LKR Forchheim
Wettbewerb

Die Kirsche der Fränkischen Schweiz leidet unter Konkurrenz

Es ist Kirschen-Zeit in der Fränkischen Schweiz. Was viele nicht wissen: Die regionalen Obstbauern geraten zunehmend unter Druck durch Kirschen-Importe. Vermarkter schlagen Alarm und appellieren an die Politik.
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Die frisch gepflückten fränkischen Süßkirschen konkurrieren in den Lebensmittel-Märkten oft mit billigeren Importen: Ein ungerechter Preiskampf, meinen viele Obstbauern aus der Region Forchheim. Der Chef von Franken Obst in Igensdorf schlägt Alarm. Foto: Ronald Heck
Die frisch gepflückten fränkischen Süßkirschen konkurrieren in den Lebensmittel-Märkten oft mit billigeren Importen: Ein ungerechter Preiskampf, meinen viele Obstbauern aus der Region Forchheim. Der Chef von Franken Obst in Igensdorf schlägt Alarm. Foto: Ronald Heck
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Die runden, saftig-süßen Früchte sind aktuell in aller Munde: Die Kirschen-Ernte in der Region Forchheim ist in vollem Gange. Die meisten Sorten sind geerntet, in wenigen Wochen geht die Saison in Europas größtem zusammenhängenden Kirschenanbaugebiet zu Ende. Beim Blick in die Supermärkte und Discounter, wo ein Großteil der fränkischen Kirschen verkauft werden, hat die Ernte für viele regionale Obstbauern einen zunehmend faden Beigeschmack: Sie beklagen den ihrer Meinung nach unfairen Preiskampf mit den günstigeren Import-Kirschen.

Zwei Kirschenbauern haben sich hilfesuchend an den Fränkischen Tag Forchheim gewandt: Der angebliche "nicht-mögliche Absatz der heimischen Kirschen" an die lokalen Filialen der Lebensmittelketten Rewe und Edeka sei ein "großes und akutes Problem". Das liege vor allem an den türkischen Kirschen, die in den Filialen mit den heimischen Kirschen konkurrieren. Was steckt dahinter?

Zu wenig Geld für die Ernte

Mehre regionale Obstbauern bestätigen uns, dass der Konkurrenzdruck sie zunehmend belastet. Kein Landwirt möchte jedoch namentlich in der Zeitung genannt werden, weil sie wirtschaftliche Nachteile befürchten. "Es kann schon einmal sein, dass die Auszahlung für meine Kirschen geringer ist als der Anbaupreis", meint ein Obstbauer aus der Fränkischen Schweiz, der anonym bleiben möchte.

Bei den regionalen Obstgenossenschaften kennt man die Sorgen der Landwirte. Der Geschäftsführer von Franken Obst, Ronny Trägner, spricht Tacheles: "Die türkischen Kirschen sind das größte Problem." In den Läden würden diese importierten, weit gereisten Früchte zu "Kampfpreisen" angeboten. "Unsere Kirschen werden heute gepflückt und liegen morgen schon im Einkaufsmarkt - aber die deutschen Kirschen kosten deutlich mehr", erklärt Trägner.

Das habe mehrere Gründe: Die deutschen Obstbauern zahlen ihren Erntehelfern zum Beispiel den Mindestlohn von 9,19 Euro pro Stunde. Zudem seien in der Türkei 38 Spritzmittel beim Kirschenanbau zugelassen, in Deutschland nur acht. "Darüber wird viel zu wenig gesprochen."

Rund 1500 Tonnen Süßkirschen vermarktet Franken Obst in diesem Jahr. Die Früchte stammen von Obstbauern aus der Fränkischen Schweiz, Ober- und Mittelfranken. Zum allergrößten Teil landet das fränkische Tafelobst von Igensdorf aus über Zentrallager in bayerischen Einkaufsläden, Supermärkten und Discountern.

Welche Auswirkungen hat der Konkurrenzdruck auf das Kirschenanbaugebiet Fränkischen Schweiz? "Grundsätzlich sind wir bestrebt, alle Kirschen zu verkaufen. Aber durch den Preiskampf müssen wir mit unseren Preisen heruntergehen", erklärt Trägner.

Gerade junge Bauern geben auf

Die Schlussfolgerung: Viele der örtlichen Obstbauern, die Kirschen meist im Nebenerwerb anbauen, würden aufgeben - gerade die jüngeren. "Der Anbau geht zurück", meint der Franken Obst-Chef. Es würden zudem kaum neue Kirschenbäume gepflanzt.

Trägner ist der Meinung, um den fränkischen Obstanbau zu schützen, müsste die Politik den Markt regulieren. Den Geschäftsführern der Lebensmittel-Filialen sei kein Vorwurf zu machen. Die Konzerne würden für die Ware aus der Türkei am Jahresanfang Kontrakte abschließen. Diese Kirschen-Importe müssten schlussendlich verkauft werden. Dadurch entstünden die "Kampfpreise", beispielsweise durch Angebote. "Es kommen riesige Mengen an ausländischen Kirschen auf den Markt und unsere Produzenten leiden darunter deutlich", so Trägner. Länder wie Frankreich oder Schweiz würden die Einfuhr von ausländischen Kirschen beschränken. "Wir müssten erst die heimische Ware vermarkten und könnten bei Bedarf türkische Kirschen importieren. Das wäre die optimale Lösung", appelliert der Kirschen-Vermarkter Ronny Trägner an die Politik.

Welche Bedeutung der Kirschenanbau für die Fränkische Schweiz hat, wurde beim 51. Kirschenfest in Pretzfeld deutlich.

Zahlen und Fakten zum Kirschenanbau in der Region Forchheim

Fläche Die Fränkische Schweiz zählt zu den größten Kirschenanbaugebieten in Deutschland und Europa. Auf rund 2500 Hektar stehen schätzungsweise etwa 200 000 Kirschbäume.

Bauern In der Region Forchheim gibt es circa 2300 Kirschenanbau-Betriebe - die meisten im Nebenerwerb.

Ernte Jährlich werden circa 3000 Tonnen Kirschen in der Region geerntet. Die Kirschen sind fast ausschließlich Süßkirschen. Die Erntemenge kann wegen der Witterungseinflüsse extrem schwanken. "Die allermeisten Kirschen landen als Tafelobst bei den Kunden", weiß der Kreisfachberater für Obstbau Hans Schilling.

Vermarktung 90 Prozent der gepflückten Kirschen gehen an die drei Obstgenossenschaften in Pretzfeld, Igensdorf und Mittelehrenbach. 2007 haben die Genossenschaften die gemeinsame Erzeugerorganisation Franken Obst ins Leben gerufen. 10 Prozent der Kirschen werden direkt vermarktet.

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