Jochen Vogel (CSU) ist seit knapp drei Wochen Bürgermeister von Bad Brückenau. Im Interview äußert er sich über die schwierige finanzielle Situation angesichts der Corona-Pandemie und blickt auf 18 Jahre Kommunalpolitik in der Nachbargemeinde zurück.

Wie sind Ihre ersten Eindrücke als Bürgermeister von Bad Brückenau?

Jochen Vogel: Meine ersten Eindrücke sind gut. Viele Bürger haben mir schon ein herzliches Willkommen zugerufen. Im Rathaus wurde ich freundlich aufgenommen. Ich kenne zwar noch nicht alle neuen Kollegen, glaube aber, dass ich ein kompetentes und motiviertes Team an meiner Seite habe.

Die Corona-Pandemie stellt die Stadt vor immense Herausforderungen. Etliche Einnahmen werden ausbleiben. Wie akut ist die Situation?

Die Situation können wir aktuell noch nicht abschätzen. Das wird sicher erst zeitverzögert auch in Zahlen im Rathaus ankommen. Wir werden dies im Haushaltsplan ein Stück weit berücksichtigen. Genau wissen werden wir es aber - wie alle anderen Kommunen auch - erst deutlich später.

Welchen Eindruck haben Sie vom neuen Stadtrat?

Ich habe ja einen Großteil davon schon während der Zeit bis zur Wahl oft gesehen, gesprochen und teilweise etwas kennenlernen können. Mein Eindruck ist gut. Als Team können wir, das ist meine feste Überzeugung, viel zusammen erreichen. Bad Brückenau hätte es verdient!

Ihre Vorgängerin hatte versprochen, dass das Fachbüro die Ergebnisse der Bürgerwerkstatt zur Gestaltung der Bahnhofareals Anfang des Jahres öffentlich vorstellen würde. Das ist nicht passiert. Wann geht es in dieser Angelegenheit weiter?

Bedingt durch Corona war eine öffentliche Vorstellung in den letzten Wochen ausgeschlossen und ist es aktuell auch noch. In Kürze habe ich meinen ersten Kontakt zum Fachbüro und hoffe, dass wir bald erste Ergebnisse präsentieren können.

Welchen finanziellen Spielraum sehen Sie jetzt noch für die Sanierung der Therme Sinnflut?

Diese Frage kann ich erst dann beantworten, wenn wir wissen, welche Förderung wir hierfür einplanen können. Für mich ist die Sinnflut eine ganz wichtige Einrichtung, ein Magnet für die Stadt. Deshalb müssen wir hier auch alle dafür kämpfen. Als Standort für Tourismus und Gesundheit reicht es aus meiner Sicht nicht, wenn wir am Ende "nur" noch ein reines Schwimmbad haben sollten.

Ein zentrales Thema im Wahlkampf war die Wiederbelebung der Innenstadt. Werden Sie die Öffnung der Fußgängerzone für Fahrzeuge, die Ihre Vorgängerin zur Stärkung der Gastronomie während der Corona-Beschränkungen eingeführt hat, beibehalten?

In vielen Gesprächen habe ich gehört, dass die Öffnung als sehr positiv angesehen wurde. Ich werde, wie schon vor der Wahl angekündigt, mit allen Beteiligten das Gespräch suchen. Das ist aktuell leider noch nicht in größerer Runde möglich. Deshalb sind meine Ansprechpartner fürs Erste die Betriebe in diesem Bereich. Und bis zur Normalität wird es sicher noch eine Weile dauern. Die Corona-Krise ist ja noch nicht vorbei.

Ein Rückblick: 18 Jahre lang führten Sie die Gemeinde Motten als Bürgermeister. Welche Projekte Ihrer Amtszeit sehen Sie als zentral an?

Da gibt es einige: Zum einen hat es mich wahnsinnig gefreut, dass mir die Schirmherrschaft zur 700-Jahr-Feier in Speicherz im Jahre 2003 angetragen wurde. Das ist zwar kein Projekt in dem Sinne, ich fand es aber eine sehr schöne Geste. Schließlich machen das doch eher der Landrat oder ein Abgeordneter. Ohne mich großartig in Details zu verlieren, nenne ich noch: Aussichtsturm Mottener Haube (mit 20.000 Euro Spenden von Bürgern, Vereinen und Firmen), Dorfplatz in Motten mit Zunftbaum (von 80 Bürgern im Alter von acht bis 80 Jahren erbaut), Erneuerung der Ortsdurchfahrt in Motten, Neufassung der Quellen für die Wasserversorgung, schnelles Internet in wirklich fast allen Bereichen der Gemeinde und der SuedLink/RhönLink. Auf den Weg bringen konnte ich noch die barrierefreie Erschließung des Josefsheims in Motten, den Neubau des Kinderhauses in Motten, bis auf einige Details die Planung der Ortsdurchfahrt Kothen und die Substanzuntersuchung des alten Pfarrhauses und des Gemeindehauses in Kothen.

Welcher Punkt ist Ihnen noch wichtig?

Ganz bewusst nenne ich die Partnerschaft mit der Gemeinde Ranville in der Normandie in Frankreich. Diese hat mir - neben sehr vielen schönen und nachhaltigen Begegnungen - gezeigt, wie wichtig Europa ist. Vor ein paar Tagen erst haben wir am 8. Mai den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs begangen. Städtepartnerschaften in Europa tragen ihren Teil dazu bei, dass wir Menschen hier seit 75 Jahren(!) in Frieden leben.

Was ist Ihnen in Motten nicht gelungen?

Ich bin zufrieden. Natürlich könnte immer irgendwas schneller oder einfacher über die Bühne gehen. Auf der andern Seite ging manches auch schneller als gedacht. Deshalb noch einmal: Ich bin zufrieden mit den Dingen, so wie sie sind.

Was halten Sie für Ihr Vermächtnis als Bürgermeister von Motten?

Diese Frage müssen Sie den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde Motten stellen. Mir ging es nie um Jochen Vogel sondern immer um das Wohl der Gemeinde.

Die Fragen stellte Ulrike Müller.