Mehr als eine Million Phishing-Mails pro Tag und ein riesiger Schaden: Ein Rechenzentrum in Deutschland war das Herzstück eines globalen Betrugsnetzwerks, das nun zerschlagen wurde.
In einer konzertierten Aktion haben Strafverfolgungsbehörden in Deutschland, den USA und Großbritannien zusammen mit Microsoft den globalen Cyberkriminalitätsdienst RedVDS zerschlagen. Das bestätigten die Zentralstelle für Internet- und Computerkriminalität (ZIT) bei der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt sowie das Landeskriminalamt Brandenburg in einer gemeinsamen Erklärung.
Die Strafverfolgungsbehörden aus Deutschland waren maßgeblich an den Ermittlungen gegen die Plattformen beteiligt. Außerdem waren verschiedene Behörden in den USA und in Großbritannien an der Aufklärung der Verbrechen involviert.
«Dieses Angebot war darauf ausgerichtet, Cyberkriminellen ein digitales Tatmittel an die Hand zu geben, um hierüber die weitgehend anonyme Begehung von Straftaten zu ermöglichen», heißt es in der Erklärung der deutschen Strafverfolger. Zu den Opfern gehörten auch eine Vielzahl von Unternehmen und Behörden in Deutschland, unter anderem in Brandenburg und Hessen.
Der Schaden beträgt nach Experteneinschätzung mehrere hundert Millionen Euro. Tatverdächtige wurden nicht festgenommen. Sie werden in einem nicht näher bezeichneten Nahost-Staat vermutet.
Server in Deutschland beschlagnahmt
Die technische Zentrale der Cyberkriminellen war ein Rechenzentrum in Deutschland. Dort wurden bereits am Dienstagnachmittag die RedVDS-Server beschlagnahmt. Wo genau sich das Rechenzentrum befindet, teilten die Behörden nicht mit.
Nach Angaben von Microsoft entstand allein in den USA in den vergangenen sieben Monaten ein Schaden von 40 Millionen US-Dollar (34,3 Millionen Euro). «Das ist aber nur die Spitze eines Eisbergs», sagte eine Sprecherin des Softwarekonzerns. Zu den Geschädigten gehörte zum einen das Arzneimittelunternehmen H2 Pharma aus dem US-Bundesstaat Alabama, das um 7,3 Millionen Dollar betrogen wurde. Betroffen war auch eine Wohnungseigentümergemeinschaft in Florida, die um fast 500.000 Dollar geschädigt wurde.
Millionenbeute durch Boss-Betrugsmasche
Die Betrügereien liefen oft nach ein und derselben Masche ab: In einem ersten Schritt versuchten die Cyberkriminellen, sich einen Zugang zu den Computersystemen ihrer Opfer zu verschaffen. Dazu wurden oft sogenannte Phishing E-Mails versendet, mit denen die Täter dann die Zugangsdaten zum System ihrer Opfer erlangten. Danach waren die Angreifer in der Lage, Geld oder sensible Daten zu stehlen, indem sie sich als Chef, Kollege, Geschäftspartner oder Lieferant ausgaben. Dabei konnten sie etwa ihren Opfern gefälschte Rechnungen unterjubeln oder Angaben zu Bankverbindung manipulieren.