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Ernährungs-Modell

Gesunde Ernährung: Mit dem "Menü der Zukunft" bis zu 13 Jahre länger leben

Führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben ein Modell entwickelt, mit dem sie belegen konnten, dass eine gesunde Ernährung bis zu 13 Jahre Lebenszeit ausmachen kann. Deutsche Forschende haben ein "Menü der Zukunft" entwickelt.
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann die Lebenszeit um bis zu 13 Jahre verlängern.
Eine gesunde und ausgewogene Ernährung kann die Lebenszeit um bis zu 13 Jahre verlängern. So sieht das "Menü der Zukunft" aus. Foto: CC0 / Pixabay / silviarita

Laut den Ergebnissen einer kürzlich veröffentlichten Studie von Forscherinnen und Forschern der Universität in Oslo ist es möglich, mit einer Ernährungsumstellung das Leben um rund 13 Jahre zu verlängern. Besonders effektiv sei die Ernährungsumstellung, wenn man bereits in jungen Jahren damit beginne.

Die Studie wurde von Lars Fadnes, Jan-Magnus Økland, Øystein Haaland und Kjell Arne Johansson verantwortet. In der Studie aus Oslo, die in der Zeitschrift PLOS Medicine veröffentlicht wurde, haben die Forschenden ein Modell konzipiert, an dem sich ablesen lässt, wie sich die Lebenserwartung eines Menschen entwickeln könnte. Dabei unterschieden die Expertinnen und Experten eine "typische westliche Ernährung" mit einem "Schwerpunkt auf rotem Fleisch" sowie "verarbeiteten Lebensmitteln", mit einer "optimierten Ernährung" bei welcher der Schwerpunkt auf dem Verzehr von weniger Fleisch und mehr Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und Nüssen liegt. 

"Menü der Zukunft" entwickelt: 13 Jahre länger leben durch Ernährungsumstellung

In Deutschland wurde ebenfalls eine Untersuchung zu diesem Thema durchgeführt. Die deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass jeder Mensch mit der richtigen Ernährung sein Leben um zehn Jahre verlängern kann. Diese Forschungsergebnisse sind zentraler Bestandteil am Bundeszentrum für Ernährung von den Forschenden Margareta Büning-Fesel, Eva Zovko und Harald Seitz, die gemeinsam nun ein "Menü der Zukunft" entwickelt haben. Dafür brauche es aber neben der eigenen Überzeugung auch die Lebensmittelproduzenten und Städte, die in die Pflicht genommen werden müssten. 

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In der Forschungsarbeit konnten die Forschenden aus Oslo belegen, dass eine Frau, die im Alter von 20 Jahren beginnt, sich optimal zu ernähren, ihre Lebenserwartung um mehr als zehn Jahre verlängern konnte. Ein Mann, der im selben Alter beginnt sich optimal zu ernähren, kann seine Lebenserwartung sogar um 13 Jahre verlängern. Doch auch im höheren Alter hat eine Ernährungsumstellung einen signifikanten Effekt auf die erwartete Lebenszeit. Eine 60-jährige Frau kann mit der Ernährungsumstellung ihre Lebensspanne immer noch um acht Jahre verlängern. 60-jährige Männer können sogar neun Jahre länger leben. Eine auf Pflanzen basierte Ernährung sei auch für Menschen im Alter von 80 Jahren noch ein Zugewinn. Laut der Studie konnte sowohl bei Männern, als auch bei Frauen die Lebenszeit durch die Ernährungsumstellung um 3,5 Jahre verlängert werden.

"Die Erkenntnis, dass eine Verbesserung der Ernährungsqualität das Risiko chronischer Krankheiten und eines vorzeitigen Todes verringert, ist schon lange bekannt. Es ist logisch, dass weniger chronische Krankheiten und seltenere unvorhersehbare Todesfälle zu einer höheren Lebenserwartung führen", erklärte David Katz, Spezialist für Präventivmedizin, Lebensstilmedizin und Ernährung der Universität Yale aus den USA. Katz war nicht an den Studien beteiligt und ist Präsident und Gründer der gemeinnützigen True Health Initiative, eine Expertinnen- und Experten-Vereinigung der evidenzbasierten Lebensstilmedizin.

Lebensmittel als Medizin: Forschungsergebnisse mit beeindruckenden Ergebnissen 

Er und sein Team forschen vor allem daran, wie Lebensmittel als Präventivmedizin eingesetzt werden könnten. "Was in der Studie als 'optimale' Ernährung definiert ist, ist nicht optimal. Es ist nur besser als das 'typische' Essen", erklärte Katz. Seiner Meinung nach könne die Ernährung weiter verbessert werden, um einen noch größeren Nutzen zu erreichen. Katz führte aus: "In der ‚stark verbesserten‘ Ernährung sind beträchtliche Mengen an Fleisch und Milchprodukten. Wenn mein Team die Qualität der Ernährung objektiv bewertet, liegen Fleisch und Milch auf einem recht niedrigen Niveau". Für die Studie aus Norwegen nutzen die Forschenden bestehende Daten der "Global Burden of Disease"-Studie. In dieser Datenbank sind 286 Todesursachen, 369 Krankheiten und Verletzungen sowie 87 Risikofaktoren in 204 Ländern und Gebieten auf der ganzen Welt hinterlegt.

Am besten auf die Lebenserwartung hat sich der Verzehr von Hülsenfrüchten ausgewirkt. Also Bohnen, Erbsen und Linsen. Dazu kommen Walnüsse, Mandeln, Pekannüsse und Pistazien. Ebenfalls wichtig sei der Verzehr von weniger rotem sowie verarbeitetem Fleisch. Dazu zählen unter anderem Speck, Wurst und Wurstkonserven. Für Katz ist das logisch. Rotes und verarbeitetes Fleisch wird starken Gesundheitsrisiken in Verbindung gebracht. "Es gibt erhebliche Beweise dafür, dass verarbeitetes Fleisch Darmkrebs verursachen kann - so sehr, dass die Weltgesundheitsorganisation es seit 2015 als krebserregend eingestuft hat", bestätigt der Epidemiologe Tim Key der Universität Oxford. In früheren Studien habe sich der Ersatz von rotem und verarbeitetem Fleisch durch mageres Geflügelfleisch, Fisch und pflanzliche Proteine bewährt. Pflanzliche Proteine sind beispielsweise Sojabohnen, Kichererbsen, Linsen sowie andere Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh, Nüsse, Samen und Vollkornprodukte wie Quinoa. Manche Gemüsesorten, etwa Brokkoli, haben ebenfalls einen hohen Proteingehalt.

Für die deutschen Forschenden sind diese Erkenntnisse aber nicht gleichbedeutend mit einem Genussverzicht. Ganz im Gegenteil. "Die Zukunft schmeckt", heißt es gleich zu Beginn des veröffentlichten Konzepts der Forschenden, mit dem die Lebenszeit drastisch verlängert werden könne. Und nicht nur für die Menschen soll das Menü sinnvoll sein. "Die Zukunft schmeckt auch unserer Gesellschaft, der Gesundheit und dem Klima." Mit dem neuen Ernährungskonzept sollen vor allem durch Nahrung verursachte Erkrankungen wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fast keine Rolle mehr spielen. In dem "Menü der Zukunft" des "Nutrition Hub" heißt es: "Wir leben länger, gesünder und zufriedener und die Industrie sowie Politik tragen dazu bei. Mit nachhaltigen und ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Angeboten. All das hat Einfluss auf unser Lebensglück."

"Zeit spielt eine zentrale Rolle", meinen die Forschenden

Ein erster Schritt, den jede Bürgerin und jeder Bürger beachten könne, sei das bewusste Essen. Laut den Forschenden spiele es eine zentrale Rolle, sich Zeit zu nehmen. Unabhängig davon, ob man alleine oder in Gesellschaft esse. Zudem solle man sich größtenteils pflanzlich ernähren. Denn auch pflanzliches Essen könne sehr lecker sein. Zudem spüre man nach dem Essen regelrecht, welchen positiven Einfluss eine solche Ernährung auf den Organismus habe. Ergänzt werden solle das Essen regelmäßig von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und wertvollem Getreide. Alternativen zu Fleischgerichten wie Tofu seinen ebenfalls sinnvoll, laut den Forschenden. Trotzdem müsse man nicht ganz auf Fleisch und tierische Produkte verzichten. "Tierische Produkte wie Fleisch, Fisch oder Milchprodukte sind kostbar. Wenn diese zu besonderen Anlässen auf unseren Tellern liegen, dann genießen wir sie ganz bewusst", schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrem "Menü der Zukunft".

Ein weiterer wichtiger Baustein sei die Vermittlung der Überzeugungen im Kindesalter an den Nachwuchs. Die Eltern könnten dabei von Kindertagesstätten (Kitas) und Kindergärten unterstützt werden. Die Forschenden schlagen etwa vor, gemeinsam zu kochen oder im Garten der Kindertagesstätten und Kindergärten Gemüse anzubauen. Die Eltern könnten zuhause mit dem Nachwuchs über Ernährung reden und früh an gesunde Lebensmittel gewöhnen. Dabei solle jedoch kein Schwarz-Weiß-Denken gefördert werden. "Kinder wissen, dass es keine gesunden und ungesunden Lebensmittel gibt. Sie kennen keine Verbote und lieben es, Neues zu entdecken", heißt es. Für die Zukunft illustrieren die Forschenden zudem digitale Anwendungen, die bei der Auswahl des Essens helfen können. Beispielsweise mit Hinweisen auf Nährstoffe oder Zutaten. 

Weil die Produktion der Lebensmittel nicht in den Händen der Verbraucherinnen und Verbraucher liegt, schlagen die Forschenden wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Transparenz, ökologische Nachhaltigkeit und neue Werbeformen vor. Unternehmen, die nur nach der Maxime des meistens Gewinns handeln, dürften nicht mehr akzeptiert werden. Die Produktion der Lebensmittel müsse nachvollziehbar, Nährwerte und ökologischer Fußabdruck jederzeit nachverfolgbar sein. Auch Verpackungen aus Plastik sollen keine Zukunft mehr haben. Verboten werden sollte laut den Expertinnen und Experten Werbung für Nahrungsmittel mit viel Zucker, viel Fett und hohem Salzgehalt, die sich gezielt an Kinder richtet.

Zukunftsvision für ein gesünderes Deutschland

Für eine gesunde Zukunft müsse sich auch das Angebot in den Städten drastisch verändern. Die Idee der Forschenden sei eine Stadt, die sich selbst mit Nahrung versorgt. Auf den Dächern und Wänden von Hochhäusern könne etwa angepflanztes Gemüse und Obst gedeihen. Anstatt Fast-Food-Ketten erhoffen sich die Forschenden "Fast-Healthy"-Alternativen. In Flughäfen, Bahnhöfen und in Raststätten solle es gesundes und schnelles Essen geben. Für Kinder solle Kita- und Schulessen kostenfrei und frisch sein. 

Im Fazit des "Menü der Zukunft" schreiben die Forschenden: "Je früher diese Ernährungsweise umgesetzt wird, desto länger leben wir. Und desto besser geht es unserem Planeten. Beides geht Hand in Hand." Wann die beschriebene Zukunft jedoch Realität werden könnte, das sei nicht klar. Die Politik arbeite "schon heute" an den rechtlichen Grundlagen. "Industrie und Produktion überarbeiten ihre Prozesse. Investoren unterstützen Start-ups, um neue Geschäftsmodelle aufzubauen. Und in unseren Köpfen wächst das Bewusstsein dafür, wie wichtig eine faire, nachhaltige und gesunde Ernährung für Deutschland und unsere Welt ist." Mit gutem Essen werde das Leben für alle Menschen besser. Der Mensch entscheide letztlich, wann die beschriebene Zukunft zur Realität werde. 

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