Seit sechs Monaten ist die KissSalis-Therme schon zum zweiten Mal geschlossen. Bereits im Vorjahr musste die 2013 eröffnete und kürzlich als "beste Therme Deutschlands" ausgezeichnete Bade-, Fitness- und Therapie-Anlage von Mitte März bis Anfang Juni schließen und durfte nur während der folgenden fünf Monate bis zum nächsten Lockdown ab November für eine täglich begrenzte Besucherzahl öffnen.

Zwangsläufig verzeichneten die Stadtwerke als Eigentümergesellschaft im Geschäftsjahr 2020 bei insgesamt nur 217 500 Besuchern statt der zuletzt 410 000 einen Umsatzausfall von etwa 4,4 Millionen Euro. "Allerdings ist es uns gelungen, diesen Verlust durch diverse Ausgleichszahlungen zum Teil auszugleichen", ergänzt Manfred Zimmer, Geschäftsführer der Stadtwerke. Das größere wirtschaftliche Problem wird sich nach seiner Einschätzung erst im laufenden Betriebsjahr einstellen, "wenn die Ausgleichszahlungen nicht mehr greifen und immer noch nicht absehbar ist, wann die Therme wieder öffnen kann". Trotz der schon erheblichen Einbußen und den noch zu erwartenden im laufenden Geschäftsjahr ist der Stadtwerke-Geschäftsführer "zuversichtlich, dass dies nicht existenzbedrohende Ausmaße annimmt". Er begründet dies mit der Vielzahl der Geschäftsfelder, in denen die Stadtwerke aktiv sind, wie der Energie- und Wasserversorgung der Einwohner und Unternehmen Bad Kissingens. Vor allem mit den Vertriebsaktivitäten außerhalb ihres Kerngebiets konnten die Stadtwerke in den vergangenen zehn Jahren "relativ gute Ergebnisse für das Gesamtunternehmen" erzielen und damit zur Stärkung der Eigenkapital-Situation beitragen. Daraus folgert Zimmer: "Die Therme ist zwar ein maßgeblicher, aber nicht ausschließlicher Ergebnis-Träger."

Dass der Verlust des Vorjahres nicht noch höher ausfiel, ist der Kurzarbeitsregelung für den größten Teil des Mitarbeiter-Teams zu verdanken, die immer noch genutzt wird. Nur für die Physiotherapie und das Rückenzentrum, in der Verwaltung und der technischen Abteilung ist ein kleines Team im Einsatz. Denn auch bei Stillstand muss die Technik gewartet und - wie die Lüftungsanlagen und Wasserumwälzung - weiter in Betrieb gehalten werden, um Schäden zu vermeiden. Auch die Becken im Innenbereich müssen in Betrieb gehalten werden, allerdings nur bei geringerer Wasserumwälzung und niedrigerer Wassertemperatur. Die Heilwasserzuführung vom Schönbornsprudel in Hausen ist zwar gestoppt, aber deren Leitungen müssen gespült werden.

Natürlich wirken sich negative Wirtschaftsergebnisse unweigerlich auf geplante Investitionen aus, auch wenn die Stadtwerke bislang kein Vorhaben rund um die Therme aufgegeben, sondern nur in die Zukunft verschoben haben. Zimmer: "Wir müssen erst einmal wieder Planungssicherheit bekommen, die wir momentan nicht haben." Dies gilt für den neuen Wohnmobilstellplatz ebenso wie für das an die Therme anzuschließende, etwa neun Millionen Euro teure Hallenbad. Während der Wohnmobilstellplatz dann weiter bearbeitet wird, "sobald wir Planungssicherheit haben", erklärt Manfred Zimmer, "treiben wir die Planungen für das Hallenbad mit voller Kraft voran". Momentan verhandeln die Stadtwerke mit den Fördermittelgebern. Auch musste der aktuelle Projektverzug des von der in Goslar ansässigen Sonnenhotel-Gruppe (wir berichteten) geplanten Thermenhotels in der Hallenbad-Planung berücksichtigt werden, weshalb der Bad-Neubau statt wie beabsichtigt in einem nun in mehreren Abschnitten vollzogen werden soll. Vorrangig ist dabei ein optimiertes Angebot für das Schul- und Sportschwimmen. Zimmer: "Sicherlich muss auch hier die Finanzierung noch gesichert werden und steht angesichts der Pandemie-Situation unter Druck." Zwar kann noch kein konkreter Termin für den Baubeginn genannt werden, "aber das Hallenbad steht in der Priorisierung für Stadt und Stadtwerke an erster Stelle."

Doch wie geht es nun weiter mit der KissSalis? Diese Frage können weder der Stadtwerke-Chef noch Oberbürgermeister Dirk Vogel beantworten, liegt doch die Entscheidung allein beim Bund, dessen neues Infektionsschutzgesetz als "Corona-Notbremse" seit Freitag gültig ist, sowie bei der Landesregierung. Sobald niedrige Werte die Wiederöffnung der Therme erlauben, steht deren Team bereit. "Fast alle Mitarbeiter sind der KissSalis-Therme bisher treu geblieben und freuen sich darauf, möglichst bald wieder Gäste begrüßen zu dürfen", informiert Zimmer und versichert, dass ein umfassendes Hygienekonzept ausgearbeitet und für die Besucher vorbereitet ist.