Israel tötet das iranische Staatsoberhaupt Chamenei. Der Iran holt zu weiteren Gegenschlägen aus - ein Ende der Eskalation ist nicht absehbar. Was bedeutet das für Deutschland?
Update vom 02.03.2026, 12.09 Uhr: BSW-Chef warnt vor Auswirkungen und fordert Gegenmaßnahmen
Der Iran-Konflikt könnte laut Einschätzung von BSW-Chef Fabio De Masi wegen steigender Öl- und Spritpreise gravierende Auswirkungen auf Deutschland haben. "Der Krieg droht, ein ökonomischer Genickbruch für Wirtschaft und Verbraucher zu werden", sagte der Vorsitzende des Bündnisses Sahra Wagenknecht.
Er erneuerte die BSW-Forderung, russisches Öl wieder in der brandenburgischen Raffinerie Schwedt zu verarbeiten. Zudem seien strikte Preiskontrollen und die Abschöpfung von Übergewinnen nötig. "Die Wirtschaftsministerin muss gegen Abzocke an der Zapfsäule vorgehen", sagte De Masi.
Nach der Eskalation im Nahen Osten waren die Preise an deutschen Tankstellen gestiegen. Allerdings war der Anstieg laut ADAC-Zahlen zunächst relativ gering. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags (1. März 2026) kostete ein Liter Super E10 1,6 Cent mehr als am Freitag. Diesel verteuerte sich um 1,3 Cent.
Deutschland wird sich laut Wadephul nicht an Iran-Krieg beteiligen
Deutschland wird sich nach Angaben von Außenminister Johann Wadephul (CDU) nicht an militärischen Aktionen gegen den Iran beteiligen. "Die Bundesregierung hat nicht die Absicht, sich zu beteiligen", sagte Wadephul im Deutschlandfunk. Im Gegensatz zu Großbritannien, das den USA die Nutzung britischer Stützpunkte in der Region für die Zerstörung iranischer Raketen und Raketen-Abschussrampen erlaubt, habe Deutschland solche Basen dort nicht. "Wir haben auch keine entsprechenden militärischen Mittel", sagte Wadephul. "Und die Bundesrepublik hat definitiv nicht die Absicht, sich irgendwie zu beteiligen."
Möglich sei jedoch, dass "unsere Bundeswehrsoldaten, wenn sie angegriffen werden würden, sich defensiv verteidigen würden", führte er weiter aus. "Weitere Maßnahmen darüber hinaus wird es aus bundesdeutscher Sicht nicht geben." Deutsche Soldaten sind an mehreren Standorten im Nahen Osten stationiert, vor allem in Jordanien, im Irak sowie im Libanon.
Auf die Frage, ob der Angriff Israels und der USA auf den Iran völkerrechtswidrig sei, sagte Wadephul unter anderem: "Es gibt natürlich auch Zweifel daran, das steht doch außer Frage. Aber wir müssen doch eine Gesamtbewertung der politischen und der Sicherheitsdimension vornehmen, der wir gegenüberstehen. Das ist unsere Verantwortung als Bundesregierung zu sagen, was bedeutet das für uns hier. Und der Iran ist eine erhebliche Gefahr, nicht nur für Israel, für die Region dort, sondern auch für Deutschland und für Europa."
IAEA-Chef warnt vor Atomunfall im Nahen Osten
Konkret bedeute diese Bedrohung, dass es im Iran "wieder ein erhebliches ballistisches Raketenprogramm" gebe, führte Wadephul aus. "Und zwar das sind Raketen mit einer Reichweite, die auch Europa bedrohen". Das iranische Regime sei zudem "jederzeit entschlossen gewesen", "auch gegen Europa, gegen europäische Interessen zu handeln" und bedrohe "uns auch terroristisch hier in Deutschland". Vom Iran würden "Cyberangriffe Richtung Deutschland ausgehen". Das Land unterstütze zudem Russlands Krieg gegen die Ukraine. "Das kann ich doch nicht unberücksichtigt lassen", sagte Wadephul.
"Wenn diesem Regime das Handwerk gelegt wird, dass es zumindest gegen uns nicht mehr so vorgehen kann, wie es das in der Vergangenheit getan hat, dann erhöht es unsere Sicherheit hier in Deutschland. Und das ist für mich ein entscheidender Aspekt", so Wadephul.
Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, warnte angesichts der militärischen Eskalation im Nahen und Mittleren Osten vor dem Risiko eines Atomunfalls. "Wir können einen möglichen Strahlungsaustritt mit schwerwiegenden Folgen nicht ausschließen - inklusive die Evakuierung von Gebieten, die so groß oder größer sind wie Großstädte", warnte er in einer Sondersitzung der Organisation in Wien.
Atomreaktoren auch in anderen Ländern im Nahen Osten
Nach den jüngsten Angriffen auf den Iran gebe es bislang keine Hinweise, dass iranische Atomanlagen beschädigt oder getroffen worden seien, so Grossi. Er warnte jedoch vor einem erhöhten nuklearen Sicherheitsrisiko in der Region, auch weil mittlerweile eine Reihe anderer Länder angegriffen worden seien, die ebenfalls Nuklearanlagen haben. "Wir fordern deshalb äußerste Zurückhaltung bei allen militärischen Operationen", sagte er.
Der IAEA-Generaldirektor wies auf Atomreaktoren in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Jordanien und Syrien hin. Auch viele andere Länder im Nahen Osten verfügten über Atomtechnologie, so Grossi. Israel und die Vereinigten Staaten hatten bereits im vergangenen Sommer Irans Atomanlagen angegriffen und schwer beschädigt.
Update vom 02.03.2026, 6.15 Uhr: Krieg in Nahost - Reisende können nicht evakuiert werden
Die Flugzeuge starten nicht, die Kreuzfahrtschiffe fahren nicht ab, dafür gibt es immer wieder Raketenalarm: Tausende Urlauber aus der ganzen Welt sitzen im Kriegsgebiet in Nahost fest. "Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können", sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Caren Miosga". Nach Einschätzungen von US-Präsident Donald Trump könnte der Krieg mit dem Iran noch vier Wochen dauern.
Israel und die USA hatten am Samstagfrüh Luft- und Raketenangriffe gegen Ziele im Iran begonnen, bei denen auch Religionsführer und Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet wurde. Teheran reagierte mit Angriffen auf Israel sowie auf Ziele in der Golfregion, in der es US-Militärstützpunkte gibt. Daraufhin wurde etwa an den Flughäfen von Dubai der Flugverkehr bis auf weiteres ausgesetzt. Airports und nationale Fluggesellschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben der Generalbehörde für Zivilluftfahrt zufolge bereits rund 20.200 Passagiere betreut, deren Flüge verschoben werden mussten.
Lage zwischen USA, Israel und Iran eskaliert - Reisende sitzen in Region fest
Es wurden vorübergehende Unterkünfte, Mahlzeiten und Erfrischungen bereitgestellt. Außerdem wollen die Vereinigten Arabischen Emirate "alle Unterbringungs- und Verpflegungskosten für betroffene und gestrandete Passagiere" übernehmen, teilte die Behörde mit. In Saudi-Arabien verkündete das Außenministerium, dass König Salman auf Vorschlag von Kronprinz Mohammed bin Salman die Unterbringung aller im Land gestrandeten Golfstaaten-Bürger an Flughäfen genehmigt habe, bis deren sichere Rückkehr in ihre Heimat möglich sei.
Auch Reiseanbieter kümmern sich eigenen Angaben zufolge um ihre Gäste, vor allem vor Ort durch Reiseleiter. Dertour etwa hat zudem eine Krisenhotline eingerichtet - für festsitzende Reisende in Nahost wie auch für von Flugabsagen Betroffene weltweit. "Unser Krisenmanagement steht dazu im engen Austausch mit den zuständigen Behörden im In- und Ausland und mit den Fluggesellschaften sowie den Koordinierungseinheiten vor Ort", heißt es auf der Website. Vorerst aber bleibt viel Unsicherheit - nicht nur bei der Frage, wann die Reise weitergehen kann. Eine Reisende aus Hamburg, die auf der Rückkehr von Malaysia mit der Airline Emirates in Dubai gestrandet ist, berichtete am Sonntag, dass sie von ihrem Hotel aus Rauchsäulen über der Stadt sieht. Mehrere Menschen hätten ihr erzählt, es habe am Flughafen Trümmer gegeben. Der Deutsche Reiseverband (DRV) rät, "Veranstaltergäste sollten den Anweisungen der örtlichen Behörden folgen sowie dringlichst in ihrem gebuchten Hotel bleiben und sich nicht eigenständig zum Flughafen oder in das Nachbarland begeben."
Auch auf Kreuzfahrtschiffen sitzen Touristen in den Häfen der Region fest - etwa auf "Mein Schiff 4" und "Mein Schiff 5" vom deutschen Anbieter Tui Cruises mit einer möglichen Kapazität für insgesamt gut 5.000 Reisende. "Aufgrund der weiterhin dynamischen Lage in der Region sowie eingeschränkter Flugverbindungen sind wir derzeit auf die Informationen der Airlines angewiesen, um zu klären, ob und wann Rückflüge stattfinden können", heißt es auf der Website. "Sobald uns hierzu verlässliche Angaben vorliegen, stimmen wir die nächsten Schritte eng mit unseren Partnern ab." Die Iran-Eskalation führt zu beispiellosen Reisewarnungen für den Nahen Osten, wie wir in einem separaten Artikel berichten: Von Dubai bis Israel – der Flugverkehr liegt lahm, Kreuzfahrtschiffe stecken fest.
Evakuierung derzeit nicht möglich - wohl mehr als 10.000 Deutsche in Golfregion
Laut DRV sind aktuell rund 30.000 Reisende von deutschen Veranstaltern von der Situation betroffen. Sie halten sich derzeit in der Region auf oder ihre Flüge aus anderen Regionen der Welt sollten über die Drehkreuze in der Region gehen. Wie viele Deutsche konkret aktuell in der Golfregion sind, ist unklar. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es am Sonntag, in der Krisenvorsorgeliste hat sich bislang eine niedrige fünfstellige Zahl betroffener Deutscher in der Golfregion registriert - also mehr als 10.000 Menschen. Das können Urlauber sein oder im Ausland lebende Deutsche, die Registrierung ist freiwillig.
Eine militärische Evakuierung der Betroffenen schloss Außenminister Wadephul (CDU) aktuell aus: "Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen", sagte er am Sonntag der "Bild". Stattdessen setze die Bundesregierung auf Informationsangebote und konsularische Unterstützung. "Alle Botschaften, alle Auslandsvertretungen sind geöffnet. Wir arbeiten intensiv daran, mit Informationen da zu sein." In der ARD-Sendung "Caren Miosga" sagte Wadephul außerdem, es müsse Vorsorge getroffen werden, "dass auf anderem Wege eine Ausreise aus diesen Ländern ermöglicht wird". Zudem sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts, das Ministerium "beobachtet die Lage in der Region sehr aufmerksam. Das Auswärtige Amt steht dazu auch in engem und ständigem Kontakt mit den Botschaften in der Region." Und sie ergänzte: "Reisende in der Region sind aufgerufen, kommerzielle Ausreisemöglichkeiten zu prüfen und sich dazu unmittelbar bei Reiseveranstaltern bzw. Fluggesellschaften zu informieren."
Außerdem sollen sich deutsche Staatsangehörige in der Region auf der Krisenvorsorgeliste "Elefand" registrieren. Mit den dort hinterlegten Daten kann eine Botschaft im Ernstfall Kontakt aufnehmen und gegebenenfalls Unterstützung anbieten. "Dies betrifft auch Reisende, die von den Sperrungen des Luftraums betroffen sind", so die Sprecherin des Auswärtigen Amts. "Alle sind aufgerufen, den Anweisungen der lokalen Behörden in Bezug auf die jeweils erforderlichen Maßnahmen zum Selbstschutz Folge zu leisten."
Im Iran halten sich schätzungsweise noch ein paar Tausend Menschen auf, die die Staatsangehörigkeit eines EU-Mitgliedstaates besitzen, wie eine ranghohe EU-Beamtin in Brüssel mitteilte. Viele von ihnen hätten allerdings auch die iranische Staatsangehörigkeit und wollten nicht zwingend das Land verlassen, ergänzte sie. Genaue Angaben zur Zahl der Menschen, die evakuiert werden wollen, machte sie nicht.
Deutlich mehr Menschen mit Staatsangehörigkeit eines EU-Staates sitzen den Angaben zufolge unfreiwillig in Ländern rund um den Iran fest, weil ihre Flüge wegen Luftraumsperrungen gestrichen wurden. Um ihnen bestmöglich zu helfen, wurde ein EU-Netzwerk für konsularische Zusammenarbeit aktiviert, das die Koordinierung von Evakuierungsbemühungen erleichtern soll.
Update: Chamenei tot, Iran will Rache - So reagieren EU, Söder und der Papst
Nach der Tötung des iranischen Staatsoberhaupts und Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei überziehen sich Israel und der Iran weiter gegenseitig mit Angriffen. Die israelische Armee teilte mit, sie greife "Ziele des iranischen Terrorregimes im Herzen von Teheran an". Einwohner berichteten von lauten Explosionen. Irans Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die Tötung von Chamenei durch das israelische Militär als offene Kriegserklärung gegen alle Muslime weltweit.
Israel und die USA greifen seit Samstag Ziele im Iran an. Inzwischen hat auch der Iran bestätigt, dass Chamenei getötet wurde. US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu haben deutlich gemacht, dass sie mit den Angriffen auf die Führungsriege des Landes den Weg für einen Machtwechsel ebnen wollen. Sie riefen die Iraner dazu auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und auf Golfstaaten, in denen das US-Militär Stützpunkte unterhält.
Söder und Papst reagieren auf die Angriffe
Papst Leo XIV. hat angesichts der israelisch-amerikanischen Angriffe auf den Iran und dessen Gegenschlägen eine Rückkehr zur Diplomatie verlangt. Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken sprach zum Abschluss seines Sonntagsgebets im Vatikan von einer "Tragödie von enormem Ausmaß". "Stabilität und Frieden lassen sich nicht durch gegenseitige Drohungen erreichen oder durch Waffen, die Zerstörung, Leid und Tod säen, sondern nur durch einen vernünftigen, verantwortungsvollen und authentischen Dialog."
Vor mehreren Zehntausend Menschen auf dem Petersplatz mahnte der Pontifex alle Beteiligten, "moralische Verantwortung" zu übernehmen. Die Spirale der Gewalt müsse beendet werden, "bevor sie zu einem unwiderruflichen Abgrund wird". Leo schloss mit den Worten: "Möge die Diplomatie ihre Rolle wiederfinden und das Wohl der Völker gefördert werden."
CSU-Chef Markus Söder hingegen sieht durch die Angriffe Israels und der USA eine Chance für grundlegende politische Veränderungen im Iran. "Der entschlossene Einsatz der USA und Israels ermöglicht endlich den erhofften Wandel im Iran", schrieb Bayerns Ministerpräsident auf der Plattform X. "Nach Jahrzehnten unter der Herrschaft eines grausamen Terrorregimes bietet sich nun die Chance auf Freiheit und die Einhaltung von Menschenrechten." Er sprach von "historischen Stunden im Nahen Osten". Man unterstütze das iranische Volk bei seinem Streben nach Selbstbestimmung, schrieb Söder weiter. Die "willkürlichen Angriffe des Regimes" auf die Staaten in der Golfregion müssten sofort enden. "Viel zu lange hat Iran den Nahen Osten mit brutaler Gewalt destabilisiert."
Israel: Immer wieder Raketenalarm - Iran: Zwischen Jubel und Angst
In Israel gab es das ganze Wochenende immer wieder Raketenalarm. Seit Samstagabend mussten Millionen Menschen bereits rund 20 Mal wegen Angriffen in die Schutzräume eilen. In mehreren Gegenden wurden Einschläge gemeldet. In Beit Schemesch westlich von Jerusalem wurden neun Menschen beim Einschlag einer Rakete getötet. Insgesamt kamen am Wochenende nach israelischen Angaben mindestens elf Menschen ums Leben, Dutzende Menschen wurden demnach verletzt.
Die Angriffe und die Tötung von Chamenei lösten im Iran Panik und Trauer, aber auch Jubel und Hoffnung aus. Am Sonntag wurde das Stadtzentrum Teherans wieder von Explosionen erschüttert. Bei den Angriffen auch auf andere Regionen des Landes kamen nach Angaben des Roten Halbmonds bereits mehr als 200 Menschen ums Leben. Hunderte wurden verletzt. Trump warnte den Iran vor weiteren Gegenschlägen. Man werde darauf "mit einer Stärke, die man noch nie vorher gesehen hat" reagieren. Dennoch schwor der Iran Rache.
Dreierspitze soll Aufgaben Chameneis zunächst übernehmen Den Iran soll nun vorübergehend ein dreiköpfiger Rat führen: Präsident Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi sowie das Mitglied des Wächterrats, Alireza Arafi. Das Trio soll die Aufgaben Chameneis übernehmen, bis die 88 Geistlichen im sogenannten Expertenrat einen Nachfolger benennen. Wie schnell das Machtgefüge mitten im Krieg neu geordnet werden kann, ist völlig offen.
Explosionen in Golfstaaten
Der Iran beschränkte seine Angriffe nicht nur auf Israel. In Bahrain, Katar sowie in Abu Dhabi und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Einschläge und Explosionen gemeldet. Die Revolutionsgarden hätten 27 US-Stützpunkte in der Golfregion angegriffen, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim, ein Sprachrohr der Elitestreitmacht.
Die Eskalation in Nahost wirkt sich erheblich auf den internationalen Luftverkehr aus. Zahlreiche Lufträume wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen, Tausende Reisende saßen fest oder mussten umgeleitet werden. Nach Angaben der Plattform Flightradar24 wurden an sieben großen Flughäfen mehr als 3.400 Flüge gestrichen - darunter an den internationalen Drehkreuzen Dubai, Abu Dhabi und Doha.
Israel und USA verteidigen ihr Vorgehen
Die israelische Armee hat Chamenei nach eigenen Angaben am Samstag gezielt getötet, als er sich mit hochrangigen Funktionären der Staatsführung in einem Gebäudekomplex im Zentrum Teherans aufhielt. Einem Bericht der "New York Times" zufolge gab der US-Auslandsgeheimdienst CIA den entscheidenden Hinweis auf seinen Aufenthaltsort.
Der Iran hat mittlerweile bestätigt, dass auch hochrangige Militärs wie Generalstabschef Abdolrahim Mussawi getötet wurden. Die israelische Armee teilte mit, bei den ersten Angriffen am Samstag insgesamt 40 iranische Kommandeure getötet zu haben. Auch Irans Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad kam laut Staatsmedien ums Leben.
Israel und die USA begründen ihre Angriffe mit der Bedrohung, die vom Iran und der bisherigen Führung ausgehe. Die Attacken begannen kurz nach neuen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über Teherans umstrittenes Atomprogramm, durch das sich Israel in seiner Existenz bedroht sieht. Experten sehen in den Angriffen auf den Iran einen Bruch des Völkerrechts.
Europas gespaltene Reaktion
China und Russland, beide wichtige Unterstützer des Irans, verurteilten die Tötung von Chamenei. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem "zynischen Verstoß gegen alle Normen der menschlichen Moral und des Völkerrechts". Das chinesische Außenministerium sieht eine Verletzung der Souveränität des Irans und rief zur Einstellung aller militärischer Handlungen auf.
In Europa fielen die Reaktionen auf die israelisch-amerikanischen Angriffe unterschiedlich aus. Deutschland - gemeinsam mit Frankreich und Großbritannien - verurteilte die iranischen Angriffe auf Staaten in der Region. Die Regierungschefs von Spanien und Norwegen verurteilten nicht nur die iranischen Gegenschläge, sondern auch die Angriffe auf den Iran in aller Schärfe.
Der Tod von Religionsführers Chamenei markiere einen "entscheidenden Moment" in der iranischen Geschichte, teilte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas mit. Am Nachmittag wollten die EU-Außenminister beraten - und auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der am Montag zu einer Reise in die USA aufbrechen will, wollte sich noch einmal äußern.
Update: Laut Sprecher mehr als 200 Menschen im Iran tot - 750 verletzt
Bei den Luftangriffen von Israel und USA auf den Iran sind nach Angaben eines Sprechers des Roten Halbmonds mehr als 200 Menschen getötet worden. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tasnim wurden zudem rund 750 weitere Menschen verletzt. Die Angaben können derzeit jedoch nicht unabhängig überprüft werden.
Dem Sprecher zufolge wurden Ziele in 24 der 31 Provinzen des Landes angegriffen. Er rief die Bevölkerung daher dazu auf, Massenansammlungen an den Einschlagsorten zu vermeiden und einen Abstand von 100 Metern vom Ereignisort einzuhalten.
Iranischer Staatsführer Ali Chamenei tot? Anzeichen mehren sich laut Israels Regierungschef Netanjahu
Indessen sieht Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu zunehmende Anzeichen, dass der iranische Staatsführer Ali Chamenei nicht mehr am Leben ist. "Wir haben Chameneis Anwesen zerstört. Es gibt viele Zeichen, dass der Diktator nicht mehr lebt", sagte Netanjahu in einer Stellungnahme am Abend.
Er rief die Iraner in diesem Zuge zudem dazu auf, auf die Straße zu gehen und die politische Führung zu stürzen. Der Krieg zum Iran werde zu einem echten Frieden führen, sagte er. Mit dem Angriff auf den Iran hat Israels Luftwaffe nach Militärangaben den bisher größten Einsatz ihrer Geschichte ausgeführt. Rund 200 Kampfflugzeuge hätten etwa 500 Ziele angegriffen, teilte das israelische Militär mit.
Update: Grundschule wird Ziel von Raketenangriff - 70 Schülerinnen tot
Bei einem Raketenangriff im Süden Irans sind nach iranischen Angaben mindestens 70 Schülerinnen ums Leben gekommen. Getroffen worden sei eine Grundschule für Mädchen in der Provinz Hormusgan, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf den dortigen Vizegouverneur.
"Diese Schule war ein direktes Ziel dieses Angriffs", hieß es in dem Bericht. Die Trümmerbeseitigung sowie die Rettungsmaßnahmen für die Schülerinnen seien im Gange. Der Vorfall ereignete sich demnach im Kreis Minab unweit der Küste am Persischen Golf. Rund 170 Schülerinnen sollen sich in der Schule zum Zeitpunkt des Raketenangriffs aufgehalten haben.
In der Provinz Hormusgan liegen mehrere Marinestützpunkte der iranischen Streitkräfte. Weitere Details zu dem Angriff lagen zunächst nicht vor.
Ursprungsmeldung vom 28. Februar 2026: Israel und USA greifen Iran an - Raketenalarm und Panik in Teheran
Der Iran hat nach Angaben des israelischen Militärs zum Gegenschlag ausgeholt. Es seien Raketen in Richtung Israel abgefeuert worden, teilte das Militär mit. Die iranischen Revolutionsgarden sprachen von einer "Antwort auf die Aggression des feindlichen und verbrecherischen Gegners", wie aus einer Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur Irna hervorging. Die israelische Luftabwehr sei aktiviert, teilte das Militär mit. Zuvor hatten Israel und die USA mit Angriffen auf den Iran begonnen.
In Irans Hauptstadt Teheran gab es Explosionen im Zentrum. In der Millionenmetropole brach Panik aus. Menschen versuchten massenhaft, die Hauptstadt zu verlassen, wie Augenzeugen berichteten. Iranische Staatsmedien meldeten zudem Explosionen am Rande der Stadt Isfahan. Südöstlich davon liegt ein Nuklearzentrum, das bereits im vergangenen Jahr vom US-Militär in Begleitung israelischer Angriffe bombardiert worden war.
Trump: Iran wird nie eine Atomwaffe haben
Der Staat Israel habe einen Präventivschlag gestartet, um Bedrohungen für Israel zu beseitigen, hatte Verteidigungsminister Israel Katz am Morgen bekanntgegeben. Er rief den sofortigen Ausnahmezustand aus. Kurz darauf teilte auch US-Präsident Donald Trump mit, dass das US-Militär einen "massiven und andauernden Einsatz" gegen Israels Erzfeind durchführe. Der Luftraum über Israel wurde in Erwartung des iranischen Gegenschlags bis auf weiteres geschlossen. Der israelische Zivilschutz veröffentlichte Anweisungen für die Bürger des Landes.
Der gemeinsame Angriff Israels und seines Verbündeten USA erfolgt nur zwei Tage nach einer weiteren Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran über das umstrittene Atomprogramm der Islamischen Republik. Einen Durchbruch hatte es bei den Gesprächen in Genf nicht gegeben. Trump hatte der iranischen Führung in den vergangenen Wochen wiederholt mit militärischen Angriffen gedroht. Trump stellte dem Iran kürzlich ein Ultimatum bis Anfang März. "Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird für sie bedauerlich".
Trump kündigte nun an, die Raketen des Irans zu vernichten. "Wir werden ihre Marine vernichten", sagte er weiter. Man werde sicherstellen, dass der Iran keine Atomwaffe haben werde. "Sie werden nie eine Atomwaffe haben." Die iranische Führung werde bald lernen, dass man die Stärke der US-Streitkräfte nie herausfordern sollte, erklärte Trump weiter. Er forderte die Revolutionsgarden, iranischen Streitkräfte und Polizeikräfte zudem auf, ihre Waffen niederzulegen. Der Einsatz solle verhindern, dass durch diese "radikale Diktatur" die nationalen Sicherheitsinteressen der USA bedroht würden.
Kliniken im Iran in Alarmzustand versetzt
Nach Beginn der Angriffe gegen den Iran hat das Gesundheitsministerium erste Maßnahmen getroffen. Der Rund-um-die-Uhr-Betrieb in Kliniken werde aufrechterhalten, hieß es in einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Ebenfalls sollen landesweit ausgewählte Apotheken Tag und Nacht geöffnet sein. Ärzte und Personal im Gesundheitswesen solle sich in Bereitschaft halten. Kriegsverletzungen sollen kostenlos behandelt werden.
Bereits im vergangenen Jahr hatten Washington und Teheran über Irans umstrittenes Atomprogramm verhandelt, ehe Israel den Iran angriff. Die USA schlossen sich damals den Luftangriffen an und bombardierten zentrale Atomanlagen. Iran feuerte daraufhin ballistische Raketen auf Israel ab.
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