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Bamberg
Demonstration

Protest in Bamberg gegen die Corona-Politik - auch Kommunalpolitiker demonstriert mit

Auf dem Maxplatz kamen am Samstag zahlreiche Menschen "Für Freiheit und Selbstbestimmung" zusammen. Der Hauptredner sprach von einer gewollten Spaltung der Gesellschaft und behauptet, dass es überhaupt keine Covid-19-Pandemie gab.
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Am Samstag protestierten zahlreiche Menschen auf dem Maxplatz in Bamberg gegen die aktuelle Corona-Politik mit Maskenpflicht und weiteren Einschränkungen. Foto: Thomas Weichert
Am Samstag protestierten zahlreiche Menschen auf dem Maxplatz in Bamberg gegen die aktuelle Corona-Politik mit Maskenpflicht und weiteren Einschränkungen. Es fanden sich auch viele Schaulustige ein, die sich ein Bild von der Demonstration machen wollten. Foto: Thomas Weichert
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Unter dem Motto "Für Freiheit und Selbstbestimmung" fand auch auf dem Maxplatz am Samstagnachmittag eine für 30 Teilnehmer von der Stadt genehmigte Demonstration mit den aktuell gültigen Corona-Auflagen statt. Unter anderem mussten die Demonstranten 1,50 Meter Sicherheitsabstand untereinander und fünf Meter zu den Zuschauern einhalten und selbst Ordner stellen.

Die Veranstaltung verlief zwar emotional, aber friedlich. Der Einsatzleiter der Polizei Bamberg, Oliver Weber, betonte: "Wir halten uns da so lange wie möglich komplett raus. Die Versammlungsfreiheit ist eines unserer höchsten Güter."

Nicht ausreichend Abstand

Nach und nach füllte sich jedoch der Maximiliansplatz vor dem neuen Rathaus mit Schaulustigen. Schätzungsweise waren im Laufe der Demo insgesamt etwa 300 Menschen gekommen, die den Rednern immer wieder applaudierten. Von Sicherheitsabstand unter den Zuschauern konnte allerdings keine Rede sein. Die Polizei wies die Organisatorin Inge Betz aus Walsdorf darauf hin, bekannt zu geben, dass auch die Zuschauer den Sicherheitsabstand einhalten sollen. Dies löste Buh-Rufe aus.

Betz selbst wie auch Christiane Göbel aus Breitengüßbach, die eine der Sprecherinnen war, sprachen von einem großen Erfolg. "Ich finde es toll, dass sich diesmal mehr Menschen getraut haben zu sprechen", sagt Göbel. Sie betonte, dass ihre Mitstreiter bunt zusammengewürfelt seien, sich vorher nicht kannten, aber eines gemeinsam haben: Die Sorge um das Grundgesetz.

Die Seminarleiterin, die Kurse auf Pferdehöfen gibt, setzt sich friedlich für Freiheit und Selbstbestimmung ein. Deutschland sei in zwei Lager gespalten. In diejenigen, die den Politikern und Medien alles glaubten, und in Verschwörungstheoretiker. Sie betonte, dass die meisten ihrer Mitstreiter zu keinem von beiden zählten. Sie ist gegen Impfpflicht und Maskenzwang. Masken machten die Menschen krank, sagte Göbel, die auch demonstriert, weil sie ihre Kurse und Seminare nicht abhalten darf.

Hauptredner leugnet Pandemie - Gemeinderat demonstriert mit

Michael Braun aus Gasseldorf war der Hauptredner. Der 50-jährige Familienvater und Mitarbeiter der offenen Behindertenarbeit in Forchheim behauptet, dass es gar keine Pandemie gab und forderte, alle Maßnahmen sofort zu beenden. Auch Braun sprach von einer Spaltung der Gesellschaft und fragte sich, wo denn die Kommunalpolitiker seien. "Die Spaltung ist gewollt, und das Volk ist somit beschäftigt."

Ein Kommunalpolitiker war aber unter den Protestlern: Gemeinderat Wolfgang Krapp aus Stegaurach hielt ein Schild hoch, auf dem stand: "Die Medien verbreiten Angst - Der Nachbar wird zum Denuziant (sic) - Der Weg führt in ein Stasi-Land" Der Vater von drei Kindern sprach von einseitiger Berichterstattung und forderte, Kritiker zu Wort kommen zu lassen.

"Keine Marionette der Regierung"

Marianne Derra aus Bamberg warb für die Bewegung "Widerstand 2020", sie wolle sich nicht krank spritzen und überall kontrollieren" lassen. Sie kämpfe dafür, dass die Kinder in die Schule gehen können und sich mit Freunden treffen dürfen und, dass Angehörige die Senioren in Heimen und Kliniken besuchen dürfen. "Ich bin und werde keine Marionette unserer Regierung." Auch Monika Emmons aus Pettstadt findet die Corona-Maßnahmen unverhältnismäßig und fühlt sich in ihren Grundrechten eingeschränkt. Die Forchheimerinnen Yvonne Saffra und Carmen Hofmann kamen in "Gib Gates keine Chance"-T-Shirts. "Wir sind gegen Zwangsimpfung, für Freiheit, für das Grundgesetz und gegen Maskenzwang", sagten sie. Sandra Behnke aus dem Itzgrund forderte eine neutrale Expertengruppe von Virologen. Sie hat das Gefühl, dass die Medien sehr stark gesteuert werden und sieht die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen mit Entzug der Grundrechte in Bezug auf das Virus nicht für gegeben an.

"Nächsten Samstag demonstrieren wir wieder", sagte Organisatorin Inge Betz. "So lange bis alle unsere Grundrechte wieder hergestellt sind."

Corona-Proteste auf dem Maxplatz - ein Kommentar 

von Sebastian Martin

Ein Virus grassiert: Die Würde des Menschen ist das höchste Gut, das wir haben.  Wer seine Würde verletzt sieht, darf  auf der Straße  oder im Internet seine Meinung kundtun –  unserer Demokratie sei Dank. Doch nicht jede artikulierte Meinung ist  dadurch   auch richtig.

Die Maskenpflicht zu kritisieren und weitere Lockerungen einzufordern, ist legitim. Es ist ja bekannt, dass die Maskenpflicht auch unter Experten umstritten ist. Wirre Theorien von Verschwörungsfans und Corona-Leugnern sind dagegen unerträglich. Ohne objektive Beweise werden  krude Behauptungen aufgestellt – etwa die sogenannte Bill-Gates-Verschwörung,  die besagt, dass der Microsoft-Gründer  die Krise  an der Spitze von Eliten gelenkt haben soll.

Wer nicht an die Corona-Gefahr glaubt, dem sei  gesagt: In meinem familiären Umfeld ist in der vergangenen Woche ein Mensch an Covid-19 gestorben. Er hat lange gekämpft und am Ende verloren.  Das  ist  traurige Realität.