Erste Ergebnisse des Mikrozensus zeigen die hohe Zahl von armutsgefährdeten Menschen in Deutschland. Bei manchen Gruppen sind die Raten überdurchschnittlich hoch.
Ungefähr 17,6 Millionen Bürger in Deutschland waren im vergangenen Jahr von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Dies entspreche 21,2 Prozent der Bevölkerung, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Im Vergleich zum Jahr 2024 blieb dieser Anteil somit nahezu unverändert (21,1 Prozent).
Überdurchschnittlich hohe Raten bei der Armutsgefährdung gab es dem Bundesamt zufolge bei Haushalten von Alleinlebenden (30,9 Prozent) und bei Alleinerziehenden (28,7 Prozent). Arbeitslose hätten die höchste Armutsgefährdungsquote mit 64,9 Prozent. Aber auch andere Nichterwerbstätige (33,8 Prozent) oder Menschen im Ruhestand (19,1 Prozent) seien überdurchschnittlich betroffen. Das hohe Risiko für Altersarmut in Deutschland bereitet dem Sozialverband Deutschland (SoVD) bereits Sorgen.
13,3 Mio Menschen in Deutschland mit Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze
In Bayern sind laut dem Landesamt für Statistik in Fürth 1,6 Millionen Menschen armutsgefährdet. Das seien 2025 etwa 12,4 Prozent der bayerischen Bevölkerung gewesen. Damit liege der Freistaat unter dem Bundeswert von 16,1 Prozent aller Einwohner, die bundesweit im Schnitt als armutsgefährdet gelten. Besonders betroffen seien alleinlebende und alleinerziehende Menschen.
Die Zahlen stammen aus ersten Ergebnissen des Mikrozensus, für den laut Angaben des Bundesamts 47.444 Haushalte und 81.255 Personen ab 16 Jahren zu Einkommen und Lebensbedingungen befragt wurden. Laut den Statistikern hatten in Deutschland zuletzt etwa 13,3 Millionen Menschen oder 16,1 Prozent der Bevölkerung ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Im Jahr zuvor waren es 15,5 Prozent.
Als armutsgefährdet gilt gemäß Definition der Europäischen Union eine Person, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verdient. Bei Alleinlebenden lag diese Schwelle bei netto 1.446 Euro monatlich (2024: 1.381 Euro). Für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag sie bei 3.036 Euro (2024: 2.900). Grundlage hierfür ist das Jahreseinkommen.
Diese Gruppen sind in Deutschland besonders von Armut bedroht
In Bayern leben laut dem Landesamt rund 2,5 Millionen Menschen alleine. Etwa 28 Prozent, also 712.000 Menschen, gelten davon als armutsgefährdet. Bei den Alleinerziehenden sind 24 Prozent oder 140.000 Menschen und deren Kinder deutlich stärker von Armut gefährdet als die Durchschnittsbevölkerung. Im Vorjahresvergleich nahm der Anteil der von Armut bedrohten Menschen sowohl in Bayern als auch im Bundesvergleich den Angaben nach zu: 2024 betrug die Armutsgefährdungsquote in Bayern noch 11,8 Prozent und in ganz Deutschland 15,5 Prozent.
Von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht sind nach einer Definition der EU Menschen, auf die mindestens eine von drei Bedingungen zutrifft. Dies ist der Fall, wenn das Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze liegt, ein Haushalt von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen ist oder die Person in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung lebt.