Deutschland
Personalmangel

Fällt der Sommer-Urlaub 2022 flach? So schlimm ist der Personalmangel bei Flughäfen, Freibädern und Co.

Der Urlaubsflug fällt aus und das Freibad hat auch geschlossen? Klingt düster, ist aber bereits Realität. Die Freizeit- und Tourismus-Branche leidet in diesem Sommer unter massivem Personalmangel. Doch das könnte erst der Anfang sein.
Personalmangel bei Flughäfen, Freibädern und Restaurants.
Manches Freibad öffnet dieses Jahr gar nicht erst, weil schlicht das Personal fehlt. Auch an Flughäfen, bei Airlines und in der Gastronomie ist der Betrieb bereits gestört, weil Arbeitskräfte fehlen. Foto: Matthias Balk/dpa

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Ob an der italienischen Riviera, der mecklenburgischen Seenplatte oder doch zu Hause auf Balkonien: Die meisten Deutschen freuen sich bereits jetzt auf ihre wohlverdiente Auszeit und Gelegenheiten, das warme Wetter zu genießen.

Doch in diesem Jahr könnte ihnen der Personalmangel in vielen Branchen einen Strich durch die Rechnung machen. Denn besonders in den Branchen Freizeit und Tourismus fehlen aktuell zahlreiche Arbeitskräfte. Die Folgen zeigen sich bereits jetzt: Flugausfälle und verkürzte Öffnungszeiten in den Freibädern sorgen für reichlich Frust. Diese Branchen sind besonders betroffen:

Personalmangel am Flughafen: Fällt der Sommerurlaub dieses Jahr ins Wasser?

Flughäfen: An vielen europäischen Flughäfen wird bereits jetzt mit Chaos gerechnet. Der Grund: Es fehlt massiv an Personal. Allein in Deutschland fehlen im Bereich Bodenpersonal derzeit rund 7200 Arbeitskräfte. Auch viele Airlines klagen über zu wenig Mitarbeiter*innen. Manche Flugunternehmen haben deshalb bereits reagiert. Lufthansa kündigte jüngst an, weitere 2200 Flüge von den Drehkreuzen München und Frankfurt zu streichen. Und auch Easyjet teilte mit, das Flugangebot deutlich zurückfahren zu wollen.

Freibäder: Auch wer die heißen Sommertage in Deutschlands Freibädern verbringen will, muss sich auf Frust einstellen. Denn viele Bäder müssen in diesem Jahr wegen Personalmangels früher schließen. Besonders häufig fehlt es an Bademeister*innen. Die Bamberger Freibäder haben deshalb bereits im Mai verkürzte Öffnungszeiten angekündigt. In Nürnberg öffnen das Naturgartenbad und das Nordostbad nur noch abwechselnd, das Freibad Fürth bleibt ganz geschlossen.

Kneipen, Restaurants und andere gastronomische Einrichtungen: Die Gastro-Branche litt besonders heftig unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Inzwischen fehlen über 40.0000 Beschäftigte im Vergleich zum Vor-Corona-Sommer 2019. Die Bamberger Brauerei "Schlenkerla" hat jetzt sogar schon eine Belohnung auf die erfolgreiche Vermittlung von Küchenhilfen ausgesetzt. Sie verspricht "100 Seidla aufs Haus" für einen hilfreichen Tipp.

Arbeitsmarktexperten mit düsterer Prognose

In den nächsten Jahren könnte sich der Personalmangel noch weiter verschärfen. Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer vom Institut IW sagte gegenüber der Bild: Wir müssen uns darauf einstellen, dass der Mangel noch viel schlimmer wird. Der Personalmangel könnte unser Leben dominieren – und zwar nicht nur im Sommer!“

Nach Zahlen des Institutes für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) gibt es bundesweit zur Zeit etwa 1,7 Millionen offene Stellen. Arbeitsmarktexperte Schäfer schätzt, dass es noch deutlich mehr werden könnten. Bis 2031 könnten bis fünf Millionen Beschäftigte fehlen. Die Ursache sieht er in der demographischen Entwicklung: Immer mehr Ältere gehen in Rente und gleichzeitig kommen zu wenig jüngere Menschen nach.

Dass Zuwanderung Deutschlands Personalmangel-Problem lösen wird, hält der Vize-Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Kooths, für unwahrscheinlich. Dafür fehle Deutschland die Attraktivität. Er prognostiziert: „Der Personalmangel wird das zentrale Problem der deutschen Wirtschaft.“

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