Es ist ruhig in den Bad Brückenauer Kliniken. Seitdem die Regierung angewiesen hatte, Patienten nach Hause zu schicken, warten die Mitarbeiter vergebens auf neue Aufgaben. Die Regelung war vorsorglich getroffen worden, um eine stark steigende Zahl an am Corona-Virus erkrankten Menschen behandeln zu können. Doch der befürchtete Versorgungsengpass blieb aus.

Die Kliniken erwarten, dass die Einschränkungen des Klinikbetriebs in ganz Deutschland bald überarbeitet und dem bisher niedrigen Infektionsgeschehen angepasst werden. "Wir gehen davon aus, dass wir ab 31. Mai wieder Gäste aufnehmen können", sagt Stefanie Hündgen, Geschäftsführerin der Malteser Klinik von Weckbecker. Seit 19. März gibt es keine Patienten mehr im Haus, seit Mitte April befinden sich die meisten Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Entschädigung nicht geklärt

"Glücklicherweise hat sich die Gesamtsituation der Corona-Pandemie in Deutschland so entwickelt, dass unser Einsatz bisher nicht notwendig wurde", beschreibt sie den positiven Aspekt. Es gibt aber auch eine Schattenseite: Während Entschädigungen für Krankenhäuser inzwischen gesetzlich geregelt sind, werden die wirtschaftlichen Einbußen von Privatkliniken bisher nicht aufgefangen. So weiß die Geschäftsführerin noch immer nicht, ob sie mit Ausgleichszahlungen rechnen kann.

Der normale Klinikbetrieb wird erst langsam wieder anlaufen. In der vergangenen Woche wurden Plexiglaswände am Empfang aufgerichtet. Zunächst dürfen nur weniger Gäste kommen, als das Haus aufnehmen könnte. Die Therapeuten passen ihre Angebote strengeren Hygiene-Vorgaben an. In der Klinik von Weckbecker heißt das: Draußen in der Natur mit dem nötigen Abstand dasselbe Therapieziel verfolgen - sei es durch angeleitete Spaziergänge im Wald, Meditationen im Freien oder Tau-Treten am Morgen.

Es gibt noch zwei weitere Privatkliniken in der Stadt. Die My Way Betty Ford Klinik zur Behandlung von Suchterkrankungen ist am wenigsten von der Krise betroffen. "Psychiatrische Einrichtungen haben ganz normal weitergearbeitet", erklärt Verwaltungsdirektor Sven Marquardt. Dennoch gelten auch hier verstärkt Hygiene-Maßnahmen. "Einen Covid-19-Fall hatten wir nicht", sagt Marquardt.

Die Limes Schlossklinik im Fürstenhof hätte eigentlich im Mai regulär öffnen wollen. Doch daraus wurde nichts. "Wir warten immer noch auf unsere Möbel aus Italien", sagt Vorstandsvorsitzender Gert Frank. Dennoch ist die Klinik nicht leer. Die Mitarbeiter üben den Klinikbetrieb, durchlaufen Schulungen und kochen auf Probe, schildert er.

Kein Covid-19-Patient

In der Klinik Hartwald der Deutschen Rentenversicherung Bund im Staatsbad läuft der Betrieb eingeschränkt weiter. Reha-Maßnahmen wurden eingestellt, so genannte Anschlussheilbehandlungen werden aber weiterhin durchgeführt. Das entlastet Krankenhäuser, weil diese Patienten unmittelbar nach einer Operation in weiterführende medizinische Versorgung geben können.

"Die Situation hat sich nach gegenwärtigem Stand noch nicht merklich verändert", schreibt Pressesprecherin Tanja Mahel. Weil der Träger das finanzielle Defizit schultern kann, kommt für Häuser der Deutschen Rentenversicherung Kurzarbeit nicht in Frage. So läuft der Betrieb in kleinerem Umfang weiter. Patienten, die sich mit dem Corona-Virus angesteckt haben, werden auch hier nicht betreut. Sollte sich die Situation aber verschärfen, stünden Kapazitäten bereit.

In der Sinntalklinik der Deutschen Rentenversicherung Nordbayern sieht die Situation ähnlich aus. "Kurzarbeit ist nach wie vor kein Thema in unserem Haus", gibt Pressesprecherin Sandra Skrzypale Auskunft. Kein einziger Covid-19-Patient wird behandelt. Doch auch in der Sinntalklinik bleiben nicht alle Betten leer. 56 der insgesamt 130 Plätze kommen derzeit Patienten zugute, die eine Anschlussheilbehandlung bekommen.

Für Aufregung hatte zwischenzeitlich die Erkrankung einer Mitarbeiterin der Sinntalklinik gesorgt. Daraufhin sei die gesamte Belegschaft auf das Corona-Virus getestet worden, schildert Skrzypale. In diesem Fall hatte sich keiner der Kollegen angesteckt. In sechs Wochen wird die Redaktion erneut nachfragen, wie sich die Situation für die Kliniken dann darstellt.