Azubi-Gehälter im Vergleich: In welcher Branche verdient man am meisten?

Auszubildende verdienen in Deutschland sehr unterschiedlich. Je nach Branche und Bundesland kann die tarifliche Vereinbarung deutlich unter dem Durchschnitt liegen.
Azubis
Sebastian Kahnert/dpa

Azubis bekommen inzwischen mehr Geld: Die tariflichen Ausbildungsvergütungen sind zuletzt deutlich gestiegen. Doch je nach Beruf und Region gibt es große Unterschiede.

Für viele junge Menschen wird die Ausbildung finanziell attraktiver. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen sind im Ausbildungsjahr 2025/26 im Schnitt um 3,9 Prozent gestiegen. In den meisten untersuchten Branchen liegt das Einkommen im ersten Ausbildungsjahr inzwischen bei mehr als 1000 Euro – allerdings längst nicht überall.

Das zeigt eine Auswertung des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Untersucht wurden 20 ausgewählte Tarifbranchen. Wie viel Auszubildende verdienen, hängt dabei stark von Beruf, Region und Ausbildungsjahr ab.

In diesen Branchen verdienen Azubis am meisten

Besonders hoch fallen die Ausbildungsvergütungen im öffentlichen Dienst und in einigen großen Branchen aus. In Pflegeberufen im öffentlichen Dienst erhalten Auszubildende bei Bund und Gemeinden im ersten Jahr 1491 Euro monatlich. Bei den Ländern sind es 1441 Euro. Damit gehören Pflegeberufe zu den bestbezahlten Ausbildungsbereichen in der Untersuchung.

Auch im Versicherungsgewerbe ist die Vergütung mit 1455 Euro im ersten Ausbildungsjahr vergleichsweise hoch. Im privaten Bankgewerbe werden 1400 Euro gezahlt. Im öffentlichen Dienst sind es bei Bund und Gemeinden 1368 Euro, bei den Ländern 1297 Euro. Bei der Deutschen Bahn AG liegt die Vergütung bundeseinheitlich bei 1325 Euro im Monat.

Daneben kommen unter anderem die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg mit 1304 Euro, die Süßwarenindustrie in Ostdeutschland mit 1277 Euro und die Textilindustrie in Baden-Württemberg mit 1270 Euro auf mehr als 1200 Euro. In etwa der Hälfte der untersuchten Tarifbereiche bewegt sich die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr zwischen 1000 und 1200 Euro.

Friseure und Floristen liegen deutlich darunter

Von der Entwicklung profitieren jedoch nicht alle Auszubildenden gleichermaßen. In drei der untersuchten Tarifbereiche liegt die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr weiterhin unter der Marke von 1000 Euro. Am niedrigsten ist sie im Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen: Dort sieht der Tarifvertrag 785 Euro monatlich vor.

In der Landwirtschaft werden im Bezirk Nordrhein 890 Euro und in Mecklenburg-Vorpommern 930 Euro gezahlt. In der westdeutschen Floristik sind es 900 Euro. Im dritten Ausbildungsjahr liegen dagegen inzwischen alle untersuchten Tarifvergütungen über 1000 Euro. Die Spanne reicht dann von 1065 Euro im nordrhein-westfälischen Friseurhandwerk bis zu 1653 Euro für Pflege-Azubis bei Bund und Gemeinden.

Auch beim vierten Ausbildungsjahr gibt es erhebliche Unterschiede. In elf der untersuchten Branchen ist eine Vergütung für ein viertes Jahr vorgesehen. Am höchsten fällt sie im westdeutschen Bauhauptgewerbe aus: Gewerbliche Auszubildende erhalten dort 1714 Euro im Monat. Im Kfz-Gewerbe in Thüringen liegt der Wert mit 1224 Euro am niedrigsten.

Tarifvertrag macht einen großen Unterschied

Neben den Branchen spielen auch regionale Unterschiede eine Rolle. Nur in acht der untersuchten Tarifbereiche gelten bundesweit einheitliche Ausbildungsvergütungen. In neun weiteren Branchen unterscheiden sich die Beträge zwischen Ost und West. Besonders groß ist die Differenz in der Textilindustrie mit 140 Euro, gefolgt vom Kfz-Gewerbe mit 130 Euro und dem Gastgewerbe mit 105 Euro.

Für einen erheblichen Teil der Auszubildenden gelten solche Tarifregelungen allerdings gar nicht. Nach Angaben des WSI absolvieren rund 45 Prozent ihre Ausbildung in Betrieben ohne Tarifvertrag. Dort können die Vergütungen deutlich niedriger ausfallen. In solchen Fällen kann auch die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung greifen, die derzeit bei 724 Euro im Monat liegt.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert deshalb eine höhere Untergrenze. Die Mindestausbildungsvergütung sollte nach seiner Forderung mindestens 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen erreichen. Für das erste Ausbildungsjahr würde das derzeit 894 Euro im Monat bedeuten.

Ausbildungsvergütungen steigen weiter

Die höheren Vergütungen sind Teil eines längerfristigen Trends. Im Ausbildungsjahr 2025/26 legten die tariflichen Ausbildungsvergütungen im ersten Ausbildungsjahr durchschnittlich um 3,9 Prozent zu. Damit fiel der Anstieg zwar geringer aus als im vorherigen Ausbildungsjahr, dennoch entwickelten sich die Ausbildungsvergütungen erneut stärker als die regulären Tarifentgelte.

Besonders kräftige Erhöhungen gab es in einigen einzelnen Tarifbereichen. In der ostdeutschen Textilindustrie stiegen die Ausbildungsvergütungen um 7,6 Prozent, im Versicherungsgewerbe um 7,4 Prozent und im privaten Transport- und Verkehrsgewerbe in Nordrhein-Westfalen um 7,0 Prozent. Auch im öffentlichen Dienst, in der Pflege bei Bund und Gemeinden sowie in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie in Sachsen gab es überdurchschnittliche Zuwächse.

Langfristig zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Unterschied zwischen Ausbildungsvergütungen und Tariflöhnen. Von 2015 bis 2025 erhöhten sich die Tariflöhne um 35 Prozent, während die durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen um 47 Prozent zulegten. WSI-Tarifexperte Thorsten Schulten führt die stärkere Entwicklung vor allem auf Dienstleistungsbranchen zurück, die traditionell niedrigere Vergütungen bieten und angesichts des Fachkräftemangels mit höheren Ausbildungsgehältern um Nachwuchs werben.