Kassel
Ermittlungen

Mordfall Lübcke: Rechtsextremist Stephan E. kommt aus Franken - ist er Teil von "Combat 18"?

Im Fall des ermordeten Walter Lübcke wurde am Wochenende ein Verdächtiger festgenommen. Stefan E. (45) soll Verbindungen zur rechtsextremen Szene haben. War er Mitglied der Gruppe "Combat18"?
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Es ist ein Verbrechen, das schockiert: Auf der Terrasse seines Hauses in Nordhessen wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke getötet - mit einem Schuss in den Kopf aus nächster Nähe. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Es ist ein Verbrechen, das schockiert: Auf der Terrasse seines Hauses in Nordhessen wird der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke getötet - mit einem Schuss in den Kopf aus nächster Nähe. Foto: Christoph Schmidt/dpa

  • Im Fall des ermordeten Walter Lübcke wurde am Samstag ein verdächtiger Mann festgenommen.
  • Stefan E. soll Kontakte in die rechtsextreme Szene haben.
  • Der 45-Jährige war wohl an einem Angriff auf ein Asylbewerberheim im Jahr 1993 beteiligt.
  • War Stephan E. Mitglied der Gruppe "Combat 18"?

Verdächtiger im Mordfall Lübcke festgenommen: Im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gibt es Neuigkeiten seitens der Ermittler. In der Nacht zum Sonntag (16. Juni 2019) wurde der 45-jährige Stephan E. festgenommen. Der Verdächtige soll in der Vergangenheit Verbindungen zur rechtsextremen Szene gehabt haben.

NDR, WDR und die Süddeutsche Zeitung berichteten zunächst übereinstimmend, dass der Mann aus Lichtenfels in Oberfranken stammen soll. Dies konnte aber nicht bestätigt werden. Laut einer Auskunft des Projekts "NSU Watch" ist eine Verwechslung wahrscheinlich. Ein Stephan E. mit einer Adresse in Lichtenfels trat im Jahr 2005 in rechtsextremen Kreisen in Erscheinung - gleichzeitig war der festgenommene Stephan E. aber schon in Kassel wohnhaft und wurde dort von 2002 bis 2009 auch immer wieder straffällig. Es liegt nahe, dass durch den gleichen Namen eine Verwechslung stattfand.

Verbindungen zum Rechtsextremismus

Den Berichten zu folge, soll der 45-Jährige im Umfeld der NPD in Hessen tätig gewesen sein. Es ist ebenfalls die Rede von Kontakten in die rechtsterroristische Szene. Die Bundesanwaltschaft entschied am Montagmorgen (17. Juni 2019) die Ermittlungen zu übernehmen. Der Verdacht eines rechtsextremistischen oder rechtsterroristischen Hintergrunds habe sich erhärtet, zitiert SZ die Ermittler.

Angriff auf Asylunterkunft: Mann unter Verdacht

Einem Bericht der Zeit nach soll der 45-Jährige in den Angriff auf ein Asylbewerberheim 1993 in Hohenstein-Steckenroth (Rheingau-Taunus-Kreis) verwickelt gewesen sein. Der damals 20-Jährige gab dem Bericht zu folge zu, allein und aus ausländerfeindlichen Motiven die Tat verübt zu haben. Am Asylbewerberheim explodierte damals ein selbst gebastelter Sprengsatz auf der Rückbank eines abgestellten Autos. Der Brand am Wagen konnte gerade noch rechtzeitig gelöscht werden.

Wie der Spiegel berichtet, soll er zudem 2009 an einem Angriff auf eine Kundgebung des "Deutschen Gewerkschaftsbundes" beteiligt gewesen sein. Nach dem Vorfall der 1.Mai-Demo wurde er zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Ermittler finden hetzerische Kommentare auf Smartphone

Zudem soll Stephan E. über soziale Netzwerke zahlreiche hetzerische Kommentare verfasst haben. Mit dem Nickname "Game Over" soll er 2018 via YouTube folgenden Kommentar verbreitet haben: "Entweder diese Regierung dankt in kürze ab oder es wird Tote geben", zitiert ihn die Süddeutsche Zeitung. Tatsächlich fanden die Ermittler in seiner Wohnung Waffen, allerdings nicht die Tatwaffe, mit der Walter Lübcke ermordet wurde.

Steinmeier fordert Aufklärung - Erinnerung an NSU

Die Bundesanwaltschaft geht in diesem Fall von einem "politischen Attentat" aus. Das berichtet die Deutsche-Presse-Agentur. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte nach dem Bekanntwerden von Details rund um Stephan E. eine "zeitnahe" und "umfassende" Aufklärung des Falls. "Die vollständige Aufklärung des Todes des Kasseler Regierungspräsidenten, Walter Lübcke, hat jetzt oberste Priorität. Beispiele aus der jüngeren deutschen Geschichte zeigen, wie wichtig es ist, jede einzelne Tat zeitnah und vor allem umfassend aufzuklären", so Steinmeier gegenüber der SZ.

"Combat 18": War Stephan E. Mitglied?

"Combat 18" ist eine Gruppe militanter Rechtsextremer, um die es in den vergangenen Jahren ruhig geworden war. Seit einiger Zeit häufen sich allerdings die Anzeichen, dass eine Neustrukturierung und eine Reorganisation der Gruppe stattfindet. Das ARD-Magazin Panorama deckte auf, dass die Gruppe mitgliederstärker wird und wächst. Seit 2013 gibt es die Gruppierung wieder offiziell: Dies geht aus einer Anfrage der Linken im Bundestag hervor.

"Combat 18" galt rund um die Jahrtausendwende als eine bedeutende Gruppe innerhalb rechtsextremer Kreise. Dem Spiegel zu folge, stand die Gruppierung in Kontakt mit "Blood & Honour" - dem Netzwerk, das den NSU (Nationalsozialistischen Untergrund) unterstützte. Mehreren Medienberichten nach heißt es aus Ermittlerkreisen, dass sich die Anzeichen häufen, dass E. der Gruppe nahestehe. Aktuell ist der Stand der Ermittlungen jedoch nicht weitgenug fortgeschritten, um eine Aussage darüber zu treffen, welcher Rolle Stephan E. in einem solchen Netzwerk zu Teil wird. Klar ist, dass er keiner der führenden Köpfe ist - das sind andere bekannte Größen der rechtsextremen Szene.

tu