Blutmond, Blauer Mond oder Vollmond, nachts gibt es einige besondere astronomische Phänomene zu beobachten, so auch am 02. und 03. Juni 2022. Hier hat der Mond nämlich einen Erdschein, oder auch "Da Vinci Glow". Doch was genau steckt hinter dieser Erscheinung und wann kann man sie am besten erkennen?

Dass der Mond selbst nicht leuchtet, dürfte den meisten bekannt sein, denn er ist eigentlich nur eine dunkle Kugel. Sichtbar wird er erst durch Sonnenbestrahlung, die er reflektiert. Außer bei einer Mondfinsternis kann man also immer eine Hälfte des Mondes sehen.

Astronomisches Phänomen: Erdschein Anfang Juni zu sehen

Entsprechend den verschiedenen Mondphasen nimmt der Himmelskörper jedoch unterschiedliche Formen an, sodass er mal als dünne Sichel oder als perfekter Kreis zu sehen ist.

Ein besonderes Phänomen kann man allerdings in den Tagen vor und nach Neumond beobachten. Denn hier kann es sein, dass auch die nicht beleuchtete Hälfte des Mondes als Kugel hinter dem Sichelmond zu sehen ist. Diese Erscheinung nennt sich Erdschein, Erdlicht oder auch Da Vinci Glow.

Leonardo da Vinci war der erste, der dieses Phänomen richtig begründete, deshalb wird es teilweise auch als Da Vinci Glow bezeichnet. In seinem Codex Leicester, der 1510 veröffentlicht wurde, erklärte er, dass das Ereignis wegen des Widerscheins der Erde auftritt.

Da Vinci Glow: Leonardo da Vinci begründete den Erdschein

Das Erdlicht entsteht, bei zweifacher Reflexion des Sonnenlichts. Das Licht wird von der Tagseite der Erdkugel auf die unbeleuchtete Mondseite geworfen und anschließend von dieser wieder zu uns zurückgestrahlt. 

Der Schein dieser Oberfläche ist allerdings viel schwächer, als der Mondhälfte, die direkt beleuchtet wird. Daher ist die zweite Mondhälfte nur als aschfahle Kugel hinter der Sichel zu erkennen.

In manchen Monaten ist das Licht allerdings deutlicher zu sehen als in anderen. Besonders im April und Mai ist der Erdschein auf der Nordhalbkugel gut zu beobachten.

Paradox: Mehr Wolken sorgen für intensiveren Erdschein

Klimaforscher konnten feststellen, dass in den Frühjahrsmonaten der Erdschein besonders intensiv ist. Der Grund dafür klingt erst einmal paradox: denn Verstärker des Phänomens sind Wolken am Himmel.

Zu dieser Jahreszeit gibt es weltweit besonders viel Wolkenbildung. Diese sorgen dafür, dass aufgrund ihrer weißen Oberfläche mehr Sonnenlicht reflektiert und dadurch das Rückstrahlvermögen gesteigert wird.

Insgesamt wird so die Helligkeit der Erde erhöht und mehr indirekte Sonneneinstrahlung kann auf die dunkle Mondhälfte zurückgeworfen werden. Ein sehr eindrucksvolles Erdlicht ist also bei Sichelmond zu dieser Jahreszeit zu sehen.

Erdschein beobachten: Wann ist der perfekte Zeitpunkt?

Neben der Jahreszeit spielt auch die Tages- bzw. Nachtzeit eine wichtige Rolle bei der Beobachtung des Phänomens. Ein wolkenklarer Abend, kurz nach Neumond ist der ideale Zeitpunkt, um den Erdschein zu beobachten. In dieser Mondphase geht der Erdtrabant allerdings schon früh am Abend unter. Gut zu erkennen ist das Erdlicht jedoch auch früh am Morgen, wenn das Wetter mitspielt.

Den Da Vinci Glow kann man auch bei Neumond erkennen. Obwohl der Mond hier tagsüber den Himmel überquert und wegen des hellen Sonnenlichts für uns unsichtbar erscheint, gibt es einige Faktoren, bei denen man das Phänomen hier doch erkennen kann:

  • Es ist kurz vor Sonnenaufgang oder kurz nach Sonnenuntergang, da hier der Sichelmond für kurze Zeit am Himmel steht.
  • Der Mond ist ungefähr auf der Tagesseite der Erde und wird dadurch größtenteils indirekt von der Sonne beleuchtet.
  • Die Sonne blendet nicht, auch nicht indirekt durch eine grelle Reflexion des Mondes.

Auch wenn bei weitem noch nicht alle astronomische Phänomene erklärt werden können, gibt es dennoch immer mehr Ereignisse, die durch die Forschung aufgeklärt werden können.