Kirstin Zeidler, Leiterin Unfallforschung der Versicherer, sieht den Schulweg eindeutig als «Unfall-Hotspot». Sie warnt Eltern aber davor, daraus die falschen Schlüsse zu ziehen: «Wer das Kind mit dem Elterntaxi zur Schule bringt, tut ihm keinen Gefallen.»
Unfallforscherin: Kinder müssen Verkehr üben
«Die Anforderungen an Kinder im Straßenverkehr sind sehr, sehr hoch», sagt Zeidler: Der Verkehr ist dicht, die Sicht oft versperrt, Radwege fehlen. Dazu kommt, dass Kinder leichter ablenkbar und Jugendliche risikobereiter sind. Die Kompetenz, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen, müssten Kinder erst erlernen. «Eltern sollten ihren Kindern die Möglichkeit geben, Wege und Situationen zu trainieren.»
Zeidler sieht hier auch die Schulen in der Pflicht. «Nach dem Fahrradführerschein in der Grundschule passiert nichts mehr. Dabei lernt man aber nur das absolute Minimum.» Sie wünscht sich eine vertiefte «Mobilitätsbildung» zu Beginn der weiterführenden Schule - und ein E-Scooter-Training mit 14 Jahren. Denn hier liegt eine wachsende Gefahr, wie die Zahlen belegen.
E-Scooter werden unterschätzt
Bei Elektrorollern, ob zum Mieten oder im eigenen Besitz, gibt es den größten Anstieg bei den Unfallzahlen. Vier Kinder unter 15 Jahren starben im vergangenen Jahr bei einem Unfall mit einem E-Scooter, wobei man diese eigentlich erst ab 14 Jahren fahren und ab 18 Jahren ausleihen darf.
Die Scooter würden als «Spaßgerät» wahrgenommen. «Jugendliche unterschätzen, wie anspruchsvoll die Handhabung und wie wichtig der Helm ist und viele kennen auch nicht, welche Regeln dafür gelten.»
In die Statistik fließen übrigens nur Unfälle ein, die der Polizei gemeldet werden. Wer mit dem aufgeschürften Knie zum Arzt geht oder mit dem gebrochenen Arm ins Krankenhaus, taucht hier nicht auf. Die Zahl der Unfälle dürfte daher noch größer sein.