Im März wird Irmgard Heinrich nach 20 Jahren ihr Amt als erste Vorsitzende des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege abgeben, des Dachverbandes für 53 Ortsvereine mit über 1 400 Mitgliedern. "Es wird Zeit für einen Jüngeren." Designierter Nachfolger ist Markus Stockmann (33), seit 2005 Ortsvorsitzender in Elfershausen und von 2009 bis 2013 bereits Heinrichs Stellvertreter im Kreisverband.


Noch voller Tatkraft

"Es fällt mir schwer, dieses Amt aufzugeben. Ich habe es immer gern gemacht." Trotz ihres Alters steckt Irmgard Heinrich noch voller Tatkraft, "aber die Vernunft muss siegen". Im März 2017 muss Schluss sein, hatte sie schon bei ihrer letzten Wiederwahl vor vier Jahren angekündigt. Dem Obst- und Gartenbau wird sie sich künftig nur noch privat widmen. Immerhin hat sie den ihren 1000 Quadratmeter großen Bauerngarten gleich neben dem Wohnhaus in Frankenbrunn seit dem Tod ihres Mannes allein zu bewirtschaften. "Ich bin noch topfit", sieht sie keine Notwendigkeit, die harte Gartenarbeit aufzugeben. Immer gibt es etwas zu tun, und wenn der Rücken doch mal schmerzt, dann macht sie eben Pause. Die Natur- und Heimatverbundenheit steckt Heinrich im Blut. Ihre Vorfahren waren Landwirte. Vom Urgroßvater hat sie die Leidenschaft für die Jagd. Schon 1962 legte die damals 22-Jährige als erste Frau im Altlandkreis Hammelburg ihre Jagdprüfung ab, seit 50 Jahren ist sie Jagdaufseherin in Hetzlos. Außer dem Garten betreut sie auch noch ihren 2000 Quadratmeter großen Weiher voller Karpfen und Forellen.
Ihre Laufbahn als Gartenbau-Funktionärin begann 1982, als der damalige Kreisvorsitzende Konrad Peschka anregte, auch in Frankenbrunn einen Gartenbauverein zu gründen. "Er rief mich an und ich hab's gemacht." Die damals 42 Mitglieder wählten sie natürlich zur ersten Vorsitzenden. Das blieb sie 20 Jahre lang. Heute ist Heinrich Ehrenvorstand und ihr Ortsverein hat jetzt über hundert Mitglieder.


Viel erreicht

Ihr örtliches Engagement blieb nicht ohne Folgen: 1985 wurde sie Beisitzerin im Bezirksverband Unterfranken und ist es noch heute. 1993 wurde sie zunächst zum dritter Vorstand, 1997 dann zur ersten Vorsitzenden des Kreisverbandes gewählt. Damals führte der Kreisverband nur ein paar Informationsveranstaltungen im Jahr durch. "Das war mir zu wenig." Heinrich machte sich an die Arbeit und organisierte Veranstaltungen, die bis heute Bestand haben. Seit 15 Jahren gibt es nun den kreisweiten Heimatabend, jedes Jahr in einer anderen Gemeinde. Dort tragen Vereinsmitglieder Liedgut aus der Rhön und kleine Theaterstücke oder Sketche vor. "Kultur und Brauchtum waren mir immer wichtig", betont Heinrich. Man sollte sehen, dass Obst- und Gartenbauvereine weitaus mehr können, als sich um Obst und Gemüse zu kümmern. Die Gartenprodukte sind eher bei der Erntedank-Ausstellung gefragt, die alle zwei Jahre wechselnd in Hammelburg, Bad Brückenau und Bad Bocklet durchgeführt werden. Stolz ist Irmgard Heinrich auch auf den "Tag des offenen Gartens", der immer am letzten Sonntag im Juni stattfindet und sich steigender Beliebtheit erfreut.
Als wichtigen Punkt ihrer 20-jährigen Amtstätigkeit sieht die scheidende Vorsitzende die Jugendarbeit und seit 2009 den Einsatz einer Jugendbeauftragten. Mehrmals im Jahr, besucht Lisa Weissenberger (Fuchsstadt) die Grundschulen und Kindergärten, hält Vorträge und organisiert Ferienfreizeiten in der Natur. "Die Kinder sind doch unsere Zukunft", betont Heinrich mehrmals und meint damit auch die Zukunft der Vereine. Noch sieht sie diese Zukunft nicht bedroht, aber die Angebote müssten attraktiv sein, um Kinder und Jugendliche vom Fernseher und Computer wegzuholen.
Dennoch macht sie die Frage nach der Vereinszukunft nachdenklich: "Es wäre schade drum, würde es sie nicht mehr geben." Denn fährt man durch den Landkreis, so Heinrich, sehe man deutlich, wo es einen Gartenbauverein gibt und wo nicht: "Es sieht dort im Ort sauberer aus, da sind Blumen an den Fenstern." Dankbar blickt sie auf die 20 Jahre zurück: "Ich bin stolz auf unsere Vereine. Ich bin immer gern zu den Versammlungen gegangen."
Künftig will sie sich wieder mehr um ihre Familie kümmern. Außerdem ist sie Wortgottesdienstbeauftragte und Küsterin in Frankenbrunn, singt im Frauenchor "was man früher so gesungen hat" und bläst seit 30 Jahren bei den Jagdhornbläsern der Kreisgruppe Hammelburg. Ganz wichtig bleibt für die 76-Jährige die Arbeit mit Kindern: "Ich möchte sie für ihre Heimat, für Natur und Umwelt begeistern." Ihr Lohn ist deren Lachen: "Ich bin glücklich, wenn die Kinder glücklich sind."

Geboren: 1940 in Frankenbrunn
1982 - 2002: Gründungsvorsitzende des Gartenbauvereins Frankenbrunn
seit 1985: Beisitzerin im Bezirksverband für Gartenbau und Landespflege in Unterfranken; seit 1997: Vorsitzende des Kreisverbandes Bad Kissingen
1984 - 2002: Erstes weibliches Mitglied des Marktgemeinderats Oberthulba und Ortssprecherin von Frankenbrunn
seit 2002: Mitglied des Kreistages Bad Kissingen

Auszeichnungen: Goldene Rose des Bayer. Landesverbandes für Gartenbau und Landschaftspflege und Ehrendiplom des Kreisverbandes (beide 2010), Bürgermedaille von Oberthulba und Bundesverdienstkreuz am Bande (beide 2014)