Der Staatsanwalt warf vier jungen Männern vor, in einer Septembernacht 2016 an der Bushaltestelle in Schlimpfhof (Gemeinde Oberthulba) den Handlauf eines Schutzgeländers mit einer Akku-Flex abgesägt zu haben. Wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung erhielten die nicht geständigen Männer Geldstrafen zwischen 400 und 800 Euro. Auch die Kosten des Verfahrens müssen sie zahlen.

Trotz eindeutiger Zeugenaussagen glaubten die Vier offenbar bis zum Schluss der 90-minütigen Verhandlung, mit beharrlichem Leugnen einen Freispruch erreichen zu können. Doch sowohl Staatsanwalt als auch Richterin folgten in Strafantrag und Urteilsbegründung der Sichtweise der Zeugen, zumal keine anderen Täter möglich waren und sich zudem die Angeklagten in ihrer ersten Vernehmung in der Schilderung des Sachverhalts auch noch widersprochen hatten.


Pkw farblich auffällig

Während ein Angeklagter damals zu Protokoll gegeben hatte, das Geländer sei während ihres halbstündigen Aufenthalts vor Mitternacht noch völlig intakt gewesen, er habe sogar auf beiden Handläufen herumgeturnt, hatten seine drei Freunde ausgesagt, schon zu diesem Zeitpunkt habe ein Handlauf abgesägt am Boden gelegen.
Zur selben Zeit saßen andere Jugendliche etwa 80 Meter entfernt auf einer Bank vor der Dorfkirche und beobachteten das Geschehen an der Haltestelle. Während dieser Zeit sei einer der jungen Männer mit seinem farblich auffälligen Pkw, der zuvor mit offenem Kofferraum an der Bushaltestelle gestanden hatte, viermal die Straße mit laut aufheulendem Motor hin- und hergefahren. Das Sägegeräusch der Flex hatten sie allerdings nicht gehört.


Flex mit Motorenlärm übertönt

Beide Indizien wurden vom Gericht so gedeutet, dass die Angeklagten den Akku-Winkelschleifer aus dem geöffneten Kofferraum entnommen und dann, während des lauten Motorenlärms die Metallstange abgesägt hätten. Nachdem die vier Angeklagten mit ihrem Fahrzeug den Ort verlassen hatten, waren die Beobachter zur Haltestelle hinübergegangen, wo sie die abgesägte Stange und frische Metallspäne am Boden gesehen sowie frischen Brandgeruch wahrgenommen hatten. Deshalb riefen sie die Polizei.

"Wir waren es nicht", beteuerten trotz der Zeugenaussagen alle Angeklagten. Das Geräusch der Akku-Flex hätte man doch hören müssen, entgegnete einer. "Die Flex macht ein kreischendes Geräusch." Dies im Fall des Falles nicht gehört zu haben, "kann mir keiner erzählen". Das Fehlen dieses mit der vorgeworfenen Tat zwangsläufig einhergehenden Flex-Lärms, sah er als eindeutigen Beweis der Unschuld. Dumm allerdings, dass nur eine Stunde vor Eintreffen der Polizei ein anderer Bewohner das Geländer noch unbeschädigt gesehen hatte.

Die Amtsrichterin sah die Verhandlung zwar als reinen Indizienprozess, in dem Aussage gegen Aussage stand, sprach aber dennoch die Angeklagten schuldig, zumal sogar die Polizistin noch Minuten später frischen Brandgeruch am Tatort bestätigte. Als weiteres Indiz für die Schuld der Angeklagten nahm die Richterin den Widerspruch in ihren Aussagen bei der Polizei. "Sie hätten sich vorher besser abstimmen sollen."

Erschwerend kam hinzu, dass dieses Geländer Schulkinder davor schützen soll, auf die Straße zu laufen. Außerdem hätten die Angeklagten vor Gericht keine Einsicht gezeigt und mehrfach ihre Unschuld beteuert. "Wegen der kurzen Zeitspanne kann es aber niemand anderes gewesen sein", hielt ihnen die Richterin vor. "Insgesamt kann man nur den Schluss ziehen, dass Sie Unsinn angestellt haben - typisches Imponiergehabe ohne Sinn und Verstand."

Zwei Auszubildende müssen nun jeweils 400 Euro, der dritte Azubi 450 Euro und der besser verdienende Geselle 800 Euro an wohltätige Landkreis-Einrichtungen zahlen.