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Schweinfurt

Der Blick des Gentleman-Playboys

Die Kunsthalle Schweinfurt zeigt in der Schau "Gunter Sachs - Kamerakunst. Fotografie und Sammlung" erstmals Fotografien des Künstlers Sachs in Zusammenhang mit Werken des Sammlers Sachs.
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Sachs und Schweinfurt: Die beiden Worte erzeugen automatisch vorgefertigte Bilder: Die einen denken an Maschinen, die anderen an den Playboy Gunter Sachs, den Spross der Industrie-Dynastie. Ganz andere Bilder zeigt jetzt die Kunsthalle in Schweinfurt - Sachs von der denkbar schönsten Seite.

Der Platz passt: Die Kunsthalle ist das ehemalige Ernst-Sachs-Bad, das Gunter Sachs' Großvater in den 1930er Jahren der Stadt geschenkt hatte. Generationen von Schweinfurtern haben bei Sachs gearbeitet und im Sachs-Bad das Schwimmen gelernt. Jetzt hängen dort Fotos von Gunter Sachs, der alles andere als ein Playboy war, vielleicht ein Lebenskünstler, ganz sicher aber ein Künstler.

Schwebende Wände

Wer die Bilder betrachtet, taucht ein in eine Welt voller Sinnlichkeit und Ästhetik, formvollendet und farbstark. Zum zehnten Jubiläum hat das Team der Kunsthalle den zentralen großen Ausstellungsraum, der früher das Schwimmbad beherbergte, mit Stellwänden bestückt, die nicht stehen, sondern schweben. Die technische Meisterleistung setzt Sachs' Werke kongenial in Szene. Alles wirkt leicht und transparent, trotzdem ein wenig rätselhaft und fast intim in diesem Riesen-Raum ...

1932 als Sohn des Industriellen Willy Sachs auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt geboren, wandte sich Gunter früh der Kunst zu - als Sammler und als Kunstschaffender: Während seiner Studienzeit in Lausanne Anfang der 50er Jahre entdeckte er die Schwarz-Weiß-Experimentalfotografie für sich. Er probierte immer wieder neue Techniken aus, begann aber nebenbei auch, sich eine Sammlung zeitgenössischer Kunst aufzubauen. Ihn interessierten die Werke der Nouveaux Réalistes, der Surrealisten und der aufkommenden Pop-Art. Mit Andy Warhol, Salvador Dalí und anderen Künstlern pflegte er einen regen Austausch. 1959 zog Sachs dann nach Paris. "Dank seiner Neugierde, seiner Einfühlsamkeit und seines Charakters war er in der Kunstwelt schnell zuhause", sagt sein Sohn Rolf Sachs, der zur Vernissage nach Schweinfurt gekommen ist.

Schiffer blickt auf Bardot

Gunter Sachs' Neugierde und sein Drang, immer wieder neue technische und ästhetische Wege zu finden und auszuprobieren, schreien den Betrachter beinahe aus jedem der in Schweinfurt gezeigten Werke an. Besonders spannend sind seine "Frage- und Antwortspiele": Sachs nimmt die Werke von Freunden und Idolen wie Andreas Feininger, Andy Warhol, Yves Klein und Allen Jones auf und "antwortet" ihnen auf seine eigene symbolbetonte und farbgewaltige Art und Weise. Warhols knallbunten Abziehbildern von Sachs' Kurzzeitehefrau Brigitte Bardot setzt er knallbunte Porträts von Claudia Schiffer entgegen. Das Wunderbare: Die Werke, auf die Sachs antwortet, werden ebenfalls in der Schau gezeigt, und treten so tatsächlich in einen Dialog miteinander.

Supermodel Schiffer, Sachs' späte Muse, begegnet dem Betrachter in unzähligen Werken. Mal als kühle Cleopatra, mal als sehnsuchtsvolle Nonne inszeniert, mal als Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Spannend ist auch sein "Dialog" mit Yves Klein: Klein, der nackte Models sich mit blauer Farbe bemalen und ihre Körper anschließend auf weißen Wänden abdrücken ließ, kreierte ein ganz markantes, leuchtendes Blau, das er sich sogar patentieren ließ. Die Schweinfurter Schau zeigt Kleins "Anthropometrie 173": Darauf ist ein leuchtend blaues abstraktes Gebilde vor hellem Hintergrund zu sehen, das an eine Wirbelsäule oder einen Tausendfüßler erinnert. Gunter Sachs nimmt das Farbspiel in seinen zwei Fotokunstwerken "Farbe Blau" auf: Eine zartgebräunte nackte Frau wird von einem Schwall glänzender knallblauer Farbe übergossen. Jeder Tropfen der pastosen Flut ist in seiner Bewegung eingefroren.

Von geradezu überirdisch leuchtendem Blau ist der Himmel in zahlreichen Fotografien. Er ist die luftig-puristische Bühne für makellose bronzefarbene Körper junger Frauen. Mal sitzen sie auf einem weißen Brett. Mal schauen sie durch einen weißen Fensterrahmen. "Das sind meine Lieblingsbilder von Vater", sagt Sohn Rolf, der selbst als Künstler, Designer und Bühnenbildner arbeitet. "Es gibt im Französischen den Ausdruck ,blanc-bleu‘, was ,makellos‘ bedeutet. Was unsere Werke verbindet ist das Motiv des Lot, das er - wie ich - in einigen seiner Werke einsetzt." Makellos sind in jedem Fall die vielen nackten Frauenkörper. "Die Kunst ist weiblich!", hat Gunter Sachs einmal gesagt. Aus weiblicher Sicht nimmt man allerdings vor allem den männlichen Blick auf den weiblichen Körper wahr.

Soll und muss man das in Zeiten von "MeToo" thematisieren? Rolf Sachs überlegt kurz. "MeToo hätte meinen Vater nicht interessiert. Ich kenne kaum einen Menschen, der so viel Respekt vor Frauen hatte wie er. "

Dass Sachs selbst begehrtes Motiv der Paparazzi war, sieht man gleich in der Vorhalle: Sachs posiert mit Musikern, mit Politikern, mit Ikonen. Ein schillerndes "Who is who", das den Betrachter auf eine spannende Reise in die Welt des Jet Set einlädt.

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