Bayern ist an vielem reich, auch an besonders kuriosen Ortsnamen. inFranken.de möchte euch eine kleine Anzahl von ihnen vorstellen: Ist die Luft in Pups tatsächlich so schlecht? Bekommt man in Antwort wirklich die Antwort auf jede Frage und ist die Ewigkeit an einem Ort erreichbar?

Diesen und anderen skurrilen Ortsnamen in Bayern gehen wir hier auf die Spur:

10 skurrile Orte in Bayern - was steckt hinter Arresting, Tuntenhausen und Katzenhirn?

#1 Pups

Wenn es an einem Ort schlechte Luft geben muss, dann ja wohl an einem, der das Synonym für "Furz" im Namen trägt. Bleibt die Frage: Verursacht der Ort die schlechte Luft oder  - mit etwas schwarzem Humor - sind es doch eher seine wenigen Bewohner? Weder noch: der Ort Pups, südöstlich von München gelegen und knapp sechs Kilometer von der Ortschaft Feldkirchen entfernt, bezieht sich wohl nicht auf ein schlechtes Klima vor Ort. Der Begriff "Pups", als Synonym von "Furz", entstand erst im 18. Jahrhundert. Wie man heute über die Geschichte des kleinen Ortes im Landkreis Rosenheim weiß, trug er bereits im 14. Jahrhundert den Namen "Pupfs". Laut einem Gerücht leitet sich der Name von einem alten Römer ab, der sich "Pupis" genannt haben soll.

#2 Arresting

An welchem Ort lässt sich eine Freiheitsstrafe wohl besser absitzen als im schönen Arresting? Der Ortsname wirbt gerade darum, eine lange Tradition im Strafvollzug zu besitzen und jeder wüsste vor "Arrestantritt", was nun Sache ist. Aber auch hier hat die Vorstellung nichts mit der Realität der Ortsgeschichte gemeinsam: Das Dorf Arresting ist ein Ortsteil der Stadt Neustadt an der Donau und ist wohl bereits um das 6. oder 7. Jahrhundert herum entstanden. Der Name der Ortschaft leitet sich wahrscheinlich von einem Mann namens Argisto ab, der sich um das Jahr 1000 mit seinen Leuten dort niederließ. Namentlich wird Arresting erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1086 erwähnt, als die Gräfin Elisabeth, Gemahlin des Grafen von Vohburg, ihr Gut in "Argistingin" dem Kloster Münchsmünster übergab.

#3 Antwort

Wie schön wäre es, wenn es heißen würde: "Du willst eine Antwort auf deine Frage? Nun, ich kann dir zwar nicht weiterhelfen, aber such den Ort 'Antwort' in Bayern auf. Dort wirst du alles erfahren, wonach dein Herz sich sehnt." Doch so einfach ist es dann doch nicht. Wie bei den ersten zwei Orten ist auch bei "Antwort" der Name nicht Programm. Historisch taucht der heutige Ortsteil von Bad Endorf als "Antvurt" schon im Jahr 924 auf. Anlass ist ein Gütertausch zwischen Erzbischof Adalbert II. von Salzburg und der Edlen Frau Rihni. Für den Namen existieren verschiedene Erklärungen, die "eine Antwort" gibt es also auch nicht. Vermutlich geht er auf die Wortstämme "Ant-wuhr" (Gegen(stau)wehr) zurück. Als gesichert gilt, dass der Ort im 12. Jahrhundert der Adelssitz des Geschlechts der Herren von "Antwurt" war, welches mit dem Tode Paulus Antwurters zu Antwurt erlosch.

#4 Gammelsdorf

Und wieder gibt es einen Ortsnamen in Bayern, der in die Welt der schlechten Gerüche entführt. In Gammelsdorf mag es hier und da sicherlich auch ein übles Lüftchen geben, das Wesen der Gemeinde im Landkreis Freising drückt der Name aber nicht aus. Nachweislich beginnt die Geschichte des Ortes im Jahre 1075, mit seiner schriftlichen Nennung als "Gamanolvesdorf". Der Gründer des Ortes war sicherlich ein gewisser Gamanolf, der ihm seinen Namen gab. Dass Gammelsdorf nie ein Dorf der schlechten Gerüche war, sondern früh Begehrlichkeiten weckte, zeigt ein Tauschhandel aus dem 11. Jahrhundert. So heißt es auf der Homepage der Gemeinde: "Der Name Gammelsdorf in der Form „Gamanolvesdorf“ erscheint zum ersten Mal 1075, da ein Herimanus von dort sein Gut in Schwillnach bei Ebersberg dem heiligen Sebastian durch Vermittlung des Gamanolf von Schattenhofen übergibt. Er gibt diesen Besitz aber nicht ohne Gegenleistung. Solange er lebte, mussten ihm alljährlich gegeben werden: acht Unzen Denare, eine Fuhre Wein aus Tondorf, zwei Fuhren Bier, drei gemästete Schweine, zwei Pfung hinz, an Getreide, was das Kloster von drei seiner kleineren Besitzungen in Pfeffenhausen einnimmt, ferner zwei Morgen Wiesen in Tondorf." Da mag noch jemand behaupten, in Gammelsdorf gäbe es nur Gammeliges...

#5 Übersee

Wer die Ferne und das Unbekannte liebt, kann in Bayern vielversprechende Reiseziele finden. Übersee im bayrischen Landkreis Traunstein sollte doch reizvoll klingen, oder nicht? Mit einem Tor in die weite Welt hat der Ort aber wenig gemeinsam. Woher der Name stammt, ist nicht klar. Seine erste Erwähnung findet sich in einer Salzburger Urkunde aus dem Jahr 788. Einen Anschluss an die weite Welt erhielt Übersee tatsächlich 1860 über die Eisenbahnstrecke Paris-München-Wien - ein gewisser internationaler Flair ist historisch also doch gegeben. Etwas ironisch ist auch, dass Übersee bis in die 1930er Jahre regelmäßig von Überschwemmungen der Tiroler Ache betroffen war, die durch den Bau eines Dammes gebändigt werden konnten - das Element Wasser spielt und spielte für den Ort nicht nur dem Namen nach eine wichtige Rolle.

#6 Petting

Etwas heißer geht es dem Namen nach im oberbayrischen Petting zu. Aber nein, auch hier lebt es sich nicht wilder als im restlichen Land - Petting ist kein bayrisches Babel. Erste menschliche Spuren aus der Region stammen von Fischern und Jägern. Erste ansässige Bewohner in der Gegend waren Bauern, die vor über 5200 Jahren Getreide anbauten. Seinen skurrilen Namen erhielt der Ort mit großer Wahrscheinlichkeit von seinem bajuwarischen Gründungsvater Petto. Die Endsilbe "ing" von Petting bedeutet so viel wie "die Männer des Petto". Eine andere Möglichkeit für den Ursprung des Namens geht auf ein Adelsgeschlecht zurück. Angeblich gehörte zum mittelalterlichen "Pettinga" auch eine Burg, die im Besitz derer "von Pettingen" war.

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#7 Katzenhirn

Stark wie ein Löwe! Schlau wie eine Katze! In unserer Sprache gibt es viele Floskeln, die wir nutzen, um uns positive Eigenschaften von Tieren zuzuschreiben. Deswegen lässt es sich als Bewohner von Katzenhirn (Unterallgäu) mit dem Namen doch sehr gut leben. Ein Bezug zu einem niedrigen Intelligenzquotienten muss nicht hergestellt werden. Wie in vielen vorgestellten Fällen wird auch der Name dieser Ortschaft vermutlich auf einen Bewohner zurückgehen. Der Name Katzenhirn ist als Familienname bereits seit dem 16. Jahrhundert bekannt und so könnte es auch sein, dass jemand aus der Gegend diesen Namen trug. Vielleicht hatte diese Person auch etwas Katzenhaftes an sich - aber das bleibt in der Geschichte verborgen.

#8 Tuntenhausen

Auf das Glatteis darf man sich von diesem Ortsnamen nicht führen lassen. Die Gemeinde Tuntenhausen im oberbayrischen Landkreis Rosenheim hat nichts mit der abfälligen Bezeichnung "Tunte" gemeinsam. 1815 schrieb ein gewisser Joseph Möckel in seiner veröffentlichten Geschichte über die Wallfahrtskirche zu "Duntenhausen", der Name sei keltischen Ursprungs. Er ging von einer überaus erhabenen Bedeutung der Silbe "Dun" aus: "Dun", schrieb er, bedeutet "die Erhabenheit der Erde".  Die Endsilbe "-hausen" könnte darauf hinweisen, dass vor Ort eine befestigte Wohnanlage bestand, von der sich der spätere Ortsname herleitete. Viel wahrscheinlicher aber erscheint wieder mal ein "Tunto" oder "Tunti" der Urheber des Namens zu sein, der sich in der Gegend von Tuntenhausen mit seiner Familie niederließ - ein "Tunit" ist sogar um das Jahr 770 schriftlich durch die Freisinger Traditionen belegt.

#9 Anwalting

Die besten Anwälte lassen sich bestimmt an einem Ort finden, der die Berufsbezeichnung im Namen trägt oder wohnen besonders viele Anwälte dort? Ja, es gibt sie, aber eher in der Gemeinde Affing, zu deren Einzugsgebiet auch Anwalting gehört. Die knapp 460 Einwohner vor Ort widmen ihr berufliches Leben sicherlich nicht alleine der Justiz. Noch hat Anwalting eine prominente Geschichte als Gerichtsstätte. Die Siedlung, die sich im westlichen, gegen den Lech öffnenden Tal von Affing befindet, hat dennoch eine lange Geschichte. Eine Urkunde aus dem Jahr 935 bezeugt bereits ihre Existenz, als die Kirche zu Anwalting - Siedlung eines Ongolt - an das Kloster Ebersberg übergeben wurde.

#10 Ewigkeit

"Ewigkeit" heißt zeitliche und räumliche Unbegrenztheit. Wie würde es aussehen, wenn man sie erleben könnte, was würde jeder daraus machen? Nun, dieses recht körperlose Phänomen hat in Bayern ein örtliches Zuhause. So heißt nämlich ein nördlicher Ortsteil der Stadt Simbach am Inn. Simbach liegt in Niederbayern und wird durch den Inn von Österreich getrennt. Es mag hier zwar theoretisch die Möglichkeit bestehen, eine zeitliche Ewigkeit am Ort zu verbringen, räumlich ist Ewigkeit aber deutlich sichtbar begrenzt - und die Sache mit der ewigen Zeit, stimmt leicht auch nicht so ganz, denn wie jeder weiß, ist Zeit auch begrenzt.

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