Etwa 25 Ehrenamtliche stemmen den Verkauf im Weltladen in der Fußgängerzone. Sie bekommen nichts für ihr Engagement, das Geschäft macht auch keinen Gewinn. Trotzdem findet es Projektleiterin Martina Kirchner wichtig, dass es einen Weltladen in der Stadt gibt. Verantwortet wird das Projekt von der örtlichen Eine-Welt-Gruppe, deren Vorsitzender Dirk Hönerlage ist. Bei einer Tasse fair gehandeltem Kaffee ziehen die beiden Bilanz.

Frau Kirchner, Herr Hönerlage, ein Weltladen in Bad Brückenau - hätten Sie das gedacht?
Dirk Hönerlage: Wenn ich ganz weit zurückschaue, also Anfang der 1980er, da hätte ich mir das nie träumen lassen. Anfangs haben die Leute einen weiten Bogen um uns gemacht. Manche taten den Dialog mit der simplen Behauptung ab, dass Menschen, die sich für fairen Handel einsetzten, angekiffte Jutetaschenträger seien [grinst].
Martina Kirchner: Heute hat sich das öffentliche Bewusstsein total geändert. Die Leute sind bereit, mehr Geld für faire Produkte auszugeben.

Es gibt aber auch Kritik... Im Mai deckte die Zeitung "Die Zeit" auf, dass fair gehandelter Kaffee die Arbeitsbedingungen in armen Ländern nicht oder nur marginal verändert. Wie gehen Sie damit um?
Kirchner: Ich kann das nicht nachprüfen, weil ich noch nie in diesen Ländern war. Aber unserer Tochter hat ein Jahr in Chile verbracht. Für die Menschen dort war Fairtrade sehr wichtig. Das hat mir zu Denken gegeben.
Hönerlage: Ich widerspreche dem Artikel insofern, als dass er pauschalisiert. Kritik ist wichtig, denn Blauäugigkeit nützt niemandem etwas. Jetzt die Hände in den Schoß zu legen, wäre aber nicht die richtige Antwort. Ich glaube auch nicht, dass dies das Anliegen des Zeit-Redakteurs war.

Ist denn der Bad Brückenauer Stadtkaffee fair?
Hönerlage: Er ist fair gehandelt und bio-zertifiziert. Die Bohnen wurden in der Rhön geröstet. Wie viel Fairness wollen Sie noch?

Und wie häufig wird er gekauft?
Kirchner: Wir verkaufen zwischen 400 und 500 Päckchen im Jahr. Wobei ich mir wünschen würde, dass sich auch die Stadt stärker hinter das Projekt stellt.

Nach zehn Jahren ist der Weltladen in der Fußgängerzone etabliert. Was kommt als nächstes?
Hönerlage: Nach oben geht immer noch was... Die Vision wäre, dass die Fairtrade-Stadt tatsächlich bei den Leuten ankommt. Die Fairtrade-Stadt ist ja viel mehr als Kaffee oder fair gehandelte Bananen. Das muss erst in die Köpfe rein.

Wie wollen Sie das erreichen?
Kirchner: Mit Beharrlichkeit. Das braucht seine Zeit.
Hönerlage: Es gibt viele Ideen. Die Zusammenarbeit etwa mit der Stadt, der katholischen Kirchengemeinde und den Vereinen ist noch stark ausbaufähig.

Haben Sie auch eine Vision, Frau Kirchner?
Kirchner: Unser Steh-Café im Weltladen wird sehr gut angenommen. Ein eigenes Café, wo die Leute auch sitzen können, das wäre noch so ein Traum.

Und woran hakt's?
Kirchner: Die große Hemmschwelle sind die Vorschriften für Sanitäranlagen. Das können wir allein nicht stemmen.
Hönerlage: Der Rhöner Boden ist schwer zu beackern. Vor 20 Jahren haben wir uns den Weltladen nicht vorstellen können. Wer weiß, was in zehn Jahren ist.

Das Gespräch führte Ulrike Müller.


10 Jahre Weltladen Bad Brückenau:

Konzert Im Rahmen des zehnjährigen Bestehens des Weltladens findet am Sonntag, 20. September, ein Konzert in der evangelischen Friedenskirche statt. Beginn ist um 19 Uhr. Es spielt Pat Garcia mit der
Jan-Mashuhr-Band Musikstücke aus den Genres Pop, Soul und Gospel.

Tag der offenen Tür Am Samstag, 26. September, öffnet der Weltladen seine Türen zum Sektempfang mit Livemusik. Für die kleinen Besucher wird ein buntes Programm geboten. Los geht's um 10 Uhr.

Filmvorführung Am Sonntag, 11. Oktober, zeigen die Rhön-Lichtspiele den Film "Lunchbox". Die indische Produktion nimmt die Zuschauer mit in eine fremde Welt. Der Abend klingt ab 19 Uhr im Indischen Restaurant Punjab (Frankfurter Hof) aus. Um Voranmeldung wird gebeten.