Kronach
Protest

Wird "Loewe" in Oberfranken stillgelegt? Mitarbeiter demonstrieren

Dem Loewe-Werk in Kronach droht mit seinen rund 400 Mitarbeitern eine Betriebsstilllegung. Deshalb demonstrieren die Beschäftigten am Dienstagmorgen vor dem Werk. Die IG Metall fordert eine Ende der Eigenverwaltung und Ablösung des Sachwalters.
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Vor den Toren des Loewe-Werkes soll heute eine Demonstration stattfinden - die Kritik seitens der Gewerkschaft ist harsch. Marco Meißner
Vor den Toren des Loewe-Werkes soll heute eine Demonstration stattfinden - die Kritik seitens der Gewerkschaft ist harsch. Marco Meißner

Betriebsstilllegung von Loewe? Loewe-Mitarbeiter sind am Dienstag (25. Juni 2019) um 9.30 Uhr zu einer Demonstration vor den Toren des Werkes aufgerufen. Dies kündigte die IG Metall in einem Schreiben an, in dem sich die Gewerkschaft auch entsetzt über die aktuellen Entwicklungen zeigte. "Die Zukunftsängste von 400 Menschen und ihren Familien scheinen für diesen Finanzinvestor keine Rolle zu spielen."

Mit einem kühl auf Profitmaximierung ausgerichteten Finanzinvestor und einem überstürzt beantragten vorläufigen Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung droht Loewe mit seinen rund 400 Beschäftigten in Kronach nun die Betriebsstilllegung.

Ziel: Transfergesellschaft und faire Verträge bei Fortführung des Betriebes

Die IG Metall will das verhindern und fordert die Beteiligten auf, alles dafür zu tun, endlich einen transparenten und fairen Investorenprozess zu beginnen und alle Beschäftigten in eine Transfergesellschaft zu überführen, wo sie Kurzarbeitergeld erhalten. Zweitens sollen die Mitarbeiter zu den bisherigen Konditionen weiterbeschäftigt werden, wenn es zu einer Fortführung des Betriebs kommt.

Die IG Metall ruft den zuständigen Richter am Amtsgericht Coburg auf, das Ruder herumzureißen, bevor alles zu spät ist. Die IG Metall erwartet gemeinsam mit dem Betriebsrat und den Beschäftigten, dass ein qualifizierter Insolvenzverwalter eingesetzt wird, der von dem, was noch übrig ist, ein Konstrukt für einen Investorenprozess bildet. Die Eigenverwaltung der Loewe-Geschäftsführung muss beendet und der jetzige Sachwalter, Rüdiger Weiß, abgelöst werden.

Kein Vertrauen in Finanzinvestor Riverrock

"Es deutet einiges darauf hin, dass der Finanzinvestor Riverrock abwartet, bis Loewe endgültig ausgeblutet ist, um erst danach mit den Trümmern des Unternehmens Geld zu verdienen", sagt Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern. Im Fall einer Betriebsstilllegung könnte sich ein Investor für einen Neustart die Teile der Firma herauspicken, die er möchte und den Mitarbeitern Verträge mit geringerer Entlohnung und schlechteren Arbeitsbedingungen vorlegen.

Riverrock ist bereits seit einigen Jahren mit einem Darlehen in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe ein wichtiger Financier von Loewe. Nun könnte Riverrock mit einem nur mittleren einstelligen Millionenbetrag als Darlehen Loewe und seinen Beschäftigten eine gute und realistische Zukunftsperspektive bieten. "Daran scheint Riverrock - nach allem, was wir hören - leider kein Interesse zu haben. Die Zukunftsängste von 400 Menschen und ihren Familien scheinen für diesen Finanzinvestor keine Rolle zu spielen", so Horn.

Die Kritik der IG Metall richtet sich auch gegen das aktuell laufende sogenannte vorläufige Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. "Das heißt im Grunde: Die Leute, die Loewe ohne taugliche Strategien in die jetzige Situation manövriert haben, melden Insolvenz an, bleiben aber selbst am Ruder und werden von einem Sachwalter auch noch daran gehindert, Investoren zu suchen, obwohl fast zehn Anfragen vorliegen. Das ist absurd, und es wundert nicht, dass die Lage seitdem noch dramatischer geworden ist", so Jürgen Apfel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Coburg.

Wichtige Zeit verloren

Und weiter: "Wir haben dadurch wertvolle Zeit verloren, die ein echter Sanierer in einem richtigen Insolvenzverfahren gut hätte nutzen können. Mir ist völlig unverständlich, wie das Amtsgericht dieses Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und mit diesem Sachwalter durchwinken konnte. Der Betriebsrat und die IG Metall haben von Anfang an vor dieser Situation gewarnt. Doch die Leidtragenden des Verhaltens von Eigenverwaltung und Sachwalter sind jetzt die Beschäftigten."

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