Nürnberg
RIP 2018

Rock im Park: Explosion, Taschendiebe, Sicherheit - RIP-Bilanz 2018

Rock im Park und Rock am Ring hatten mit Foo Fighters, Bad Religion, Muse, Casper wieder große Headliner in ihrem Line Up. Auf dem Gelände und dem Zeltplatz von RIP hatten Polizei und Rettungskräfte einiges zu tun. Unterm Strich verlief das Festival friedlich. Die Bilanz.
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Über das Rock-im-Park-Wetter konnte sich dieses Jahr niemand beschweren: Die für Donnerstag angekündigten Gewitter blieben aus. Nur ab und zu zogen vom 1. bis zum 3. Juni 2018 Wolken über das Zeppelinfeld in Nürnberg, wo Rock im Park auch diesmal stattfand - und boten den Besuchern etwas Erholung bei sommerlichen Temperaturen über 25 Grad.

70.200 Rock-Fans strömten 2018 zur 23. Auflage von Rock im Park. Im vergangenen Jahr waren es noch 88.500 gewesen.
 


15.200 Tagestickets wurden 2018 verkauft


Dass so viele Tickets unverkauft blieben, mag auch an Ticketpreisen von deutlich über 200 Euro für das gesamte Wochenende (1. Juni - 3. Juni 2018) und knapp 100 Euro für ein Tagesticket liegen.

 


Obwohl Martin Reitmaier bezweifelt, dass der Besucherrückgang monokausal zu erklären ist. So sei der Markt mittlerweile übersättigt: Zu viele Festivals buhlen im Sommer um die Gunst der Musik-Fans. Und im Vergleich zu anderen Veranstaltungen stehe man da noch gut da, meint der Verantwortliche vom Argo-Konzerte. Damit spielte er auch auf das Zwillingsfestival Rock am Ring (RAR) an: Vor einigen Jahren noch deutlich größer, kamen dieses Jahr nur 71.400 Besucher an den Ring - also nur wenig mehr als zu "RiP".

 

 

 


Bands zu alt - oder Publikum zu jung?


Musikalisch waren die Veranstalter sehr zufrieden mit ihrem Line-Up. Insgesamt 76 Bands rockten von Freitag bis Sonntag auf den drei Bühnen in Nürnberg. Wobei das mit dem "rocken" so eine Sache ist. Denn ein reines Rock-Festival ist das RiP sicher nicht mehr.

 

 

 

 


So sind die Veranstalter selbst stolz darauf, dass neben Rocklegenden wie den Foo Fighters und Muse eben auch Künstler wie die Exzentrikerin Beth Ditto, die Pop-Band Milky Chance oder Rapper Casper auftraten.

 

 

 




Dass gerade letzterer für richtig Stimmung auf dem Zeppelinplatz sorgte, deutet die Entwicklung des Festivals an. Und so vermutet auch Reitmaier, dass Bands wie Muse und Foo Fighters vielleicht eher ältere Besucher ansprechen - und RiP mit seinem jungen Publikum mit der Zeit gehen muss.

 

 




Dabei bleibt Rock im Park trotzdem - oder gerade - ein richtig gutes Festival. Das liegt zum einen am fantastischen Gelände rund um den kleinen und großen Dutzendteich und den leider immer noch toxischen Silbersee.

 

 

 

 

 

 


Aber eben vor allem auch an den Besuchern, die mit zahlreichen Basteleien, Kostümen und Aktivitäten das RiP auch außerhalb des Bühnenbereichs zu einem Erlebnis machen - und für richtig Stimmung sorgen.

 

 

 


Friedliche Stimmung - Eichenprozessionsspinner machen Probleme


Nur vergleichsweise wenige Einsätze von Polizei und Rettungsdiensten unterbrachen diese Stimmung auf dem Nürnberger Zeppelinfeld. 2832 Mal mussten die Sanitäter 2018 bis Sonntagnachmittag ausrücken. "Wir gehen davon aus, dass wir die 3000 noch erreichen", sagt Jürgen Kohl vom Bayerischen Roten Kreuz.

Damit läge man im langjährigen Mittel. Neben Hitze und Alkohol machten einzelnen Besuchern dabei auch Eichenprozessionsspinnern zu schaffen. Zahlreiche Menschen klagten über Beschwerden, aber in nur einem Fall musste ein Besucher ins Klinikum gebracht werden.

 

 

 

 


Unfall mit Gaskartusche am Zeltplatz


Verletzungen zogen sich zwei Menschen bei der Explosion einer Gaskartusche zu. "Glücklicherweise ging das glimpflich aus", sagt Kohl. Beide zogen sich nur leichtere Verbrennungen zu und konnten noch vor Ablauf des Festivals nach Hause.

 

 

 


Brandgefahr hoch: Trockenheit machte Feuerwehr sorgen


Die hohen Temperaturen und die Trockenheit führten nicht nur dazu, dass die Menschen zeitweise im aufgewirbelten Staub tanzten. Sie trieben auch der Feuerwehr die Sorgenfalten auf die Stirn.
Doch die Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht: Von nur zwei kleineren Bränden musste Günther Schultes von der Feuerwehr vermelden, Brandstiftungen gab es keine.

 

 

 


Stage-Diver als Diebe - die Polizei zieht Bilanz


Dieses positive Bild setzt sich auch bei der Bilanz der Polizei fort. "Das Festival war sehr friedlich", erklärt Klaus Wild von der Polizei in Nürnberg. Nur vier Körperverletzungen (2017: 4), keine Sexualdelikte (2017: 1) und 14 Leistungserschleichungen (2017: 26) hatten die Beamten bis zum Sonntagnachmittag erfasst. Leicht gestiegen ist hingegen die Zahl von Diebstählen - von 40 auf 50. Besonders dreist gingen dabei zwei Männer vor, die beim Crowd-Surfing in der Menge von oben ihre Opfer beklauten.

Die Veranstalter zeigten sich insgesamt zufrieden mit ihrem Sicherheitskonzept: 2018 wurden nochmals die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Beispielsweise wurden alle, knapp 7000 Mitarbeiter im Vorfeld akkreditiert - sicher eine Reaktion auf den durch unangemeldete Mitarbeiter ausgelösten Terroralarm bei Rock am Ring 2017. Strikt wurden die Besucher beim Betreten der "Event-Area" auf gefährliche Gegenstände kontrolliert - wobei zu den verbotenen Gegenständen neben Schirmen und Selfie-Sticks auch Getränke und Kameras gehören.

 

 

 


Veranstalter gehen gegen Wildcamper am Park vor


Die zahlreichen Security-Mitarbeiter achteten außerdem penibel darauf, dass Fluchtwege offen blieben: Eine Katastrophe, wie bei der Loveparade 2010 in Duisburg, soll es in Nürnberg niemals geben. Doch ansonsten blieben die Mitarbeiter Gott sei Dank eher damit beschäftigt, die zahlreichen Wildpinkler zur Rede zu stellen.

Und sich mit Wildcamper auseinanderzusetzen: Wie Reitmaier erklärt, legten die Veranstalter darauf ihren Fokus. Dies hatte zu einiger Kritik bei den Besuchern geführt, weil die illegalen Zelt-Camps sich bereits seit Jahren großer Beliebtheit erfreuen. Nur eben nicht bei den Anwohnern, meint Reitmaier. Weshalb man sich im Hinblick auf die Akzeptanz der Anwohner für das Vorgehen entschieden habe.

Was bleibt also von Rock im Park 2018, wenn die letzten Besucher am Montagvormittag ihre Heimreise antreten?

Als negatives Überbleibsel sicherlich tonnenweise Müll, der in den nächsten Tagen aufgesammelt werden muss - und der auch nicht durch den mittlerweile im neunten Jahr nacheinander vergebenen Umweltpreis "Rocky" merklich abgenommen hat.

 

 

 


Vorfreude auf Rock im Park 2019 - Tickets und Termine


Und natürlich die Vorfreude auf Rock im Park 2019, das vom 7. bis zum 9. Juni stattfinden soll. "Mit einem Line-Up, mit dem wir sicher wieder ausverkauft sein werden", ist sich Martin Reitmaier sicher.
Mit dabei sind dann auch Die Ärzte, die 22 Jahre nachdem sie die Bühne beim ersten RiP in Nürnberg eingeweiht hatten, als einer der Haupt-Acts auf das Festival zurückkehren werden.

Interessierte können sich schon bald auf die Karten stürzen: Bereits am Dienstag, den 5. Juni 2018, startet der Vorverkauf. Alle Rock-Fans können sich dann ab 12 Uhr 3-Tages-Tickets sichern.

Rock im Park:
01. bis 03. Juni 2018

Adresse:
Zeppelinfeld, Nürnberg
Zeppelinfeld
90471 Nürnberg

 

 



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