Der Gastraum im "Hotel Ursula" ist leer. Klar, es ist Winter. "Wir haben in Bad Brückenau eigentlich nur ein halbes Jahr Saison", sagt Gisela Ullmann, die zusammen mit ihrer Tochter Ursula Rüttiger den Betrieb führt. Und in diesem halben Jahr muss alles laufen. "Von 2000 bis 2008 war eine richtig gute Zeit", blickt Ursula Rüttiger zurück. Danach sei es schwierig geworden. "Da haben wir über den Zahlen gesessen und uns gesagt, jetzt müssen wir etwas ändern."

Marketing-Expertin engagiert

Und die Familie änderte etwas. Mehr als 300.000 Euro habe man in den vergangenen vier Jahren ins Hotel gesteckt, erzählen die beiden Frauen, Beratung durch eine Marketing-Expertin inklusive. Jetzt ist das Hotel auf Portalen im Internet vertreten, Pauschalen wie die "Sieben Quellen Woche" oder "Wander-Pauschale" bringen Vielfalt ins Angebot. "Ich glaube, dass es heute nicht mehr anders geht", sagt Rüttiger. "Der Gast bleibt immer kürzer und die Stammgäste werden weniger", fasst Ullmann zusammen.

"Dieser Trend betrifft fast alle Kurorte", berichtet Karin Bauer, Leiterin der Tourist-Info Bad Brückenau. Erfreulich ist für sie, dass die Zahl der Übernachtungen mit rund 301.000 im Jahr 2014 etwa konstant geblieben ist. Die Zahl der Ankünfte lag bei rund 60.500. Vor zehn Jahren hatte es einen großen Einbruch gegeben, als die Klinik Hartwald wegen Sanierungsarbeiten vorübergehend nach Bad Kissingen umgezogen war. "Die Patienten sind heute in der Regel kränker als früher, deshalb sind sie im Stadtbild nicht mehr so sichtbar", nennt sie einen weiteren Trend.

Struktur oft nicht nachvollziehbar

"Bis man drei Wochen mit Kurzurlaubern gefüllt hat, muss man ganz schön viel Arbeit reinstecken", sagt Ullmann. Wenn die Gäste dann aber da seien, gefalle es den meisten. "Unser Städtchen ist klasse, die Veranstaltungen sind klasse, die Umgebung ist toll", ergänzt die Tochter. Zwar werde über die Erhöhung der Kurtaxe (die Stadt erhöhte zum 1. Januar den Regelsatz von 2 auf 2,50 Euro, das Staatsbad von 2,70 auf 2,80 Euro) etwas geknurrt, aber "die Besucher schätzen die kostenlose Kurgastbeförderung", sagt Rüttiger.

Woran es aber hake, sei die Vermarktung nach außen. "Für mich ist nicht zu begreifen, warum das nicht zusammengeht mit der Stadt und dem Staatsbad", sagt Ursula Rüttiger. Zum Hintergrund: Stadt und Staatsbad sind zwei unterschiedliche Kurbetriebe mit jeweils eigener Struktur. "Ein Gast von außen versteht das überhaupt nicht", berichtet Gisela Ullmann. Wenn sie sich etwas wünschen dürfte, so wären das "mehr Gäste in Bad Brückenau - egal wo."