An die besondere Bedeutung und einende Kraft des Kreuzes haben evangelische und katholische Christen am Samstag bei ihrer gemeinsamen Wallfahrt zum Kreuzberg erinnert. Die rund 300 Pilger feierten mit Regionalbischöfin Gisela Bornowski vom evangelischen Kirchenkreis Ansbach-Würzburg und Würzburgs katholischer Bischof Dr. Friedhelm Hofmann einen Gottesdienst, der wegen des Regens vom Freialtar in die Kirche verlegt wurde. "Christus ist wirklich unser Friede", betonten beide.

Holzkreuze als Andenken
Das Kreuz stand auch beim Gottesdienst im Mittelpunkt. Die beiden Bischöfe betonten es nicht nur in ihren Predigten, sondern fügten auch ein kleines Kreuz aus Quer- und Längsbalken mit Bast zusammen.

Jeder Pilger hatte diese Kreuzteile bekommen und war während des Gottesdienstes aufgerufen, mit dem jeweiligen Nachbarn das Kreuz zusammen zu setzen - als Andenken an die Wallfahrt und Erinnerung an die Gemeinsamkeit von evangelischen und katholischen Christen.
"Wir waren vor zehn Jahren schon einmal dabei und werden auch beim nächsten Mal dabei sein. Der Gottesdienst war sehr schön", sagten Hans (79) und Margot Kohl (78) aus Geroda. "Mir hat besonders die Statio am großen Gipfelkreuz gefallen", berichtete Waltraud Zeier (74), ebenfalls aus Geroda. Eine einfache Erklärung für den Dauerregen hatte Doris Vorndran (68), die mit rund 30 Personen aus Oberweißenbrunn auf den Heiligen Berg der Franken gepilgert war: "Das ist Weihwasser - als himmlische Zustimmung für die Ökumene." Außerdem lobte sie die tolle Gemeinschaft unter allen Wallfahrern.

"Selig, die Frieden stiften" Es war eine sehr nasse Wallfahrt in diesem Jahr", sagte Thomas Jülka (48) der mit rund 50 weiteren Pilgern aus Burgwallbach auf den Kreuzberg gezogen war. "Wir haben traditionell eine Woche später unsere Kreuzbergwallfahrt, haben uns aber diesmal dem ökumenischen Termin angeschlossen", ergänzte Christiane Balling (48).
Die ökumenische Wallfahrt stand unter dem Motto: "Christen gemeinsam unter dem Kreuz - Selig, die Frieden stiften (Mt 5,9)". Die Pilgergruppen waren am frühen Morgen an verschiedenen Orten rund um den Kreuzberg aufgebrochen. Die weiteste Strecke legten rund 45 Personen zurück, die um 4.30 Uhr in Geroda losgelaufen waren. Die Bischöfe begleiteten die Wallfahrer auf der letzten Etappe hoch zum 928 Meter hohen Kreuzberggipfel.
"Frieden zu stiften gehört mit zu den verheißungsvollsten und wichtigsten Aufgaben, die es gibt in dieser Welt", betonte Regionalbischöfin Bornowski.

Es sei aber zugleich eine der undankbarsten und schwierigsten Aufgaben. Die Ukraine, Syrien und das Heilige Land seien Beispiel für Krisenregionen, in denen es schon wiederholt Friedensbemühungen gegeben habe. Bischof Hofmann betonte, dass kaum etwas so bedroht sei wie der Friede. Meldungen von Folter, Aufständen, Vertreibung und Kriegen bestimmten die Meldungen der Medien.
"Die brutalen Anschläge in Tunesien, Kuwait und Frankreich haben das erst wieder schmerzlich deutlich gemacht", sagte Bischof Hofmann. Nach den unvorstellbaren Gräueln des Zweiten Weltkriegs hätten viele gedacht, die Menschen hätten aus der Geschichte gelernt. "Die Realität zeigt das Gegenteil."
In der Heiligen Schrift habe Friede einen besonderen Stellenwert. 110 Mal werde er dort thematisiert. "Jesus ist der Friedensfürst. Wir sind durch die Taufe in das neue Menschsein, das in Jesus Christus gründet, hineingenommen.

Dennoch erfahren wir täglich bei uns die Begrenzungen, die eigene Schwachheit und auch Schuld."

Nach Stärkung im Kloster zurück
Besonderen Dank zollte Franziskanerpater Stanislaus Wentowski, Guardian des Klosters Kreuzberg, allen Wallfahrern für das gemeinsame Beten und Singen. "Sie machen deutlich, was das Zentrale auf dem Kreuzberg ist: das Lob Gottes. Auch wenn Essen und Trinken hier einen berechtigten Platz haben."
Gebete und Fürbitten um Frieden und für Friedensstifter im politischen Bereich, in den Gemeinden und Kirchen und den Familien wurden an Gott gerichtet. Musikalisch gestalteten die Blaskapellen der einzelnen Wallfahrergruppen gemeinsam die Andacht am Gipfelkreuz, die Posaunenchöre des evangelischen Dekanats Lohr am Main begleiteten die Gesänge beim ökumenischen Gottesdienst. Nach der Feier stärkten sich viele durchnässte Pilger im Kloster Kreuzberg, ehe sie wieder zu ihren Ausgangsorten zurückzogen.