Weil sie von Alkohol abrät: Bayerischer Bier-Boss attackiert CSU-Ministerin

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Bayerischer Brauer-Chef greift Gerlach an - weil sie von Alkohol abrät
Mit ihrem Anti-Alkoholkurs zieht Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) die Wut der Brauereien auf sich.
Bayerischer Brauer-Chef greift Gerlach an - weil sie von Alkohol abrät
Collage inFranken.de: KI-generiertes Symbolbild/Gemini : Katharina Kausche/dpa

Die bayerischen Brauereien stecken tief in der Krise - sie verkaufen immer weniger Bier. Der Brauerbund-Präsident gibt der Alkoholpolitik der CSU eine Mitschuld.

Bayerns Brauereien stehen vor der herausforderndsten Situation seit vielen Jahren: Sowohl der Bierverbrauch im Inland als auch die Ausfuhren sind 2025 drastisch zurückgegangen. Auch die Zahlen für Gesamtdeutschland sind erschreckend. Die Verluste waren noch gravierender als während der Corona-Krise, wie Brauerbunds-Präsident Georg Schneider in München mitteilte. Der gesamte Bierabsatz der bayerischen Brauer im In- und Ausland verringerte sich demnach um über fünf Prozent auf 22,5 Millionen Hektoliter.

Die Anzahl der Brauereien in Bayern ist erstmals auf unter 600 gesunken. Schneider kritisierte Gesundheitsbehörden, Ernährungswissenschaft und Politik einschließlich der Staatsregierung dafür, auch maßvollen Alkoholkonsum zu verteufeln. Deutschland habe das 2022 verkündete Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Reduzierung des Reinalkoholkonsums um zehn Prozent überschritten, sagte Schneider. Damit zählt Deutschland aber immer noch zu den 20 Ländern mit dem weltweit höchsten Alkoholkonsum pro Kopf der Bevölkerung.

Kritik an Gerlach in Bier-Krise: Verschließt sich "lustvollem Genussansatz"

"Und nichtsdestotrotz haut die Alkoholpolitik immer wieder auf das Thema." Von der WHO schreibe die Deutsche Gesellschaft für Ernährung ab. "Und auf die stützt sich dann wieder unsere bayerische Gesundheitsministerin, die Frau Gerlach, die am 1. Januar den 'Dry January' verkündet", klagte der Chef der Münchner Brauerei Schneider Weisse. So schnell erholt sich der Körper wirklich in diesem Monat. 

"Im Prinzip ist das ein Boykottaufruf für unsere Produkte, und meine Kollegen waren alles andere als amused." Die Brauer unterstützten den Kampf gegen Alkoholmissbrauch. "Aber sich vor einem moderaten Konsum, vor einem lustvollen Genussansatz zu verschließen, das verstehe ich nicht mehr." Gesundheitsministerin Judith Gerlach will weiterhin vor den Gefahren des Alkoholkonsums warnen: "Wissenschaftlern zufolge gibt es keine risikofreie Menge an Alkohol", sagte die CSU-Politikerin.

Die Kritik des Brauerbundes komme ausgerechnet einen Tag nach dem Weltkrebstag. "Dabei haben Studien gezeigt, dass selbst moderater Alkoholkonsum mit einem erhöhten Risiko auch für einige Krebs-Arten verbunden sein kann", sagte die Gesundheitsministerin. "Deshalb wird es von mir keine Verharmlosung von Alkohol geben."

Bayerischer Brauereipräsident erklärt, wieviel ein Kasten Bier wirklich kosten müsste

Wie ernst die Lage für die Brauer ist, zeigt der Langfristvergleich: Konsumierte die deutsche Bevölkerung 1990 pro Kopf im Schnitt noch knapp 143 Liter Bier pro Jahr, waren es 2024 bereits weniger als 90 Liter. Das ist so wenig wie zuletzt in der Nachkriegszeit, wie Hauptgeschäftsführer Lothar Ebbertz erklärte. Bayerns Brauer konnten die Inlandseinbußen zwar über viele Jahre durch höhere Exporte in die restliche Welt weitgehend kompensieren, doch mittlerweile schwächelt auch der Export.

Schuld an dieser Lage sei auch der Preis, so Schneider gegenüber der Augsburger Allgemeinen. "Gerade kleinere Brauereien stehen vor großen Herausforderungen, zumal die Bierpreise in Deutschland im internationalen Vergleich nach wie vor zu niedrig sind." Preise von 14,99 oder 15,99 für einen Kasten seien zu niedrig für kleinere Brauereien.  Ende Januar wurde etwa bekannt, dass die bekannte Traditionsbrauerei Leikeim aus Oberfranken Insolvenz anmelden musste. Von solchen Preisen "können vielleicht Groß-Konzerne leben, Mittelständler nur schwer", erklärt Schneider im Interview. "Ein Kasten Bier eines mittelständischen Brauers müsste 20 bis 25 Euro kosten", so seine Forderung. Dann könne er auskömmlich wirtschaften.

Brauerbunds-Präsident Schneider - der den ehrenamtlichen Posten in diesem Jahr nach zehn Jahren abgeben will - sieht die Branche jedoch nicht dem Untergang geweiht. Sowohl regionale Biere als auch neue, nichtalkoholische Getränke bieten den überwiegend mittelständisch geprägten Unternehmen demnach Möglichkeiten. "Wir haben es im Moment nicht leicht als Branche, aber wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen", sagte Schneider.

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