Würgau
Sicherheit

Motorradfahrer: Saisoneröffnung gilt nicht für Würgau

Die Bundesstraße 22 darf auf einem knapp drei Kilometer langen, unfallträchtigen Abschnitt nicht mit dem Motorrad befahren werden.
Artikel drucken Artikel einbetten
Schon weit vor dem gesperrten Streckenabschnitt der B22 bei Würgau weisen  große Schilder auf das Fahrverbot hin. Timo Stöhr
Schon weit vor dem gesperrten Streckenabschnitt der B22 bei Würgau weisen große Schilder auf das Fahrverbot hin. Timo Stöhr
Ostern, Frühling - Motorradzeit. Wer jetzt seine Maschine rausholt und sich zur ersten Ausfahrt aufmacht, sollte daran denken, dass eine der meistbefahrenen "Motorradstrecken", die Bundesstraße 22 bei Würgau, momentan für Zweiradfahrer tabu ist. Zumindest am Wochenende und an Feiertagen.

Neun Motorradfahrer sind im vergangenen Jahr am Würgauer Berg verunglückt. Sieben von ihnen wurden schwer, zwei leicht verletzt. Damit ereigneten sich fast ein Drittel aller schweren Motorradunfälle im Landkreis auf der knapp drei Kilometer langen Strecke. Laut Polizei bedeutet dies einen "dramatischen Höchststand" der Unfallzahlen am Würgauer Berg seit Beginn der Aufzeichnungen. Ganz zu schweigen von den Toten, die es auf dem verlockenden Streckenabschnitt im Laufe der letzten Jahrzehnte gegeben hat.


Versuch über ein Jahr

Nun gibt erstmalig einschneidende Konsequenzen. Ein Jahr lang dürfen Motorradfahrer an Wochenenden und Feiertagen den Würgauer Berg nicht befahren. Schon zum Ende der letzten Motorrad-"Saison", Mitte Oktober vergangenen Jahres, haben die zuständigen Behörden das Fahrverbot für Zweiradfahrer an Wochenenden und Feiertagen auf dem Streckenabschnitt erlassen und entsprechende Schilder aufstellen lassen. Man braucht gar nicht erst bis nach Würgau zu fahren, um die riesigen Hinweistafeln zu sehen. Von Bamberg kommend, wird man schon am Ortsausgang Scheßlitz unübersehbar auf das Streckenverbot hingewiesen.


Sämtliche Versuche erfolglos

Im Laufe der Jahre gab es viele Versuche, den Berg sicherer zu machen: Unter anderem wurde unter den Leitplanken Unterfahrschutz angebracht, Wiesenflächen in der Wilhelmskurve - von vielen "Applaus"-Kurve genannt - mit Hecken für Zuschauer unzugänglich gemacht, Warnschilder wurden aufgestellt, dicke Linien wurden auf dem Asphalt aufgezogen, Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 50 km/h sollten Raserei verhindern. Zudem hat die Polizei immer wieder verstärkt Kontrollen durchgeführt.

Nichts hat jedoch die erhoffte Wirkung gezeigt. In dem Fahrverbot sahen die Behörden die letzte Möglichkeit, für mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu sorgen. Den Ausschlag für den harten Schritt hat wohl die Unfallserie an einem Juni-Wochenende im letzten Jahr gegeben, an dem allein drei Menschen schwer verletzt worden waren. Die Anordnung mit der Sperrung gilt zunächst für ein Jahr. Danach sollen die Statistiken ausgewertet werden, dann will man weitersehen.

Die Bewohner des Scheßlitzer Stadtteils Würgau sehen nun erst einmal ruhigeren Zeiten entgegen. Frühlingswochenenden ohne schallenden Lärm schwerer Maschinen und erhöhte Gefahr für Kinder wie Erwachsene durch manche Raser hat es bei schönem Wetter hier seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben.
Auch die Würgauer Wirte werden dieses Test-Jahr ganz genau analysieren. Die örtlichen Gastronomen befürchten Einnahmeverluste, da eine Vielzahl von Gästen aus Motorradfahrern bestand, die eigens wegen der attraktiven Bergstrecke auch von weiter her anreisten.


Die Polizei kontrolliert

Die Polizei hat angekündigt, das Durchfahrtsverbot zu überwachen. Nebenbei werden die Beamten auch die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit kontrollieren und die Fahrzeuge in Bezug auf unerlaubte technische Veränderungen (zum Beispiel Geräuschentwicklung) prüfen.

Die erste Kontrollaktion fand am letzten Sonntag statt. Mit mehreren Streifen führten die Beamten sowohl stationäre als auch mobile Kontrollen durch, wobei sie gleich auf der für Biker gesperrten Strecke vier Motorradfahrer feststellen mussten. Die Polizisten hielten alle an, überprüften die Motorräder auf Einhaltung der technischen Vorschriften, leiteten das vorgeschriebene Ordnungswidrigkeitsverfahren ein und schickten alle wieder zurück.

"Erfreulicherweise wird von den einheimischen Motorradfahrern aus Stadt und Landkreis Bamberg die neue Regelung respektiert. Keiner der beanstandeten Fahrer war aus dem Landkreis Bamberg", sagt Markus Dotterweich von der Polizei. Die Fahrzeuge der "erwischten" Fahrer waren auf die Bereiche Forchheim, Erlangen und Erlangen-Höchstadt zugelassen. Auch am Freitag wurde eineinhalb Stunden lang kontrolliert (und einer erwischt). Samstag, Sonntag und am Montag geht es weiter.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren