Mittlerweile treten die Frostnächte im Mai nur noch etwa jedes fünfte Jahr auf. 2026 sei damit "eher nicht" zu rechnen, meint Brandt. Ein Grund dafür ist wieder der Polarwirbel: Dieser ist dieses Jahr rund "eine Woche früher als im Schnitt zusammengebrochen", berichtet The Weather Channel. Statt eines Kälteeinbruchs zeigen aktuelle, mittelfristige Prognosen gar einen "anhaltenden Temperaturanstieg in Deutschland ab der zweiten Maiwoche".
Was ist die Ursache für den Kälteeinbruch zu den Eisheiligen?
Auch wenn die Eisheiligen ihrem Namen nicht jedes Jahr gerecht werden: Die Bauernregeln zu den Eisheiligen sind nicht kompletter Quatsch. Dahinter steckt ein reales Wetterphänomen.
Mitte April bricht meist der Polarwirbel zusammen. In Mitteleuropa herrschen dann in der Regel schon recht hohe Temperaturen. Das Festland erwärmt sich im Gegensatz zum Meer jedoch deutlich schneller. Diese Temperaturdifferenzen erzeugen Tiefdruckgebiete und verursachen eine Verschiebung der Luftmassen: Warme Luftströme auf dem Festland ziehen nach Norden und "saugen" die kalte Polarluft zu uns. Bei klarem Himmel kann dann auch Bodenfrost entstehen. Das Ableben des Polarwirbels wird in Europa aber erst nach vier bis sechs Wochen spürbar, also ungefähr ab Mitte Mai.
Wirklich genau sind die Bauernregeln zu den Eisheiligen allerdings nicht. Alleine durch die Kalenderreform ist die Bauernregel der Eisheiligen rund zehn Tage später anzuwenden. Zudem zeigen Messreihen, dass an den Tagen der Eisheiligen keine Häufung von Frost auftritt – weder an den ursprünglichen noch an den korrigierten Daten. Allerdings stellte man fest, dass Bodenfrost im Mai mindestens ein- bis zweimal vorkommt. Daher kommen auch die wohl bekanntesten aller Bauernregeln zu den Eisheiligen: "Pflanze nie vor der Kalten Sophie" und "Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist".
Gärtner aufgepasst: Das solltet ihr zu den Eisheiligen wissen
Für Gartenbesitzer sind die Eisheiligen ein wichtiger Zeitpunkt: Erst nach den Eisheiligen, so heißt es oft, geht die Saison für Garten- und Balkonbepflanzung wirklich los. Die Bauernregeln liefern in diesem Fall tatsächlich Hinweise für Landwirte und (Hobby‑)Gärtner – auch heute noch. In den Sprichwörtern steckt ein alter Erfahrungsschatz über meteorologische Wahrscheinlichkeiten und wiederkehrende Naturphänomene. Die Bauernregeln zu den Eisheiligen beziehen sich auf Spätfröste im Frühling – im schlimmsten Fall erfrieren dann empfindliche und junge Pflanzen im Freien. Wer Frostschäden an seinen Gewächsen verhindern will, behält die Eisheiligen daher besser im Blick. Praktische Hinweise, wann sich eine Abdeckung lohnt und worauf man dabei achten sollte, geben wir in unserem separaten Artikel zum Schutz von Pflanzen und Salat mit Vlies.
Aber es zeigt sich immer wieder auch: Alte Bauernregeln sind nur eine grobe Orientierungshilfe. Nicht jedes Jahr bringt noch Spätfrost bis Mitte Mai – in den vergangenen Jahren blieb das oft ganz aus. Zudem gibt es heute auf wissenschaftlichen Daten basierende Wettervorhersagen, auf die sich Gartenbesitzer besser verlassen können. Trotzdem: Ein paar Bauernregeln zu kennen und zu beherzigen, schadet nicht. So hilft es sicher, grobe Zeiträume, in denen sich die Witterung häufig stark verändert, wie Anfang bis Mitte Mai, zu verinnerlichen und die Gartengestaltung erst danach zu planen.
Spätestens nach den Eisheiligen können dann die kleinen, auf der Fensterbank vorgezogenen Gemüse- und Blühpflanzen ins Beet und in den Balkonkasten kommen. Außerdem können etwa Gurken und anderes Gemüse direkt ins Beet gesät werden. Alle gekauften, nicht winterharten Kräuter sowie Dahlienknollen und weitere Blühpflanzen können jetzt ausgepflanzt werden. Und Kübelpflanzen kommen nun endgültig aus dem Winterlager ins Freie.
Wer sind die Eisheiligen überhaupt?
Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie – das sind die "Eisheiligen", die trotz der "kalten Sophie" auch die "gestrengen Herren" genannt werden. Die Eisheiligen waren Bischöfe und Märtyrer aus dem vierten oder fünften Jahrhundert; ihre Gedenktage im Mai werden traditionsgemäß mit einem Wetterumschwung von warm nach kalt gebracht. Grund für die Popularität der Heiligen sind die traditionellen Bauernregeln. Diese beschreiben ein Wetterphänomen, das im Mittelalter häufig an denselben Tagen Anfang Mai beobachtet werden konnte: Kälteeinbrüche unterbrechen das meist schon warme Frühlingswetter und sorgen teilweise für Bodenfrost. Daher der Zusatz "Eis-" an den Tagen der Heiligen.
Wer war Mamertus?
Mamertus war ein katholischer Bischof. Er wurde um 400 in Lyon geboren und starb 477 in Gallien. Er war der Erzbischof von Vienne und führte die drei Bittgänge ein, die vor dem Fest Christi Himmelfahrt zelebriert werden. Mamertus ist Schutzpatron der Hirten und der Feuerwehr, wird aber auch bei Dürre, Fieber und Brusterkrankungen angerufen.
Wer war Pankratius?
Pankratius wurde um 290 in der heutigen Türkei geboren und um 304 wegen seines christlichen Glaubens enthauptet. Er gilt als römischer Märtyrer. Sein Name bedeutet "Der alles Besiegende".
Wer war Servatius?
Servatius war Bischof in Tongern, das im heutigen Belgien liegt, und lebte von 340 bis 384 nach Christus. Der Legende nach soll Servatius mit einem Holzschuh erschlagen worden sein. Er soll den Hunneneinfall im Jahr 450 vorhergesagt haben. Inzwischen geht man davon aus, dass Servatius eine konstruierte Figur ist, deren Geschichten aus dem Leben zweier historischer Figuren verschmolz.
Wer war Bonifatius?
Bonifatius wurde Überlieferungen zufolge in Rom geboren und starb um 306 in der heutigen Türkei. Er war ursprünglich kein Christ, sollte aber Reliquien aus der Türkei nach Rom bringen. Als er dort sah, wie Christen verfolgt wurden, ließ er sich aus Empathie taufen. Er stand zu seinem Glauben und wurde dafür durch das Bad in siedendem Pech hingerichtet.
Wer war Sophie?
Die als "kalte Sophie" bekannte Sophia von Rom war ebenfalls eine christliche Märtyrin, die um 304 starb. Sie ist die letzte der Eisheiligen und wird gegen Spätfröste und für das Gedeihen der Saat angerufen.
Im Norden Deutschlands gilt Mamertus als erster Eisheiliger, in Süddeutschland und Österreich beginnen die Tage der Eisheiligen erst am 12. Mai mit Pankratius. Dieser Unterschied hat vermutlich einen meteorologischen Ursprung: Da die kalte Luft aus den nördlichen Polargebieten kommt, erreichen diese Luftmassen den Süden Deutschlands oftmals erst einen Tag später.
Welche Bauernregeln gibt es zu den Eisheiligen?
Die Bauernregeln, die sich auf die Eisheiligen beziehen, sind zahlreich. Hier eine Auswahl der bekanntesten:
- Pankraz, Servaz, Bonifaz, machen erst dem Sommer Platz.
- Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
- Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.
- Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi, und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie.
- Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.
- Pflanze nie vor der kalten Sophie.
- Mamerz hat ein kaltes Herz.
- Die kalte Sophie macht alles hie (nur im bayerischen Raum).
- Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss.
Schafskälte: Wenn der Juni noch einmal fröstelt
Wer nach den Eisheiligen aufatmet, sollte den Kalender nicht gleich zuklappen: Auch im Juni kann es noch einmal überraschend frisch werden. Diese Phase wird vielerorts "Schafskälte" genannt, weil sie traditionell in die Zeit der Schafschur fällt und dann gern ein Schauer mit kühler Luft nachrückt.
Typisch ist ein kurzer Dämpfer in einer ansonsten sommerlichen Wetterlage: Tiefdruckeinfluss, Wind aus westlichen bis nordwestlichen Richtungen und ein Temperaturknick, der sich vor allem in den Nächten bemerkbar macht. Für Garten und Balkon heißt das nicht automatisch Alarm, aber Aufmerksamkeit schadet nicht.
- Jungpflanzen in Töpfen sind empfindlicher als Beete, weil die Erde schneller auskühlt.
- Bei kühlen, nassen Tagen steigt das Risiko für Pilzkrankheiten an dicht stehenden Pflanzen.
- Ein kurzer Wärmeschutz in der Nacht kann empfindliche Blüten vor Stress bewahren.
Bodenfrost ist nicht gleich Luftfrost: So tückisch sind klare Nächte
Manchmal meldet die Vorhersage für zwei Meter Höhe harmlose Werte, und trotzdem glitzert am Morgen der Reif: Das ist das Gemeine am Bodenfrost. In klaren, windstillen Nächten kühlt der Boden stark aus, während die Luft darüber vergleichsweise mild bleibt.
Gerade im Frühling erwischt es dann gern Senken, Mulden und geschützte Ecken, in denen sich kalte Luft sammelt. Wer seine Pflanzen kennt, kann mit einfachen Mitteln vorbeugen, ohne gleich den ganzen Garten in Watte zu packen.
- Vlies oder Haube am Abend auflegen, am Morgen wieder abnehmen, sobald es milder wird.
- Kübelpflanzen dicht an Hauswände rücken oder kurzfristig unter ein Dach stellen.
- Empfindliche Jungpflanzen schrittweise an Außenklima gewöhnen, statt sie abrupt hinauszustellen.
Frostwarndienst nutzen: Worauf Gartenbesitzer bei Prognosen achten
Zwischen Bauernregel und Bauchgefühl liegt heute ein ganzer Werkzeugkasten an Wetterinfos. Wer nicht nur wissen will, ob es "kalt" wird, sondern ob es wirklich kritisch wird, schaut auf das Frostrisiko in Bodennähe und auf die Nachtstunden: Genau dort entscheidet sich, ob Blätter Schaden nehmen oder unbeeindruckt bleiben.
Hilfreich sind dabei spezielle Darstellungen, die zwischen Temperaturen am Boden und in zwei Meter Höhe unterscheiden, sowie Warnhinweise, die für einzelne Regionen genauer ausfallen als der Blick auf die große Deutschlandkarte. So lässt sich rechtzeitig entscheiden, ob die Tomate eine Decke braucht oder ob man ruhig schlafen kann.
- Auf "Tiefstwerte am Boden" achten, nicht nur auf die allgemeine Nachttemperatur.
- Windstille und klarer Himmel erhöhen das Risiko für Bodenfrost.
- Warnkarten und Frostindizes können kurzfristige Kältesenken sichtbar machen.
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