegt und mit Lehm und Moos gepolstert. Zu finden sind sie in abgelegenen Waldstücken. Doch wo die Nistplätze genau liegen, ist streng geheim. "Wir wollen nicht, dass es zu unnötigen Störungen kommt und so die Störche ihre Brut verlassen", betont der Forstbetriebsleiter Wolfram Zeller nachdrücklich. Der Storch habe ein hohes Störungsgedächtnis und komme auch im nächsten Jahr nicht wieder an seinen Brutplatz zurück. Sofern er ungestört ist, könne er über viele Jahre immer wieder zurückkehren. "Die Tiere haben eine große Standorttreue, die auch über Generationen weitergegeben wird", erklärt Zeller.


Schneller Erfolg

Die Arbeit mit dem Schwarzstorchexperten hat sich ausgezahlt: Bereits ein Jahr, nachdem die künstlichen Nistplätze aufgestellt wurden, brütete ein Paar vier Jungtiere aus. Allerdings blieb die Brut im folgenden Jahr leider aus. Umso erfreulicher war es für Urban, als er die Altvögel in diesem Frühjahr mit Nachwuchs antraf. "Es könnten ursprünglich auch mehr Jungtiere gewesen sein, denn das Frühjahr war sehr kalt und nass. Das setzt den Störchen zu", erklärt er. In etwa ein bis zwei Wochen werden die jungen Störche aus dem Nest kommen und auf dem Boden nach Nahrung suchen.
Die Erhebung und Kartierung von besonders geschützten Vogelarten im Wald unterliegt den Forstbetrieben. Für den Schwarzstorch gibt das Naturschutzgesetz in den FFH-Gebieten (Schutzgebiete für heimische Pflanzen und Tiere, die von der EU vorgegeben sind) grundlegende Richtlinien vor, die eingehalten werden müssen.


Eine Gratwanderung

Im Umkreis von 50 Metern um den Horst darf nichts verändert und während der Brutzeit von März bis September muss eine Ruhezone von 300 Metern eingehalten werden. "Das sind natürlich Vorgaben für unseren Betrieb, die uns durchaus einschränken", erklärt der Forstbetriebsleiter. Gerade das Holzrücken am Ende des Winters sei ein Problem, und es gab schon heiße Diskussionen darum. "Es gelingt uns leider nicht immer, den Nahbereich einzuhalten. Es ist immer eine Gratwanderung", gibt Zeller zu.
Doch die Geheimhaltung der Storchennester und vor allem die Handhabung der Richtlinien bezüglich des Horstschutzes stößt dem Schwarzstorch-Experten Daniel Scheffler, Leiter der Kreisgruppe Rhön-Grabfeld beim Landesbund für Vogelschutz, auf. "Die Population geht stark zurück, und dafür muss es äußere Faktoren geben", ist sich Scheffer sicher. Die scheuen Vögel seien normalerweise so standorttreu, dass sie immer zuverlässig wiederkommen. "Es sei denn, sie werden gestört", meint der Experte. Forstbetriebsleiter Zeller wiegelt ab: "Wir versuchen, die Tiere möglichst wenig zu beeinflussen und halten jede unnötige Störung fern."


Drei natürliche Horste

Damit spricht er auch das Wegekonzept für die Kernzonen an, das ursprünglich bis zum Jahre 2015 von der höheren Naturschutzbehörde umgesetzt werden sollte. Doch da sei noch nichts passiert. "Wir sind ganz klar für eine Trennung von Naturschutzbereichen und Tourismus", positioniert sich Zeller. Insgesamt seien, ergänzt er, im 16 200 Quadratmeter großen Staatswald - der eine Nord-Süd Ausdehnung vom Südhang des Kreuzbergs bis zur Trimburg hat - drei natürliche Schwarzstorchhorste bekannt.


Intaktes Tierleben

Es gebe auch die Überlegung, drei weitere künstliche Horste anzubringen. "Man kann uns also nicht vorwerfen, nichts für die Erhaltung der Störche zu tun", sagt der Forstbetriebsleiter, der den Interessenkonflikt offen zugibt. Denn "die 50 Meter Horstschutzzone sind eine ganze Menge Geld", rechnet er aus. Urban meint: "Im Umkreis des Schwarzstorchhorstes brüten Kolkrabe, Habicht, Mäusebussard und Schwarzspecht", das seien eindeutige Zeichen dafür, dass es ein intaktes Tierleben hier gebe. Nur der Grauspecht, der fehle hier noch, denn er sei ein Urwaldzeiger.