Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk erwartet von Bundeskanzler Olaf Scholz, dass er bei einem Kiew-Besuch die Lieferung deutscher Panzer in die Ukraine verspricht. In einem aktuellen Interview stellt Melnyk aber noch weitere Forderungen, die unter anderem die EU-Mitgliedschaft der Ukraine betreffen.

"Ohne deutsche schwere Waffen wird es uns leider nicht gelingen, die gewaltige militärische Überlegenheit Russlands zu brechen und das Leben von Soldaten und Zivilisten zu retten", sagte Melnyk der Deutschen Presse-Agentur. "Die Ukrainer erwarten, dass der Bundeskanzler Olaf Scholz bei seinem Besuch in Kiew ein neues Hilfspaket deutscher Rüstungsgüter verkünden wird, das unbedingt sofort lieferbare Leopard-1-Kampfpanzer sowie Marder-Schützenpanzer beinhalten soll."

Melnyk: Scholz soll bei Kiew-Besuch Panzer versprechen

Scholz will Medienberichten zufolge noch im Juni zusammen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi nach Kiew reisen. Offiziell wurde der Besuch weder bestätigt noch dementiert.

Melnyk sagte, es sei enttäuschend, wie langsam Deutschland Waffen in die Ukraine liefere. Seit dem 3. Mai seien zwar sechs Millionen Schuss Munition angekommen, aber keine Waffen mehr. "Daher hoffen wir, dass die Ampel-Regierung endlich auf das Gaspedal drückt, um sowohl den Umfang als auch das Tempo massiv zu erhöhen, damit die Ukraine die russische Großoffensive im Donbass abwehren kann."

Die Bundesregierung hatte sich zwei Tage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine dafür entschieden, Waffen in das Kriegsgebiet zu liefern - ein Tabubruch. Seitdem kamen Panzerfäuste, Flugabwehrraketen, Splittergranaten und mehr als 20 Millionen Schuss Munition in der Ukraine an. Schwere Waffen wie Artilleriegeschütze und Flugabwehrpanzer wurden bisher zwar zugesagt, aber noch nicht geliefert.

Zudem betonte Melnyk die Bedeutung einer zügigen Aufnahme der Ukraine in die EU: "Was meine Landsleute hoffen, ist, dass der Kanzler mit einem klaren Bekenntnis zum Thema EU-Mitgliedschaft nach Kiew kommt. (…) Wir wollen da keine Hintertür, wir wollen ein faires Verfahren", sagte der 46-Jährige in der Talkrunde "Die richtigen Fragen" der Bild-Zeitung.

Behauptung: mehr Ukraine-Rückkehrer als Flüchtlinge

Weitere scharfe Kritik teilte Melnyk beim Thema deutsche Willkommenskultur aus: Seiner Aussage nach würden mittlerweile etliche ukrainische Flüchtlinge wieder in ihr Heimatland zurückkehren, weil sie sich in Deutschland nicht erwünscht fühlen. "Die meisten Ukrainer kehren zurück, schon längst. Es sind mehr Menschen, die abreisen aus diesem Land, als zu Ihnen kommen", sagte der Botschafter im Gespräch mit der Bild. Viele seiner Landsleute hätten "keine Lust, hier zu bleiben". Ein Zustand, über dessen Gründe sich die Deutschen Gedanken machen sollten, so Melnyk.

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red/dpa

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