Sanft plätschert die Sinn talwärts. Wer beispielsweise am Weg hinter der Sinnflut entlang spaziert, erschrickt mitunter darüber, wie leer das Bett des Wildbaches erscheint. "Der Wasserstand ist noch hoch genug", beruhigt Armin Sauermann vom Bad Brückenauer Fischereiverein. An dieser Stelle sei ohnehin weniger Wasser in der Sinn, da der Mühlbach zwischen dem Metallwerk und dem Rhön-Center einen Teil des Wassers abzweige.

"Die Wassertemperatur ist noch sehr gut in der Sinn. Der Sauerstoffgehalt passt auch noch", berichtet Sauermann. In den vergangenen Wochen haben die Fischer 10.000 Brütlinge der Bachforelle ausgesetzt. Allerdings stellt Sauermann fest, dass sowohl die Fließgeschwindigkeit der Sinn als auch der Wasserstand in den vergangenen Jahren "merklich weniger" geworden sind. Inzwischen komme es vor, dass Nebenbäche wie der Grünchesgraben von Mitgenfeld hinab ins Sinntal austrocknen würden. Früher war das undenkbar.

"Alle unsere Gewässer sind niedrig. Das liegt am regenarmen Winterhalbjahr", sagt Leonhard Rosentritt, Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamts Bad Kissingen (WWA). Bäche und Flüsse werden hauptsächlich vom Grundwasser gespeist, das an die Oberfläche tritt, erklärt er. Der Regen der vergangenen Tage lasse den Wasserstand dagegen nur kurzzeitig steigen. Aktuell sei die Situation aber besser als vor einem Jahr.

Die Rhön gilt als wasserreich

"Es kommt darauf an, wie der Sommer wird", sagt Rosentritt und verweist darauf, dass die Rhön - was das Wasser angeht - vergleichsweise gut in Unterfranken dastehe. Um die Sinn drehten sich in den vergangenen Jahren auch viele Gespräche der Brückenauer Rhönallianz. Die Kläranlagen in Wildflecken, Oberbach und Riedenberg sind in die Jahre gekommen und müssten dringend ersetzt werden. Mit mehreren Studien ließen die Bürgermeister untersuchen, ob nicht das gesamte Abwasser des Sinngrunds zentral in der Kläranlage der Stadtwerke in Trübenbrunn aufbereitet werden könnte.

Der Vorteil wäre, dass der Wildbach dann bis kurz vor der hessischen Landesgrenze nahezu frei von Einleitungen wäre. Im Dezember kam die große Ernüchterung. Zwar wäre es möglich, dass die Gemeinde Riedenberg das Abwasser ins Kanalnetz der Stadt Bad Brückenau einleitet. Beim Bau eines Kanals durch das Wasserschutzgebiet bis nach Römershag müssten zwar etliche Auflagen beachtet werden. Trotzdem könnte der Anschluss für die Riedenberger eventuell günstiger ausfallen als der Bau einer neuen Kläranlage.

Die Abwassermenge aus Wildflecken aber ist zu groß, als dass das Bad Brückenauer Kanalnetz sie fassen könnte. Ein eigener Kanal müsste - am neuen Radweg entlang - bis zum Staatsbad gebaut werden. Im Sinne der Ökologie ließ die Rhönallianz die Kosten dieser Option berechnen. Am Dienstag, 16. Juni, stellt nun das Fachbüro das Ergebnis den Bürgermeistern vor.

Der Grund, warum die Frage um die Kläranlagen im Sinngrund solche Brisanz hat, sind anthropogene Spurenstoffe. Das sind Rückstände von Medikamenten, Kosmetika, Waschmitteln, und vielem mehr, die über das Abwasser in die Flüsse und zuletzt ins Meer gelangen. Auch immer mehr Mikroplastik wird in Gewässern nachgewiesen. Der Bund Naturschutz fordert seit Jahren mit Nachdruck, die Reinhaltung der Sinn voranzutreiben und dafür auch höhere Kosten in Kauf zu nehmen.

Medikamente und Mikroplastik

Das Wasserwirtschaftsamt wägt hingegen ab. "Es gibt Vor- und Nachteile", macht Birgit Imhof klar. Sie begleitet die Rhönallianz bei dem Thema fachlich. Entscheiden müssten am Ende die Kommunen. Behördenleiter Rosentritt verdeutlicht, dass dabei unterschiedliche Aspekte abgewogen werden müssten. Zum einen könnte sich der Neubau von Kläranlagen verteuern, wenn eine weitere Reinigungsstufe eingeführt werde, mit der anthropogene Spurenstoffe aus dem Wasser entfernt würden. Da wäre es in der Tat bedenkenswert, auf eine zentrale Abwasseraufbereitung in Trübenbrunn zu setzen.

Zum anderen fielen in der Rhön, in der vergleichsweise wenig Menschen leben, nicht so viele solcher Spurenstoffe an wie etwa in Ballungsräumen. Zudem würde das gereinigte Wasser, das aktuell aus den Kläranlagen eingeleitet werde, in der Sinn fehlen. Die Frage der Kosten dürfe ebenfalls nicht aus dem Blick geraten. BN-Kreisvorsitzender Franz Zang fordert die ökologische Lösung. "Das geht nur, wenn wir ein ganz andere Regenmanagement machen." Bürger, die Regenwasser versickern lassen und eben nicht in die Kanalisation einleiten, sollten einen finanziellen Bonus bekommen. Das Wasser gelange ins Grundwasser und speise damit wiederum die Sinn.

Lange lässt sich eine Entscheidung über die Zukunft der Kläranlagen jedenfalls nicht mehr aufschieben. Die Kläranlage in Wildflecken ging 1970 in Betrieb, die Teichanlage Oberbach Mitte der 1970er. Die Riedenberger Kläranlage wurde 1984 erneuert und 1998 erweitert.