Herr Cibis, hat sich "Sandy" so übel benommen, wie es die Berichte vermuten lassen?
Ralph Cibis: Was ich so mitbekommen habe, ist die Berichterstattung in meiner Heimat offenbar teilweise etwas übertrieben gewesen. Wobei ich sagen muss, dass ich in meiner Wohngemeinschaft auch rund zwei Kilometer weg bin von der dritten und letzten Kategorie der Evakuierungszone. Das Sturmzentrum selber lag über Jersey/Delaware, etwa 100 Kilometer von uns entfernt. Was ja nicht allzu viel ist, bedenkt man, dass "Sandy" Ausmaße von rund 1500 Kilometern gehabt haben soll.

Was haben Sie von den Sturmausläufern mitbekommen?
Uns hier haben Böen mit etwa 100 Stundenkilometern erreicht, aber das hat sich bald abgeschwächt. Ich war Montagnachmittag noch einkaufen. Früh hatte es angefangen und wurde schnell heftiger. Da musste man sich schon ganz schön querstellen, wenn man vom Wind nicht weggeblasen werden wollte. Ich sage mal: heftiger als Orkan Kyrill in Deutschland auf jeden Fall.

Das heißt aber: keine Verletzten bei Ihnen. Und Schäden?
Lichterflackern und ein Internetausfall, mehr nicht. Draußen vor dem Haus hat es ein paar Äste abgeknickt. Ich muss sagen, viele New Yorker haben das relativ cool genommen. Mein Chef hat mich informiert, dass durch einen Stromausfall in unserem Büro in der 32. Straße das Licht aus ist und die Server sich verabschiedet haben. Bei uns sind auch keine Straßen oder U-Bahnschächte abgesoffen. Am Samstagabend war ich noch in Manhatten Beach zum Abendessen, und wenn man die Bilder von den Überflutungen dort sieht, dann ist das schon krass.

Gingen denn viele besorgte Nachfragen von Familie und Freunden aus der Heimat bei Ihnen ein?
Oh ja, das kann man sagen. Seit gestern häufen sich die Mails und Facebook-Einträge, ob ich denn wohlauf sei. Da habe ich erst mal registriert, dass bei mir zu Hause durch die Medien offenbar ein wahres Katastrophenszenario gezeichnet wurde. Ich selber hab das mit "Sandy" erst spät mitbekommen. Was sein Gutes hatte: So blieb mir keine Zeit, mich von Panikmache anstecken zu lassen.

Die Fragen stellte Jochen Nützel.