Der Kampf um die Zukunft des TV-Geräteherstellers Loewe ist für Kronach ein heißes Eisen. Rund 500 Jobs hängen am Fortbestand des Unternehmens, das die Insolvenz in Eigenverwaltung für eine Kehrtwende zum Erfolg nutzen will (am Donnerstag wurde die vorläufige Insolvenzverwaltung angeordnet). Die Angestellten wollen ihren Teil dazu beitragen.

Was sie aber künftig dafür erwarten, bringt Jürgen Apfel von der IG Metall auf den Punkt: "Wir haben Verständnis, dass Details nicht in der Öffentlichkeit breitgetreten werden können. Aber wir erwarten eine Kommunikation auf Augenhöhe!" Diese habe es in der fortgesetzten Betriebsversammlung am Donnerstag (noch) nicht gegeben.

Apfel gesteht der Geschäftsführung zu, in einer sensiblen Situation Weichenstellungen treffen zu müssen. Dass hierbei Einzelheiten Verschlusssache bleiben müssen, ist ihm klar. Dennoch hätte er sich mehr Antworten erwartet. Immerhin hatte die Belegschaft eine ganze Fragenliste eingereicht. Erklärungen dazu seien die Verantwortlichen jedoch schuldig geblieben.

"Im Moment ist das Problem, dass die Angestellten gerne an etwas glauben würden", sagt Apfel. Doch keiner wisse so recht, wohin die Reise gehen soll. Er unterstreicht allerdings: "Das soll ein Hinweis sein, kein Bashing der Geschäftsführung." Die Gewerkschaft baue weiter auf Gespräche und habe vom Sachwalter positive Signale für ein baldiges Mehr an Informationen erhalten. Und das sei wichtig, denn "sonst entstehen Ängste - auch Existenzängste".

Vier Fragen an Ralf Vogt

Auf unsere Anfrage nimmt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Ralf Vogt, Stellung zur aktuellen Entwicklung bei Loewe. Er spricht über das Tagesgeschäft, die Produktion und das Personal. Wie hat sich das Klima in den Tagen nach der Insolvenz-Ankündigung entwickelt, was mögliche Investoren, die Zusammenarbeit mit dem Sachwalter und die Mitarbeiter betrifft?

Ralf Vogt: Das Klima im Unternehmen ist konstruktiv sachlich. Die Zusammenarbeit läuft reibungslos. Viel Unterstützung kommt - neben unseren Lieferanten - auch von Handelsseite, von vielen Händlern, die sich "jetzt erst recht" für Loewe einsetzen. Bei allen Partnern, vor allem aber bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, bedanke ich mich dafür persönlich sehr - auch im Namen des Geschäftsführungs-Teams.

Welche Schritte wurden bei Loewe seit der Bekanntgabe der Insolvenz in Eigenverwaltung eingeleitet?

Wir mussten und müssen zwei Aufgaben gleichermaßen bewältigen: einerseits das Tagesgeschäft wieder zum Laufen bringen und andererseits die mittel- und langfristigen Weichen für eine erfolgreiche Zukunft stellen. In beiden Feldern machen wir konkrete Fortschritte.

Wie ist es um die Gegenwart und Zukunft des Personals bestellt?

Die Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld gesichert. Insgesamt versuchen wir, möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu halten. Dies ist aber auch stark abhängig vom Konzept eines künftigen Investors. Da auch in der vorläufigen Eigenverwaltung sämtliche potenziellen Investoren die Möglichkeit erhalten müssen, ein Angebot abzugeben, können hierzu zum jetzigen Zeitpunkt keine verlässlichen Prognosen gegeben werden.

Angeblich steht die Produktion still? Stimmt dies und wann wird sie gegebenenfalls wieder anlaufen?

Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung ist es ganz natürlich, dass die Geschäftsprozesse wieder neu geordnet werden müssen. Wir gehen davon aus, dass die Fertigung kurzfristig ihre Arbeit wieder aufnehmen kann. Denn: Wir haben Aufträge im Haus. Uns liegt sehr daran, dass diese Bestellungen schnell ausgeliefert werden können.