Noch vor den Worten von Puente sagte Rafael Escudero, Sprecher der Eisenbahngewerkschaft: "Ich sage schon seit langem, dass der Zustand unseres Bahnnetzes nicht angemessen ist." Die Lokführergewerkschaft hält derweil an ihrem für Donnerstag geplanten Streik fest. Sie hatte ihn bereits am 16. Oktober angekündigt, um Verbesserungen bei der Sicherheit zu fordern.
Vor der vorgezogenen Parlamentswahl vom 29. November dauerte es nicht lange, bis Oppositionspolitiker der linken Regierung von Pedro Sánchez die Schuld am Unglück gaben. "Korruption tötet", die Regierung sei kriminell, sagte etwa der Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal.
Schweigeminuten in Spanien
Mehrere Experten wiesen Spekulationen als "verfrüht" zurück. Oscar Carballo von der Ingenieurkammer sagte zu RTVE: "Theoretisch ist es unmöglich, dass ein Zug auf einer Hochgeschwindigkeitsstrecke auf einen anderen auffährt."
"Ganz Spanien trauert heute", sagte Regierungschef Sánchez am Unglücksort. Er versicherte: "Wir werden der Sache bis zum Ende nachgehen. Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, wird das ans Licht kommen." Zwei Bahnunglücke innerhalb von neun Monaten seien "inakzeptabel".
Im ganzen Land wurden Schweigeminuten abgehalten, politische und andere Termine sowie Fußballspiele wurden abgesagt. An Bahnhöfen bildeten sich lange Warteschlangen, Medien sprachen von Chaos.
Betroffenheit in ganz Europa
Die Erschütterung reichte auch bis nach Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf der Plattform X, die Nachricht mache ihn "tief betroffen". "Wir trauern mit unseren spanischen Freunden und allen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Den Verletzten wünsche ich, dass sie rasch wieder gesund werden."
Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, sagte: "Das Zugunglück in Spanien macht mich fassungslos. Es trifft die Eisenbahnfamilie mitten ins Herz." Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich erschüttert. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer, schrieb sie. "Europa trauert heute mit euch."
Das Unglück ruft Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe vom Januar bei Adamuz in Andalusien wach. Damals war ein Iryo-Zug entgleist und mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe kollidiert. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben.
Ursprungsmeldung vom 28.10.2026, 11.08 Uhr: Mindestens 64 Tote bei Zugunglück in Spanien
Bei einem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge südlich von Madrid sind nach Angaben einer Sprecherin der spanischen Regionalregierung von Kastilien-La Mancha mindestens 64 Menschen ums Leben gekommen.
Die Züge stießen am Morgen nahe Urda in der Provinz Toledo rund 130 Kilometer südlich von Madrid zusammen. Es gebe auch Dutzende Verletzte, sagte Esther Padilla, Sprecherin der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, im spanischen Fernsehen. Zur genauen Zahl der Verletzten gab es zunächst keine Angaben.
Zwei Waggons eines Zuges des privaten Bahnunternehmens Iryo entgleisten nach dem Zusammenstoß und stürzten nach Angaben des Fernsehsenders RTVE einen Bahndamm hinunter. Nach Angaben Padillas waren im Iryo-Zug 146 Passagiere und ein Baby an Bord. Im Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe befanden sich demnach 397 Menschen.
Verheerendes Zugunglück in Spanien: "Menschen flogen durch die Luft"
Warum es zu dem Unglück kam, war zunächst unklar. Der Iryo-Zug war offenbar aus bislang unbekannten Gründen zum Stehen gekommen. Der nachfolgende Renfe-Zug sei kurz vor neun Uhr auf ihn aufgefahren, hieß es aus Kreisen des spanischen Bahnnetzbetreibers Adif. Beide Züge waren in Richtung Süden nach Andalusien unterwegs. Nach ersten Ermittlungen könnte menschliches Versagen die Ursache sein, berichtete die Zeitung El País.
Der Bahnverkehr zwischen Madrid und Andalusien wurde in beide Richtungen unterbrochen. Am Unglücksort waren Feuerwehrleute aus den nahe gelegenen Orten Alcázar de San Juan und Orgaz sowie Zivilschutzkräfte aus mehreren umliegenden Gemeinden im Einsatz. Zudem wurden drei Rettungshubschrauber und zwei mobile Intensivstationen zur Versorgung der Verletzten eingesetzt. Das Innenministerium in Madrid ordnete außerdem den Einsatz der Militärischen Nothilfeeinheit UME an.
Ein Überlebender schilderte El País die dramatischen Momente des Unglücks. Jesús Jerónimo saß in einem Waggon des Renfe-Zuges auf dem Weg nach Sevilla und arbeitete an seinem Laptop. "Ich spürte plötzlich eine heftige Beschleunigung und wurde mit voller Wucht gegen den Vordersitz geschleudert. Menschen flogen durch die Luft", sagte der 54-Jährige.
Bestürzung über Zugunglück auch in Deutschland
Zunächst hätten die Passagiere gedacht, ihr Zug sei entgleist. Als sie nach und nach ausgestiegen seien, hätten sie gesehen, dass der Zug schräg stand. Es habe viele Verletzte und aufgeregte Menschen gegeben. Jerónimo half anschließend den Rettungskräften, unter anderem indem er Infusionen hielt. Die Feuerwehr konzentrierte ihre Arbeit nach seinen Angaben auf den stärker beschädigten Zug.
Ministerpräsident Pedro Sánchez zeigte sich auf X "bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo" und sprach den Betroffenen und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus.
Die Erschütterung über das Unglück reichte auch bis nach Deutschland. "Das Zugunglück in Spanien macht mich fassungslos. Es trifft die Eisenbahnfamilie mitten ins Herz", erklärte die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla. Sie sprach den Opfern und ihren Angehörigen ihr tiefes Mitgefühl aus und wünschte den Verletzten eine schnelle Genesung.
Erst im Januar hatte es 46 Tote bei einem Bahnunglück gegeben
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich bestürzt. "Ich habe gerade die erschütternde Nachricht von dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in Toledo erhalten", schrieb sie. Ihr Mitgefühl gelte den Familien und Angehörigen der Opfer. "Europa trauert heute mit euch."
Das Unglück weckt Erinnerungen an die schwere Zugkatastrophe vom Januar bei Adamuz in Andalusien. Damals entgleiste ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.
Vorschaubild: © Manu Fernandez/AP/dpa