Kleine Gebühren, große Wirkung: Warum ETF-Kosten langfristig den Unterschied machen können

Viele Anleger achten vor allem auf Renditen – und unterschätzen die Wirkung von Gebühren. Dabei können schon kleine Kostenunterschiede über Jahrzehnte große Auswirkungen auf den Vermögensaufbau haben. Experten von Stiftung Warentest, Finanztip, Gerd Kommer Invest, der Verbraucherzentrale Bayern und der Bundesbank erklären, warum niedrige Kosten zu den größten Vorteilen vieler ETFs zählen.

Kleine Unterschiede bei den Gebühren wirken auf den ersten Blick oft harmlos. Genau darin sehen viele Experten jedoch einen der größten Vorteile vieler ETFs: ihre vergleichsweise niedrigen laufenden Kosten.

Karin Baur, Finanzexpertin bei Stiftung Warentest, macht deutlich: „Die Vorteile sind klar: ETFs sind günstiger als aktiv gemanagte Fonds. Vor allem in den laufenden Gebühren.“ Höhere Kosten würden langfristig an der Rendite zehren.

Warum ETFs oft günstiger sind

Der Grund für die vergleichsweise niedrigeren Kosten liegt in der Konstruktion. Viele Aktien-ETFs bilden lediglich einen bestehenden Börsenindex nach – etwa den MSCI World oder den FTSE All World. Anders als bei vielen klassischen Investmentfonds entscheidet dabei meist kein Fondsmanagement aktiv über einzelne Käufe oder Verkäufe. Dadurch entstehen geringere Verwaltungs- und Personalkosten.

Die laufenden Kosten eines weltweit gestreuten ETFs liegen heute häufig nur bei 0,1 bis 0,3 Prozent pro Jahr. Gemeint ist damit die sogenannte Gesamtkostenquote (TER – Total Expense Ratio), also die laufenden Verwaltungskosten eines Fonds. Bei aktiv gemanagten Fonds sind dagegen Gesamtkosten von rund 1,5 Prozent oder mehr möglich – teilweise kommen zusätzlich Ausgabeaufschläge hinzu.

Der entscheidende Punkt dabei: Diese Kosten wirken nicht nur einmalig. Sie reduzieren dauerhaft den Zinseszinseffekt. Dadurch können schon scheinbar kleine Unterschiede langfristig große Auswirkungen auf den Vermögensaufbau haben. Denn die Gebühren fallen Jahr für Jahr erneut an — und je länger Geld investiert bleibt, desto größer wird ihre Wirkung.

Dabei kommt der Anlagehorizont ins Spiel: Gerade bei Aktien-ETFs sollte der möglichst langfristig sein. „Für Aktien und auch Aktien-ETFs gilt aus unserer Sicht eine klare, empirisch gut belegte Daumenregel: Wer hier investiert, sollte einen Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren haben“, sagt etwa Daniel Kanzler, Head of Investment bei Gerd-Kommer-Invest.

Wie stark sich dabei die Gebühren auswirken können, zeigen einfache Modellrechnungen. Wer 10.000 Euro für ein Jahr investiert und eine Marktrendite von 5 Prozent erzielt, erwirtschaftet zunächst ein Plus von 500 Euro.

Bei einem günstigen ETF mit laufenden Kosten von 0,2 Prozent pro Jahr würden rechnerisch rund 20 Euro Kosten anfallen. Am Ende blieben etwa 10.480 Euro übrig. Ein aktiv gemanagter Fonds mit jährlichen Gesamtkosten von zwei Prozent würde dagegen rechnerisch rund 200 Euro Kosten verursachen. Übrig blieben nur etwa 10.300 Euro.

Jährliche Kosten beachten

Was nach einem einzelnen Jahr schon deutlich, aber noch überschaubar wirkt, kann sich über längere Zeiträume deutlich verstärken. Wer dieselben 10.000 Euro über zehn Jahre investiert und in dieser Zeit durchschnittlich fünf Prozent Rendite pro Jahr erzielt, käme vor Kosten auf ein Vermögen von rund 16.300 Euro. Bei einem ETF mit laufenden Kosten von 0,2 Prozent pro Jahr blieben davon rechnerisch noch rund 16.000 Euro übrig. Ein aktiv gemanagter Fonds mit jährlichen Gesamtkosten von zwei Prozent würde das Endvermögen dagegen auf rund 13.400 Euro drücken.

Der Unterschied nach zehn Jahren: rund 2500 Euro — obwohl beide Anlagen in dem rein theoretischen Beispiel vor Kosten exakt dieselbe Marktentwicklung erzielt haben.

Viele aktive Fonds bleiben langfristig hinter dem Markt zurück

Hohe Gebühren wären weniger problematisch, wenn aktive Fonds dauerhaft bessere Ergebnisse liefern würden. Genau daran scheitern jedoch viele Produkte langfristig. Verschiedene Langfriststudien zeigen ein ähnliches Bild: Viele aktiv gemanagte Fonds schaffen es langfristig nicht, ihren Vergleichsindex zu schlagen — trotz höherer Gebühren. Breit gestreute Welt-ETFs investieren dagegen in eben genau in diesen Markt.

Deutlich wird das etwa im regelmäßig veröffentlichten SPIVA-Report von S&P Dow Jones Indices. Dort schneiden über Zeiträume von zehn Jahren in vielen Kategorien deutlich mehr als 80 Prozent der aktiven Fonds schlechter ab als ihr jeweiliger Marktindex. Auch Stiftung Warentest weist in mehreren Veröffentlichungen darauf hin, dass hohe laufende Kosten ein wesentlicher Grund dafür seien, warum viele aktiv gemanagte Fonds ihren Vergleichsindex langfristig oft nicht schlagen.

Das bedeutet nicht, dass aktive Fonds grundsätzlich schlecht sein müssen. Einzelne Fonds können über bestimmte Zeiträume besser abschneiden als der Markt. Vielen gelingt das laut Experten und Studien jedoch langfristig nicht konstant genug, um ihre höheren Kosten dauerhaft auszugleichen.

Warum nicht jede Kosten-Nachkommastelle entscheidend ist

Dennoch sollte man sich bewusst machen: Niedrige Kosten gelten zwar als wichtiger Vorteil vieler ETFs, gleichzeitig warnen Experten aber davor, einzelne Nachkommastellen bei der Gesamtkostenquote überzubewerten.

Mathematiker und Kapitalmarktstratege Andreas Beck sieht niedrige laufende Kosten grundsätzlich als wichtigen Vorteil langfristiger Geldanlage. Entscheidend seien „niedrige laufende Kosten und keine Ausgabeaufschläge“. Gleichzeitig komme es aus seiner Sicht aber nicht auf jeden Hundertstel-Prozentpunkt bei den laufenden Kosten an. Ob ein breit gestreuter ETF beispielsweise 0,15 oder 0,3 Prozent laufende Kosten habe, spiele langfristig meist eine deutlich kleinere Rolle als die Frage, ob Anleger überhaupt dauerhaft investiert blieben.

Auch Modellrechnungen zeigen: Die Unterschiede zwischen günstigen und sehr günstigen ETFs fallen häufig deutlich kleiner aus als zwischen passiven ETFs und aktiv gemanagten Fonds. Wer beispielsweise 10.000 Euro über zehn Jahre investiert, würde bei jährlichen Kosten von 0,15 statt 0,3 Prozent zwar etwas weniger Rendite erzielen — der Unterschied läge in dieser Modellrechnung aber nur bei rund 230 Euro. Damit wäre der Mehrverlust nach zehn Jahren kaum größer als der Kostenunterschied zwischen passivem ETF und aktiv gemanagten Fonds bereits nach einem einzigen Jahr.

Wichtiger sei deshalb vor allem eine einfache und langfristig durchhaltbare Strategie — und nicht die Jagd nach der letzten Nachkommastelle bei den Gebühren.

Wo Anleger Kosten oft unterschätzen

Viele Anleger achten vor allem auf Renditechancen – deutlich weniger dagegen auf Gebühren. Dabei entstehen Kosten oft an mehreren Stellen:

  • laufende Fondsgebühren
  • Ausgabeaufschläge
  • Kauf- und Verkaufskosten
  • Depotgebühren
  • häufige Umschichtungen

Alexander Roos von der Verbraucherzentrale Bayern warnt deshalb davor, diese Nebenkosten zu unterschätzen. Gerade bei klassischen Filialbanken könnten zusätzliche Gebühren spürbar sein. So könne beispielsweise beim Kauf von 20.000 Euro Fondsvolumen eine einmalige Kaufgebühr von rund 200 Euro anfallen.

Für viele Experten führt genau deshalb langfristig oft kein Weg an einer einfachen Erkenntnis vorbei: Nicht nur die Rendite entscheidet über den Anlageerfolg – sondern auch, wie viel davon nach Kosten tatsächlich übrig bleibt.

Die Deutsche Bundesbank formuliert den ETF-Vorteil deshalb vergleichsweise nüchtern: ETFs ermöglichen vielen Anlegern einen „kostengünstigen Zugang zu breit gestreuten Kapitalmarktanlagen“. Für Privatanleger kann genau das langfristig einer der wichtigsten Unterschiede sein. Weitere Teile unserer ETF-Serie findest du hier.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Er ersetzt keine individuelle Beratung unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Vermögensverhältnisse, Anlageziele und Risikotoleranz.

Vorschaubild: © AdobeStock/ MP Studio/ KI generiert