Ein äußerst schlicht gestalteter Siebdruck veranlasste Horst Lichter bei "Bares für Rares" zu flapsigen Bemerkungen. Nicht nur für den Moderator war nach der Expertise die Überraschung groß.
"Unfassbar!", freuten sich zwei Freunde, die für die Dienstafsfolge von "Bares für Rares" angereist waren. Ihr Siebdruck wirkte wie ein Blick in die Sonne. Man bekäme sofort gute Laune, fanden die Händler. Beim Kaufpreis wurde wiederum den Verkäufern warm ums Herz.
Helmut und Julian leben in Hildesheim. Das mitgebrachte Kunstwerk hat Helmut von einem mittlerweile verstorbenen Freund erhalten, "der damit nichts anfangen konnte". Helmut eigentlich auch nicht, doch dachte er sich: "Versuch es mal bei 'Bares für Rares'!"
"Sehr weise Entscheidung", beglückwünschte Moderator Horst Lichter die beiden Trödelshow-Gäste im ZDF. Dann übergab er an Kunstkenner Colmar Schulte-Goltz. Der schwärmte auf den ersten Blick: "Was für ein schönes Kunstwerk! Das erzählt uns die ganze Größe des Urhebers." - "Und der hieß: weißer Punkt", alberte Horst Lichter ob des Motivs herum. Der Experte ertrug die Bemerkung geduldig und klärte dann auf, wer tatsächlich hinter dem Werk steckte ...
"Es heißt: 'Gelb'." - "Ach!"
Der Künstler war Rupprecht Geiger, der von 1908 bis 2009 lebte. Geprägt war sein Werk nicht zuletzt durch die Reisen in den Süden, die sein Vater mit ihm unternommen hatte. Offenbar hatte der Sprössling gern in den sonnigen Himmel geguckt. Denn das Werk wirkte, als würde man als Betrachter direkt in die Sonne schauen. Rupprecht Geiger war eigentlich Architekt, doch hatte er sich das Malen selbst beigebracht, inspiriert vom Vater. Typisch für den Sohn: die Vereinfachung auf "wenige Farbtöne und wenige Formen".
"Es heißt: 'Gelb'", nannte Colmar Schulte-Goltz den Titel. "Ach!", staunte Horst Lichter. "Ein sehr einfacher Titel, eine sehr einfache Gestaltung, aber enorm effektvoll", schwärmte der Experte. Helmut und Julian wünschten sich zaghaft 100 Euro. Der Experte verweigerte dies: "Ein weltbekannter Künstler - wer einmal Rupprecht Geiger gesehen hat, wird ihn nicht vergessen!" Daher erhöhte er auf 600 Euro. "Toll!", waren sich Lichter und die Freunde einig.
Lisa Nüdling und Jan Cizek hielt es wenig später nicht auf ihren Stühlen. Die beiden Händler betrachteten das gelbweiße Werk aus nächster Nähe und waren sich einig, dass sie gern den Rahmen ersetzen würden. "In der allerschönsten Farbe - in leuchtendem Gelb", begeisterte sich Nüdling. "Die Farbe ist wirklich klasse", fand auch Čížek. "Das lieben wir alle", setzte er nach.
"Unfassbar! Wir sind hier angekommen mit null Ansprüchen und haben jetzt 300 Euro."
Nur einer geriet überhaupt nicht ins Schwärmen: "Die Frage, die sich mir aufdrängt: Was wollte der Künstler uns damit sagen?", grübelte Fabian Kahl. Er fragte nach dem Namen des Werks. "Gelb", sagten die beiden Verkäufer. "Wirklich?", fragte Friedrich Häusser, der sich veräppelt fühlte. Helmut und Julian versicherten, dass sie nicht scherzten. Jan Čížek erkannte leichte Beschädigungen, die auch der Experte bereits genannt hatte.