Großenseebach
Kabarett

Polit-Prominenz beehrt Großenseebach

Dank des Parodisten Wolfgang Krebs standen Edmund Stoiber, Horst Seehofer, Markus Söder, Angela Merkel und viele andere auf der Bühne der Mehrzweckhalle.
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Wolfgang Krebs als Edmund Stoiber    Foto: Richard Sänger
Wolfgang Krebs als Edmund Stoiber Foto: Richard Sänger
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Dass zum 20. Geburtstag des "Großenseebacher Herbstes" gleich der Ministerpräsident Markus Söder sowie seine Vorgänger Horst Seehofer und Edmund Stoiber ihre Glückwünsche überbringen, damit hat im Seebachgrund nicht einmal Bürgermeister Bernhard Seeberger (FW) gerechnet. Und gerade er stand mehrmals im Mittelpunkt des Abends und wurde für seine lebenswerte Gemeinde gelobt.

So viel politische Prominenz auf einmal in der restlos ausverkauften Mehrzweckhalle - das schafft nur Wolfgang Krebs mit seinen beeindruckenden Parodien. Die Ehrenamtlichen des Großenseebacher Herbstes trafen gleich mit dem Eröffnungsabend ins Schwarze. Die Besucher waren von Krebs' Soloprogramm "Geh zu, bleib da!" restlos begeistert, und auch dem Kabarettisten scheint der Abend im Seebachgrund Spaß gemacht zu haben. Denn es sind nicht nur die Dialekte und Stimmen, welche er nachahmt wie kein anderer, sondern auch die Gestik und Ausdrucksweise, insbesondere in seiner Paraderolle als Edmund Stoiber.

Ein ganzjähriges Bierzelt

Insbesondere die Landflucht war ein Thema des Abends, und davon besonders betroffen ist

Untergamskobenzeißgrubengernhaferlverdimmering, das Heimatdorf von Schorsch Scheberl, das etwas kleiner als Großenseebach ist. Scheberl ist Vorsitzender aller 30 Vereine und möchte die Landflucht aufhalten oder wenigstens verlangsamen. Dass die Jugend seinen Heimatort verlässt, könnte aber auch mit den zwei SPD-Wählern im Dorf zusammenhängen, die er namentlich kennt, schließlich ist er auch Wahlvorstand.

Um die jungen Leute im Dorf zu behalten, gibt es im Dorf mit "Country parship for the hopeless cases" ein ganzjähriges Bierzelt, das nur an der Kirchweih und an Weihnachten anders genutzt wird. Dazu singt Maggi Montana seinen "Hit "Was ich am meisten an dir mag, ist dein Bausparvertrag", eben nach dem Wahlspruch: "Liebe vergeht, Hektar besteht." Die Kinder bekommen bei schlechten Noten einen Liter Freidrink. "Bei uns hat keiner mehr die Realschule geschafft und alle bleiben da", erzählt Scheberl unter dem Beifall der Zuhörer und rät dem Großenseebacher Bürgermeister zur Nachahmung.

Denn mit dem ungehemmten Wachsen der Großstädte drohe das Bayernland immer mehr an Charakter zu verlieren, an ideellen Werten wie Gemütlichkeit und Tradition. In den Städten werden die Mieten immer höher und die Wege zur Arbeit immer länger. Wolfgang Krebs sorgte für viele lustige, aber auch nachdenkliche Momente und sprach aktuelle Themen unverblümt an. Ernste und nachdenkliche Worte hatte er zum Klimawandel ebenso wie zum Bienensterben und den Fahrverboten sowie zur Zuwanderung. "Wir erleben die beste Zeit, aber sie wird bald vorbei sein", sinnierte Wolfgang Krebs, der die Nörgelei, das Gejammer und die Unzufriedenheit der Menschen nicht verstehen kann.

Dann lässt der Schorsch auf der Bühne alle aufmarschieren, den Ministerpräsidenten Markus Söder, Innenminister Horst Seehofer, und auch die Bundeskanzlerin Angela Merkel macht auf ihrer Rundreise zu den "Stämmen" in Bayern, deren Sprache sie nicht versteht, einen kurzen Stopp im mittelfränkischen Großenseebach. Dabei ist Krebs tagespolitisch aktuell, die Themen des Vortages werden gleich auf der Bühne aufgearbeitet. Zum Thema Bauen und Wohnen kommt sogar König Ludwig II. zu Wort und stellt fest: "In der Provinz verschmelzen Tracht und Niedertracht", da häufig die größten Verbrecher-Politiker aus den kleinsten Dörfern stammen würden.

Reichlich satirische Spitzen, aber auch tiefgründige Worte gab es zu Themen wie Baukindergeld und Oktoberfest. "Jede Dorf-Kerwa und die Fürther Kerwa ist gemütlicher und schöner als das Drecks-Oktoberfest", erklärte der Kabarettist und schob hinterher: "5G in ganz Deutschland - und in der Oberpfalz warten sie noch auf den Kanalanschluss!"

Eine Mauer hinter Aschaffenburg

Um die Preußen von Bayern fernzuhalten, empfahl er als Edmund Stoiber, dass es nicht nur Grenzkontrollen in Kiefersfelden, sondern eine Mauer hinter Aschaffenburg geben sollte, um die Einwanderung der nord- und ostdeutschen Ausländer nach Bayern zu verhindern. Den haspelnden und stotternden Wortverdreher aus "Hausratswolfen" spielte Wolfgang Krebs mit Leidenschaft und reichlichen Versprechern wie "Dreizwittelmehrheit".

Das abendfüllende Thema "Landleben" wurde durch witzige "Werbespots" der "Scheberl-Holding" aufgelockert, diese brauchte Wolfgang Krebs nämlich, um hinter der Bühne in die nächste Rolle zu schlüpfen.

Natürlich wurde am Ende des Abends eine Zugabe gefordert, die Wolfgang Krebs auch gerne gab. "Vielen Dank, dass Sie eine Frage für unsere Antwort haben" - Markus Söder, Edmund Stoiber, Horst Seehofer und Hubert Aiwanger sowie Günther Beckstein - das sind die Parade-Rollen von Wolfgang Krebs und täglich auf Bayern 1 zu hören. "Diese Sendung produziere ich zuhause im Kleiderschrank, dafür muss ich nicht ins Studio und wenn es ihnen zu viel wird, dann schalten sie das Radio einfach gab", riet er den begeisterten Besuchern.

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