Likud erhebt schwere Wahlbetrugsvorwürfe
Netanjahus Partei erhob unterdessen massive Wahlbetrugsvorwürfe. «Die Wahlen im Staat Israel wurden von arabischen Parteien gestohlen, die den Terrorismus und die Vernichtung des jüdischen Staates unterstützen», hieß es in einer Likud-Mitteilung. Die Partei sprach von schweren Straftaten, darunter Bestechung, Drohungen, Gewalt, Fälschungen und Einsatz verbotener Software zur Mobilisierung von Wählern. Die Vorwürfe ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
Nach eigenen Angaben übermittelte die Likud-Partei der Polizei, dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet und dem Zentralen Wahlkomitee «Hunderte Zeugenaussagen und Beweise für Wahlbetrug in zahlreichen arabischen Wahllokalen». Sie forderte eine umfassende Untersuchung und strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen. Die Integrität der Wahlen sei «massiv beeinträchtigt» worden, behauptete die Partei.
Das Zentrale Wahlkomitee teilte laut «ynet» mit, es werde die Beschwerde prüfen. Eine solche Überprüfung von Eingaben der Parteien zu möglichen Unregelmäßigkeiten gehört zum regulären Verfahren nach einer Wahl.
Wer bekommt den Auftrag zur Regierungsbildung?
Das endgültige amtliche Ergebnis der Parlamentswahl muss laut Gesetz spätestens acht Tage nach der Wahl vorliegen. Anschließend liegt der Ball bei Staatspräsident Izchak Herzog. Er beauftragt nach Beratungen mit den im Parlament vertretenen Parteien einen Abgeordneten mit der Regierungsbildung. Entscheidend ist dabei nicht zwingend, wer die stärkste Partei anführt, sondern wem die Bildung einer mehrheitsfähigen Koalition am ehesten zugetraut wird.
Herzog sagte mit Blick auf die Konsultationen, man müsse alles unternehmen, um Neuwahlen infolge der Patt-Situation zu vermeiden. Er rief die verschiedenen Parteien auf, mit Blick auf die Regierungsbildung Offenheit zu zeigen.
Sorgen vor Iran-Krieg - Olmert: «Alles ist möglich»
Olmert äußerte sich auch mit Blick auf Sorgen vor einem neuen Krieg mit dem Iran. «Alles ist möglich. Dieses Paar aus (US-Präsident Donald) Trump und Netanjahu kann viele Dinge machen, die nicht Sinn ergeben und unerwartet sind», sagte er dem ZDF. Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz «sich äußern würde gegen unnötige militärische Abenteuer, dann wäre das nutzbringend», sagte der Ex-Regierungschef.
Netanjahu hatte in seiner Ansprache nach der Wahl betont, die Gefahr durch den Erzfeind Iran sei weiterhin nicht gebannt. Gemeinsam mit den USA müsse Israel «diese Bedrohung ein für alle Mal beseitigen». Beide Länder haben seit vergangenem Jahr zusammen bereits zwei Kriege gegen den Iran geführt.
Wie das «Wall Street Journal» unter Verweis auf ungenannte Quellen berichtet, versucht die US-Regierung derzeit in Erfahrung zu bringen, ob sich geplante Militärschläge gegen den Iran noch auf diplomatischem Wege abwenden lassen. Zuvor hatte die US-Zeitung berichtet, die USA hätten mehrere arabische Golfstaaten aufgefordert, sich auf einen kurzen, intensiven Militäreinsatz nach den US-Zwischenwahlen am 3. November einzustellen.