• 40-Jähriger steht in Bad Kissingen vor Gericht
  • Er soll pornografisches Material von Minderjährigen verbreitet haben
  • Der Angeklagte weißt alle Vorwürfe zurück

Das Bad Kissinger Amtsgericht hatte eine kurze Verhandlung erwartet und nur eine Stunde angesetzt. Fälle dieser Art gab es schon einige. Die Rechtslage schien eindeutig. Doch weder Richterin noch Staatsanwalt hatten mit dem entschiedenen Widerspruch des Angeklagten gerechnet, der sich wegen Verbreitung und Besitzes pornographischer Schriften zu verantworten hatte. "Dann fahren wir eben das große Programm", setzte die Richterin nach einer halben Stunde die Verhandlung aus. Die Staatsanwaltschaft warf dem 40-Jährigen vor, zu Beginn des Jahres 2019 in einer Facebook-Gruppe Fotos von Mädchen unter 13 Jahren "in aufreizender Haltung" veröffentlicht zu haben. Bei einer im Sommer folgenden Hausdurchsuchung wurden mehrere Datenträger gefunden, auf denen eine Vielzahl pornographischer Bilder abgespeichert war.

Anklageschrift: Staatsanwaltschaft beschreibt Fotos der Jugendlichen unter 18 Jahren 

Jedes einzelne dieser Fotos von weiblichen Jugendlichen unter 18 Jahren wurde vom Staatsanwalt mit Verlesen seiner Anklageschrift in allen Einzelheiten beschrieben. Da war von teilweise oder vollständig entkleideten Mädchen die Rede, die dem Betrachter "in aufreizender Haltung ihren entblößten Intimbereich präsentierten". In Einzelfällen sei auf Fotos auch der Geschlechtsverkehr mit Männern zu sehen gewesen. Zusätzlich wurden abgespeicherte Bilddateien mit Fotos von Mädchen "deutlich unter 13 Jahren" in ähnlich aufreizender Position gefunden. "Dem Angeklagten war das jugendliche Alter bewusst oder er hat es bewusst in Kauf genommen", lautete nun der Vorwurf des Staatsanwalts, weshalb es zur Anklage wegen Verbreitung und Besitzes pornographischer Schriften gekommen war.

Von Staatsanwalt und Richterin unerwartet, widersprach der Angeklagte sämtlichen Vorwürfen. Er habe die Fotos sicherlich nicht auf Facebook hochgeladen. Schließlich wisse er doch genau, dass Facebook in solchen Fällen die Bilder löscht und den verursachenden Nutzer sperrt. "Warum sollte ich als Gruppen-Administrator solche Bilder hochladen?" Auch im Fall der in seinem Besitz vorgefundenen Bilddateien widersprach er dem Schuldvorwurf. "In meiner Wohngemeinschaft hatte jeder zu jeder Zeit Zugriff auf alles." Als Hobby-Fotograf, der auf Landschaftsaufnahmen spezialisiert sei, habe er bei seinem Auszug einfach alle Dateien auf CD gesichert. "Ich habe mir nicht jedes einzelne darin enthaltene Fotos vorher angesehen."

Richterin: "Normalerweise sind Angeklagte in solchen Fällen einsichtig"

Nachdem der 40-Jährige in ruhigem Ton mit wohlüberlegten Worten alle Vorwürfe zurückgewiesen hatte, versuchte die Richterin, ihn doch noch zum Einlenken zu bewegen: "Normalerweise sind Angeklagte in solchen Fällen einsichtig", weshalb sie auch keine Zeugen zur Verhandlung geladen habe. "Ich weiß nicht, ob dies von Ihnen die richtige Strategie ist, hier irgendetwas retten zu wollen". Aber sicher könne sie "die Sache auch groß aufziehen" und zu einem neuen Termin Zeugen laden.

Doch der Hobby-Fotograf ließ sich dadurch nicht von seiner Linie abbringen. Er habe sich niemals Gedanken darüber gemacht, von wem welche Fotos sind. Auf den Dateien könnten eigene und fremde Fotos gewesen sein. Er habe bei seinem Auszug aus der WG einfach alle Dateien gesichert, ohne einzeln zu prüfen, ob auch fremde Fotos darunter sind. "Mir ist wichtig zu betonen, dass ich damit nichts zu tun habe." Dies habe er bei der Verhandlungsvorbereitung auch seinem Verteidiger gesagt. "Ich gebe nichts zu, was ich nicht getan habe."

40-jähriger Angeklagter zeigt keine Reaktion 

"Dann schlage ich vor, das ganz große Programm zu fahren", nahm nun der Staatsanwalt die frühere Bemerkung der Richterin auf. Zusätzlich beantragte er, alle sichergestellten Bilddateien auf CDs und Festplatte noch einmal bis aufs Kleinste technisch überprüfen zu lassen. Mit "großem Programm" sei gemeint, erklärte die Richterin dem Angeklagten, dass sämtliche Personen seines damaligen Umfeldes - sowohl alle Mitbewohner der WG als auch seine zeitweilige Lebensgefährtin - als Zeugen vor Gericht geladen werden.

Ihr fragender Blick schien ihm noch eine letzte Chance zur Meinungsänderung geben zu wollen. Doch der 40-Jährige zeigte auch jetzt keine Reaktion. Daraufhin setzte die Richterin kurzerhand die Verhandlung aus.