Bamberg
Brand

Andreas Reuß setzt sich für Notre-Dame ein

Andreas Reuß sieht viele Verbindungen zwischen Paris und Bamberg. Gleich nachdem er von dem verheerenden Brand erfahren hat, ist er aktiv geworden.
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Andreas Reuß nennt viele Gemeinsamkeiten zwischen Paris und  der Bamberger Region: Berühmt ist die Rosette  von Notre-Dame in Paris und die in der einstigen Klosterkirche in Ebrach (unser Bild).Foto: Walter Hanslok
Andreas Reuß nennt viele Gemeinsamkeiten zwischen Paris und der Bamberger Region: Berühmt ist die Rosette von Notre-Dame in Paris und die in der einstigen Klosterkirche in Ebrach (unser Bild).Foto: Walter Hanslok

Andreas Reuß war zutiefst erschüttert, als er von einem Freund am Montag die Bilder von der brennenden Notre-Dame-Kathedrale zugesandt bekam. Bamberg - Paris, da gibt es für den Gymnasiallehrer und Autor einfach viele Verbindungen, viele historische Gemeinsamkeiten. Spontan sann er auf Hilfe, und so fiel dem Bamberger Stadtrat als erstes die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ein, der er dann prompt per Mail einen Aufruf schickte: Einen "Aufruf zur Unterstützung des Wiederaufbaus von Notre-Dame de Paris".

Die Stiftung wählte der Bamberger deswegen, weil über sie jedes Jahr auch in Bamberg der "Tag des offenen Denkmals" veranstaltet wird und weil er mitbekommen hat, dass andere europäische Denkmalpflegeeinrichtungen Ähnliches geplant haben. In seiner Mail regt er an, ob die Stiftung einmal ausnahmsweise ein Spendenkonto für den Wiederaufbau des weltbekannten Bauwerks einrichten könnte.

Notfalls, so sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung, werde er dies auch selbst tun. Er werde zugleich versuchen, andere Bamberger Institutionen, Verbände, Einrichtungen Organisationen und mehr für diese Idee zu gewinnen. Er denkt dabei beispielsweise an das Erzbistum oder an die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg.

Auch im Stadtrat will Reuß,der Sprecher im Kultursenat ist, Derartiges anregen.

"Wir haben historische Beziehungen", steht für den 64-Jährigen fest. Wie er dazu ausführt, sei man unter anderem über Kreuzreliquien verbunden: "In Paris soll sich die heilige Dornenkrone Christi befinden, die trotz des Brandes gerettet werden konnte." In der Nagelkapelle am Bamberger Dom verehren die Gläubigen schon seit dem Mittelalter einen heiligen Nagel vom Kreuz Jesu.

Die Verbindungen mit Paris reichen Reuß zufolge zudem in die Region, in den Landkreis Bamberg hinein: Die ehemalige Zisterzienser-Abtei Ebrach sei das erste rechtsrheinische Kloster dieses Ordens in Deutschland und wurde vom französischen Kloster Morimond 1127 gegründet Eine erste Abteikirche in Ebrach wurde wohl parallel zu Notre-Dame de Paris (1163 bis 1345) errichtet.

Die ehemalige Klosterkirche in Ebrach sei so groß wie eine Kathedrale. Besonders gerühmt werden in Ebrach wie in Paris die unvergleichlichen Fensterrosen. Wobei Reuß anmerkt, dass die Klosterkirche im Steigerwald eigentliche genauso Weltkulturerbe sein müsste, wie der Bamberger Dom. Ebracher Bauleute hätte in der Weltkulturerbestadt schließlich am Westchor viel mitgearbeitet. Zisterzienser hätten an Notre- Dame ebenso mitgewirkt wie in Morimond (heute nur noch Ruine).

Im Mittelalter kannte man sich, tauschte sich aus, hatte ein europäisches Bewusstsein, so Reuß. Auf der persönlichen Schiene berichtet Reuß von einem Freund, der erst vor kurzem mit einer großen Bamberger Gruppe in Paris war. Der hatte sofort gemeint: "Schön, dass wir das noch vor dem Brand gesehen haben."

Sofort an den PC

Andreas Reuß lässt die Zerstörung des Kulturdenkmals nicht los: "Ich konnte nicht tatenlos zusehen." Also hat er sich an den PC gesetzt und umgehend seine Bitt-Mail verfasst. In der Kürze habe er, so Reuß abschließend, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz freilich noch keine Antwort auf seinen Anregung erhalten. Aber vielleicht könne er bis dahin schon Mittel sammeln.

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