Bamberg
Rothofhügel

Aus für ein Postkartenidyll: Wird ein Ausflugsziel bei Bamberg zerstört?

Die Pläne für den neuen Hochbehälter auf dem Rothofhügel stoßen wegen der Nähe zur geschützten Linde auf Ablehnung. Doch es gibt es bereits einen Plan B
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Sieht der beliebte Rothofhügel gegenüber der Altenburg  nach dem Bau eines neuen Hochbehälters künftig so aus? Eine  Montage des Vereins "Bewahrt die Bergstadt" weckt Befürchtungen.  Montage: Bernhard Kümmelmann
Sieht der beliebte Rothofhügel gegenüber der Altenburg nach dem Bau eines neuen Hochbehälters künftig so aus? Eine Montage des Vereins "Bewahrt die Bergstadt" weckt Befürchtungen. Montage: Bernhard Kümmelmann

Die Johannisfeuer der Dompfarrei auf dem Rothofhügel sind legendär. Nirgendwo gibt es in Bamberg einen ebenbürtigen Blick auf die Altenburg als von der 386 Meter hohen Erhebung gleich gegenüber. Doch nun ist dieses Postkartenidyll in Gefahr. Gleich neben der mächtigen Linde, die den Aussichtsberg krönt, wollen die Stadtwerke einen Hochbehälter mit 1000 Kubikmetern Fassungsvermögen errichten.

Das Ziel der Stadtwerke ist unumstritten: Der neue Wasserspeicher soll die Trinkwasserversorgung in Wildensorg sichern und Löschwasserengpässe verhindern. Doch was das auf dem unterirdischen Wasserreservoir geplante Revisionsgebäude angeht, scheiden sich die Geister. "Der geplante Wasserbehälter am Rothof zerstört einen der schönsten Orte in der Kulturlandschaft um Bamberg", heißt es seit wenigen Tagen auf der Homepage des Vereins "Bewahrt die Bergstadt".

Es wird "die Würde des Ortes beschädigt."

Zweiter Vorsitzender Michael Rieger warnt vor den Folgen eines überdimensionierten gesichtslosen Neubaus: "Auf der Hochfläche nahe des Lindenbaums und der Kirschallee wirkt jegliches technische Bauwerk wie ein Fremdkörper, der die Würde des Ortes beschädigt." "Bewahrt die Bergstadt" schlägt einen Alternativstandort weiter im Westen vor, um nicht wieder gut zu machende Schäden an einem der schönsten Orte Bambergs zu vermeiden. In der Nähe des dort befindlichen Sendemasten rücke der Hochbehälter aus der unmittelbaren Blickzone.

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Bisher gab es nicht allzu viele Informationen über die oberirdischen Dimensionen des Hochbehälters, der zwei kleinere in wenigen Metern Entfernung am Rand des Michelsberger Waldes ersetzen soll. Die Stadtwerke sprachen bei der Vorstellung der Pläne im November 2018 von einem Gebäude, das sich in angemessem Abstand zum Naturdenkmal in einen begrünten Wall integrieren soll. Die Firsthöhe des acht Meter breiten und langen Gebäudes: sechs Meter.

Bergstadt-Verein: Bauwerk ist ein Sakrileg

Ist das zu viel oder nicht? Um die Dimensionen des Bauwerks vor Augen zu führen, hat "Bewahrt die Bergstadt" am Computer zwei Ansichten komponiert, die die künftige Situation veranschaulichen sollen. Sie zeigen das oberirdische Gebäude des Hochbehälters gewissermaßen im Schatten der Linde. Der Bergstadt-Verein ist sich sicher: Für viele, die den Ausflugsort gegenüber der Altenburg immer wieder besuchen, wäre dieses Bauwerk ein Sakrileg.

"Wir sehen die Kritik", sagt Jan Giersberg von den Stadtwerken zu den vielen Stellungnahmen, die das Unternehmen zur Platzierung des Hochbehälters erreicht haben, nicht nur von "Bewahrt die Bergstadt", sondern auch vom Naturschutzbeirat der Stadt. Dennoch gibt der Sprecher zu bedenken, dass es die Versorgung des wachsenden Stadtteils Wildensorg nötig macht, die in die Jahre gekommenen Hochbehälter durch einen Neubau zu ersetzen. Keine Zustimmung findet die Zuspitzung der Situation in der Darstellung von "Bewahrt die Bergstadt" : "Wir haben großes Verständnis für eine Diskussion. Aber sie muss sachlich bleiben. Diese Montagen entbehren leider jeglicher Grundlage. Sie sind irreführend", sagt Giersberg.

Maßstäblich oder nicht - die Kritik am Revisionsgebäude neben der alten Linde zeigt offenbar Wirkung. Giersberg zufolge haben die Stadtwerke mittlerweile weitere Standortvarianten geprüft, darunter eine, die 100 Meter weiter westlich liegt als die bisherige. Auch die Traufhöhe des überirdischen Gebäudes könnte gesenkt werden. Noch ist ist nicht klar, welche Variante umgesetzt wird. Es spricht viel dafür, dass nach dem Protest aus der Bürgerschaft auch die Stadtwerke von der Linde werden abrücken wollen. Das letzte Wort hat aber der Bausenat.

Kommentar des Autors: ein barbarischer Akt

Bei der Debatte um den Bahnausbau wurde immer wieder die "visuelle Integrität" Bambergs bemüht. Diese optische Unversehrheit des Welterbes dürfe nicht beschädigt werden durch Mauern, die sich historisch gewachsenen Sichtachsen in den Weg stellen.

Die Würde dieser Stadt hört aber nicht hinter dem Domberg auf. Und nur weil der Rothof der unbekanntere Zwillingsbruder der Altenburg ist, darf er nicht zur Spielwiese für unsensible Planer werden.

Man muss nur einmal nach oben gehen, um die besondere Ausstrahlung dieses Ortes zu verstehen: Die Platzierung eines Hochbehälters nur 40 (!) Meter neben der alten Linde wäre ein barbarischer Akt. Hoffentlich sind die Verantwortlichen durch die Kritik aufgewacht. Diese Planung ist nicht gut, sie schadet Bamberg.

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