"Kinnlade runtergefallen": Jurastudentin berichtet in ZDF-Doku von ihrem Kampf gegen Deepfakes

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"37°Leben: Deepfakes - Leben nach digitaler Gewalt"
Theresia (23) wurde ein Opfer digitaler Gewalt.
ZDF/Felix Korfmann
"37°Leben: Deepfakes - Leben nach digitaler Gewalt"
Jurastudentin und Aktivistin Theresia fühlt sich vom Staat im Stich gelassen.
ZDF/Felix Korfmann

Theresia wurde Opfer von Deepfakes. In der ZDF-"37°Leben"-Reportage erzählt die junge Frau, wie die digitale Gewalt ihr Leben veränderte und warum sie sich vom Staat im Stich gelassen fühlt.

Es sind Bilder, die sprachlos machen, und Worte, die schockieren. Die ZDF-"37°Leben"-Reportage "Deepfakes - Leben nach digitaler Gewalt" erzählt die Geschichte von Theresia (23). Die junge Jurastudentin und Aktivistin wurde Opfer digitaler Gewalt. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz wurden unter ihrem Namen und mit ihrem Gesicht pornografische Inhalte erstellt. Sogenannte Deepfakes.

"Ich habe mich geschämt. Ich habe mich geekelt", erinnert sich Theresia. Die junge Frau setzt sich für Klimaschutz, Frauengesundheit und nun auch gegen digitale Gewalt ein. Denn im Jahr 2023 wird sie selbst zur Betroffenen. Über Instagram erhält sie Nachrichten von Männern, die sie nicht kennt. Alle hätten einen "sexuellen Unterton", beschreibt sie in der Reportage.

Kurz darauf schickt ihr jemand einen Link zu einem öffentlichen Profil. Dort sieht sie ihr eigenes Gesicht, ihren Namen, ihre Bilder und sogar ihr Geburtsjahr. Schnell wird klar: Jemand hat täuschend echte Deepfakes von ihr erstellt. Einige der Aufnahmen zeigen sogar sexualisierte Gewalt. "Ich habe mir selbst die Schuld gegeben, dafür, dass ich ein öffentliches Instagram-Profil habe", erklärt die Aktivistin.

Theresia entscheidet sich dafür, den Fall anzuzeigen. Doch der Weg ist alles andere als einfach. Sie fühlt sich von den Behörden nicht ernst genommen und muss zunächst darum kämpfen, dass ihre Anzeige überhaupt aufgenommen wird. Vier Wochen später erhält sie schließlich eine Mail von einem Kriminalkommissar: Der Täter konnte identifiziert werden.

Der Täter wurde verurteilt

Als Theresia dessen Namen bei Instagram eingibt, ist sie schockiert. Sie stößt auf einen Mann in ihrem Alter, der an einer Universität arbeitet, sich demokratisch in einer Partei engagiert und dem sogar Freunde von ihr folgen. Noch während des Verfahrens wird ihr jedoch erklärt, dass es am Ende möglicherweise keine Verurteilung geben könne, weil Deepfakes rechtlich bislang nur unzureichend erfasst seien. Als sie das verstanden habe, sei ihr die "Kinnlade runtergefallen".

Eigentlich habe Theresia Jura studieren wollen, weil sie an den Rechtsstaat glaubte. Doch ausgerechnet während ihres Studiums erlebt sie selbst, wie groß die Lücke zwischen Theorie und Praxis sein kann. Die Erfahrungen bringen sie dazu, ihr Studium für ein Jahr zu pausieren.

Erst Anfang dieses Jahres erfährt sie durch einen Journalisten, dass inzwischen ein Urteil gegen den Täter gesprochen wurde. Er musste eine Geldstrafe von hundert Tagessätzen zahlen. Dennoch fühlt sich Theresia vom Staat im Stich gelassen und nicht ernst genommen. "Ich glaube, viele Betroffene von sexualisierter Gewalt erfahren noch mal Gewalt vom Staat", sagt sie in der Reportage.

Die Sendung ist bereits in der Mediathek abrufbar und am Sonntag, 9. August, 9.03 Uhr, im ZDF zu sehen.

Quelle: teleschau – der mediendienst