Die Entwicklung am Wochenende ließ nichts Gutes für die Betriebsversammlung beim Kronacher TV-Gerätehersteller Loewe am Dienstagnachmittag erwarten. Die Süddeutsche Zeitung war mit einer Meldung vorgeprescht, dass Hunderten Mitarbeitern die Kündigung droht und eine Verlagerung von Teilen der Produktion ins Ausland eine Option wäre. Das bestätigte sich in der Zusammenkunft nicht. Die Frage, wie sich Loewe langfristig aufstellen wird, ist aber ebenso noch offen.

"Es ist eine wirklich schwierige Situation, vor allem für die Beschäftigten", stellt Jürgen Apfel, Geschäftsführer der IG Metall Coburg, nach der Versammlung fest. Die Ungewissheit macht den Angestellten zu schaffen. Und so richtig konnte ihnen diese auch am Dienstag nicht genommen werden, wie der Gewerkschafter im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt. Denn die Frage, wie es langfristig weitergeht, ist aus seiner Sicht noch ungeklärt.

Er spricht von drei vorgestellten Szenarien, wie die Sanierung des Unternehmens verlaufen kann. Dies bestätigt auch Sachwalter Rüdiger Weiß in einer Telefonkonferenz mit Loewe-Vertretern und unserem Reporter. Welche dieser offenbar sehr unterschiedlichen, aber nicht veröffentlichten Varianten am Ende zum Tragen kommt, scheint noch nicht entschieden zu sein. Ebenso wenig, wie es nach dem Insolvenzverfahren weitergehen könnte. "Dann müssen wir damit umgehen, welche Vorstellungen ein Investor hat, welcher Investor kommt und wann er kommt", so Apfel.

Trotz dieser offenen Fragen nahm er durchaus auch positive Eindrücke aus der Betriebsversammlung mit. Zum einen lobt er das Bemühen der Verantwortlichen, über alles zu informieren. "Man kommuniziert ordentlich mit uns", betont er und baut auf eine Fortsetzung der Gespräche in diesem Stil. Zum anderen erkennt er ein Bemühen, um den Standort Kronach zu kämpfen. Eine unmittelbar bevorstehende Entlassungswelle sei nicht Thema gewesen, versichert er. Dagegen sei - ganz im Sinne der Gewerkschaft - von einer Stärkung des Produktionsstandorts gesprochen worden.

Über allen Spekulationen und Hoffnungen stehe nun aber erst einmal die Suche nach einem Investor. Im Idealfall nach einem, der die Überlegungen zum Standort Kronach teilt und die Produktion dort aufrecht erhalten will. Rüdiger Weiß zeigt sich in dieser Frage zuversichtlich. Ohne den Stempel "Deutsche Handwerkskunst" kann Loewe aus seiner Sicht nicht funktionieren. "Das Geschäft macht für einen Investor nur Sinn, wenn ich hier einen Standort habe, an dem ich herstelle."

Lösung für Übergangsphase

Der Weg zum neuen Investor - Weiß möchte diese Angelegenheit bis Ende November geklärt wissen - ist jedoch steinig. Davor verschließt der Sachwalter die Augen keine Sekunde.

Die Produktion hat Weiß zufolge zurzeit natürlich keine vollen Auftragsbücher, aber sie läuft wieder an. Wenn das Insolvenzgeld endet, das eigentliche Insolvenzverfahren beginnt (1. Juli oder 1. August) und dann eben noch kein neues Kapital eines Investors zur Verfügung steht, muss es eine Übergangslösung geben. Hier bringt er eine Aufteilung der Mitarbeiter auf den Tisch.

Ein Rumpfteam von schätzungsweise 150 Personen soll den Betrieb am Laufen halten. Eine Transfergesellschaft soll die anderen derweil auffangen und in der Hinterhand bereithalten, wenn das Geschäft anzieht. "Wir brauchen ein Minimum, von dem wir jederzeit auf ein Maximum gehen können", erklärt der Sachwalter diesen Schritt. Eine Frage der Kostendeckung. Er distanziert sich dabei klar von Transfergesellschaften, die gerne mal zur Abschiebung von Mitarbeitern benutzt werden. Diese Transfergesellschaft solle die Angestellten für Loewe eher sichern.

Ob später, unter der Regie eines neuen Investors, 30, 40 oder 100 Entlassungen im Raum stehen werden, lasse sich nicht sagen, gibt Weiß zu. Mit Blick auf die Belegschaft und die Transfergesellschaft fügt er jedoch an: "Wenn ein Investor mit Sinn und Verstand kommt, weiß er, da steckt das Know-how." Sein Fazit des Dienstags: "Wer denkt, der Loewe hat ausgebrüllt, der wird sich noch wundern!"