Auf den ersten Blick scheint die Venus ein Planet zu sein, der völlig ungeeignet ist für das Entstehen von Leben: Eine über 400 Grad heiße Oberfläche, ein Überdruck von 90 Bar und eine Atmosphäre, die zu 95 Prozent aus Kohlendioxid besteht.

Doch auf jenem Planeten haben zwei voneinander unabhängige Forscherteams einen bemerkenswerten Fund gemacht: Sie entdeckten das Gas Phosphin. Ein Gas, welches in der Natur nur unter ganz besonderen Bedingungen entstehen kann.

Phosphin: Ein Zeichen für Leben auf der Venus?

Das Gas besteht aus einem Phosphoratom und drei Wasserstoffatomen. Ein solches Phosphoratom kann nur an Orten entstehen, an denen kein freier Sauerstoff existiert, wie beispielsweise im Untergrund von Mooren oder Fischdärmen. 

Für Lebewesen, die auf Sauerstoff angewiesen sind, ist Phosphin ein tödliches Gift, da es verhindert, dass unsere Zellen Energie aus dem für uns lebensnotwendigen Atemgas gewinnen.

Für Lebewesen, welche nicht auf Sauerstoff angewiesen sind, kann das Gas allerdings ein wichtiger Teil des Stoffwechsels sein. Astrobiologen sehen Phosphin daher als starken Biomarker an.

Woher kommt das Gas? Forscher nutzen Computersimulation

Bereits 2017 entdeckten die Forscher das erste Mal Phosphin auf dem Planeten Venus. Mithilfe einer Computersimulation versuchten Wissenschaftler zu rekonstruieren, auf welchen Wegen das Gas entstehen konnte: Blitze in der Atmosphäre, Vulkanausbrüche, chemische Reaktionen zwischen Mineralien und Schwefel.

Den Simulationen zufolge wäre es zwar grundsätzlich möglich, dass der Planet aus eigener Kraft Phosphin produziert, allerdings nur in sehr geringer Dosis. Laut Studienbericht höchstens ein Zehntausendstel der auf der Venus gefundenen Menge.

Wie könnte Leben auf der Venus konkret aussehen?

Woher solche Mengen an Phosphin kommen, bleibt also nach wie vor ein Rätsel. Ebenso wie die sich stetig verändernden dunklen Flecken in den Wolken der Venus. Dieses Phänomen wirft bei Astronomen bereits seit Jahrzehnten Fragen auf.

Wissenschaftler bringen die Anomalie in der Wolkenhülle nun mit dem entdeckten Phosphin in Verbindung und haben die Theorie aufgestellt, dass es sich bei den dunklen Flecken um schwebende Mikroorganismen handeln könnte. 

Die Wolken bestehen allerdings zu 90 Prozent aus Schwefelsäure und wären für jedes Lebewesen unserer Erde absolut tödlich. Zudem  werden die Venuswolken im Laufe der Zeit immer größer, bis sie irgendwann in die tiefer gelegenen Wolkenschichten absinken und verdunsten. Astrobiologen zufolge könnte jedoch genau das ein fester Bestandteil des Lebenszyklus eines Venus-Organismus sein. Durch die Verdunstung könnten sich Sporen bilden, welche von Aufwinden in die Höhe getragen werden, um dort neue Organismen zu bilden.

Eine Theorie wie diese lässt sich nur mithilfe einer Raumsonde überprüfen. Russland plant im Jahr 2026 oder 2031 seine Venusflüge fortzusetzen. Die NASA verfügt bereits über Konzepte zur Ermittlung der Existenz von Venus-Mikroben und Russland wäre an einer Zusammenarbeit interessiert.

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