Vertrauensfrage außer Betracht
Den umstrittenen Gesetzentwurf mit der Vertrauensfrage zu verknüpfen, komme für Bundeskanzler Merz nicht in Betracht. «Nein», bekräftigte Hille auf eine entsprechende Frage. Mit der Vertrauensfrage kann sich der Kanzler vergewissern, ob seine Politik im Bundestag eine Mehrheit hat.
Aus der Opposition hieß es, Merz und Spahn hätten offenbar keine stabile Grundlage in der eigenen Fraktion. «In der Regierung erleben wir Chaos und Führungslosigkeit», sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Britta Haßelmann.
Für SPD geht es um Kern der Koalition
SPD-Fraktionschef Miersch wies auf die Bedeutung des Rentenniveaus für seine Partei hin. Es sei für sie ein Hauptbestandteil der Koalition, sagte Miersch. «Und es ist im Übrigen auch etwas gewesen, was bei der Mitgliederentscheidung der SPD eine sehr, sehr wichtige Rolle gespielt hat», so Miersch mit Blick auf die mehrheitliche Zustimmung Hunderttausender SPD-Mitglieder zum Koalitionsvertrag im April 2025.
Die SPD verweigere sich weiteren Reformen «in keiner Weise». Aber erst komme dieses Gesetz. Auch Vize-Regierungssprecher Hille wies Forderungen zurück, die Rentenpläne ganz zurückzuziehen, bis die geplante Rentenkommission ihre Vorschläge für grundsätzliche Reformen macht. Diese Forderung hatten 22 namhafte Ökonomen und andere Wissenschaftler erhoben.
Senioren-Union: Gesetzentwurf zu starr
Die Senioren-Union der CDU warnte vor einer Koalitionskrise. «Wenn es das Datum allein ist, würde ich deshalb keine Koalitionskrise herbeiführen», sagte ihr Vorsitzender Hubert Hüppe mit Blick auf den Streit um das Jahr 2032. Dennoch halte er den von Arbeitsministerin Bas vorgelegten Gesetzentwurf für «zu starr». Vieles sei abhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung: «Wenn die floriert, wird der Druck nicht so groß sein.» Gehe es dagegen weiter bergab, seien ganz andere Fragen zu klären – etwa in Sachen Pflege- und Gesundheitssystem.
Junge Gruppen der Union: «Mut zur Entscheidung»
Die Junge Union und die Jugendorganisation des Sozialflügels der CDU (JCDA) forderten die Bundesregierung auf, die Entscheidungen der geplanten Rentenkommission nicht vorwegzunehmen. «Maßnahmen zur Stabilisierung der gesetzlichen Rente liegen seit Jahren auf dem Tisch. Die Politik muss endlich den Mut zu Entscheidungen haben», hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.
Der JCDA-Vertreter Gregory Gosciniak forderte, die Debatte dürfe nicht über die Köpfe der jungen Menschen hinweg geführt werden. Die Landesvorsitzende der JU Brandenburg, Laura Strohschneider, sprach in Potsdam von der «letzte(n) echte(n) Chance, den Generationenvertrag sichern zu können». Mit dem Gesetzentwurf von Bas hätte ihrer Ansicht nach «niemand gewonnen».