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Mangelernährung bei Senioren: Alarmierende Anzeichen im Alter

Immer mehr Seniorinnen und Senioren sind von Mangelernährung betroffen. Welche Anzeichen auf eine Mangelernährung schließen lassen und was man dagegen tun kann.
Malnutrition ist der medizinische Fachbegriff für Mangelernährung.
Malnutrition ist der medizinische Fachbegriff für Mangelernährung. Foto: congerdesign/Pixabay
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  • Was bedeutet Mangelernährung?
  • Wie entsteht Mangelernährung bei Senioren?
  • Körperliche Anzeichen für Mangelernährung
  • Gesunde Ernährung für Senioren

Per Definition handelt es sich bei Mangelernährung im Alter, in der Regel ab 65 Jahren, um eine einseitige oder nicht ausreichende Ernährung, bei der ein Mangel an bestimmten lebenswichtigen Stoffen besteht. Der Energiebedarf eines Menschen setzt sich aus dem Grundumsatz und dem Leistungsumsatz zusammen. Im Alter sinkt der Leistungsumsatz meist erheblich, sodass der Körper weniger Kalorien braucht. Viele Gastronomen berücksichtigen das, indem sie "Seniorenportionen" anbieten. Da die Aktivitäten von Senioren aber individuell deutlich voneinander abweichen, lässt sich ein grundsätzlicher Energiebedarf für Senioren nur schwer, bis gar nicht, berechnen. Immer wieder gibt es Meldungen, dass Bewohner von Alten- oder Pflegeeinrichtungen massiv von Mangelernährung betroffen sind. Auch bei alleinstehenden Senioren ist Mangelernährung nicht selten. Schuld daran können körperliche Einschränkungen und fehlende Mobilität sein. Auch kann es sein, dass die dem Körper zugeführten Nährstoffe nicht mehr ausreichend verwertet werden können. Weiter kann es im hohen Alter auch dazu kommen, dass ein unkontrollierter Abbau von Körpersubstanzen erfolgt. Mangelernährung hat weitreichende Folgen für die Person, welche gut eingedämmt werden können, wenn die Situation rechtzeitig erkannt wird. 

Alarmierende Anzeichen: Mangelernährung bei Senioren erkennen

Baut ein Senior körperlich deutlich ab, kann das die Folge typischer Alterserscheinungen sein, es kann aber auch sein, dass Mangelernährung die Ursache ist. Die Veränderungen sollten genau beobachtet werden. Ein beträchtlicher Gewichtsverlust, bei dem der Körper auf die Reserven zurückgreift, kann beispielsweise ein Anzeichen einer mangelhaften Ernährung sein. Des Weiteren weisen ein geschwächtes Immunsystem, motorische Einschränkungen und funktionelle Beeinträchtigungen der Organe unter anderem auch auf Mangelernährung hin. Ein verändertes Kau-, Geschmacks- und Geruchsempfinden kann schuld an einem Ernährungsmangel sein.

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Warum die Zahl der von Mangelernährung betroffenen Personen steigt, erforscht Prof. Dr. Dorothee Volkert mit ihrem Team vom Institut für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Fakt ist, dass in Folge der auftretenden, altersbedingten Gebrechen, Mangelernährung deutlich häufiger auftritt als bei jüngeren Personen. Das liegt beispielsweise daran, dass Senioren mit motorischen Defiziten nicht mehr besonders gerne einkaufen gehen, oder dass sie es alleine gar nicht mehr können und auf Hilfe angewiesen sind. Anstelle von frischen Produkten wird dann vermehrt auf Fertigprodukte zurückgegriffen, um möglichst viele Vorräte zu Hause haben zu können. Alleine lebende Senioren sparen oft beim Einkaufen von Lebensmittel, weil sie auf jeden Cent angewiesen sind. So wird dann eher auf den Preis, als auf die Qualität der Produkte geachtet.

Gerade alleine lebende Senioren verzichten gerne mal auf eine Mahlzeit, weil ihnen das lange Stehen und Kochen schwerfällt. Zudem kommt bei vielen älteren Herrschaften der Gedanke der Sinnhaftigkeit hinzu, für sich alleine zu kochen. In anderen Fällen liegt das Weglassen von Mahlzeiten am fehlenden Appetit. Depressionen und andere, altersbedingte Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen oder Krebs, sorgen dafür, dass Menschen der Appetit vergeht und sie lieber auf das Essen verzichten. In den gerade genannten Fällen entsteht die Mangelernährung durch eine zu geringe Kalorienzufuhr. Dies bezeichnet man mit dem Begriff der quantitativen Mangelernährung. Tatsache ist, dass es neben einer mangelnden Kalorienzufuhr auch noch viele andere Gründe für eine Mangelernährung von Senioren gibt. 

Krankheiten als Folge von mangelnder Ernährung bei Senioren

Klassische, körperliche Folgen einer Mangelernährung bei Senioren sind das sogenannte Wundliegen und eine sehr schlechte Wundheilung. Auch ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und Stürze bringt die mangelhafte Ernährung bei Senioren mit sich. Des Weiteren steigt das Krebsrisiko und das Risiko, anderweitig krank zu werden. Zudem ist die Wahrnehmung und die Erinnerung durch Mangelernährung bei manchen Senioren stark beeinträchtigt. Deutlich schlechter erkennbar als die quantitative Mangelernährung, die durch eine zu geringe Kalorienzufuhr verursacht wird, ist die qualitative Mangelernährung.

Bei qualitativer Mangelernährung bauen Senioren schleichend ab, sodass es zunächst gar nicht besonders auffällt. Dem Körper fehlen durch die schlechte, einseitige Ernährung jedoch Nährstoffe, wie beispielsweise Proteine, Vitamine oder Spurenelemente, die wichtig sind, um geistig und körperlich gesund zu bleiben. Oft werden den Senioren zu viele Convenienceprodukte und zu viele Weißmehlprodukte angeboten, weil es schnell geht und preisgünstig ist. Meistens ist qualitative Mangelernährung Sparmaßnahmen in diversen Einrichtungen in der Alten- und Krankenpflege geschuldet. Hier wird dann zum Beispiel an der Qualität der Lebensmittel gespart und an Personal, das täglich frisch für die älteren Herrschaften kocht. Senioren reagieren in der Regel mit Gewichtsverlust, Schwäche, Infektionsanfälligkeit und bauen geistig stark ab.

Ein gut ausgebildetes und auch im Erkennen von Mangelernährung geschultes Pflegepersonal kann der Mangelernährung von Senioren vorbeugen. Wenn trotz Präventionsmaßnahmen aber Mangelernährung bei einer Person festgestellt wird, sollte auf Empfehlung eines Arztes mit einer Mangelernährungs-Therapie begonnen werden. Natürlich sollte ein Arzt auch dann konsultiert werden, wenn eine medizinische Ursache für die Mangelernährung vorliegt. In jedem Fall ist es wichtig, der betroffenen Person die Dringlichkeit einer ausgewogenen und für sie gesunden Ernährung zu vermitteln und sie selbst, soweit möglich, aktiv in den Therapieprozess miteinzubeziehen. Es gibt kostenlose Pflegeberatungen über die Krankenkassen oder über örtliche Pflegestützpunkte.

Gesunde Ernährung für Senioren

Um Senioren zum Essen zu bringen, hilft es, vor der Mahlzeit den Appetit anzuregen. Dabei helfen Bewegung und viel frische Luft. Die Senioren nach ihren Vorlieben und Wunschgerichten zu fragen und dann auch danach zu kochen, kann den Appetit und die Vorfreude auf das Essen fördern. Beim Kochen miteinbezogen zu werden, finden viele ältere Menschen toll, zudem fühlen sie sich gebraucht. Zwischen den Essenszeiten können gesunde, kleine Snacks angeboten werden, die den Appetit und die Lust am Essen fördern. Ist die pflegende Person zu sehr eingespannt, um täglich frisch und gesund zu kochen, lohnt es sich, Lieferdienste wie etwa "Essen auf Rädern" in Anspruch zu nehmen.

Hat eine ältere Person Probleme beim Schlucken, sollten die Gerichte so ausgewählt werden, dass das Schlucken keine Schmerzen und Probleme mehr verursacht. Auch Ruhe und viel Zeit sollte den betroffenen Senioren gegeben werden. Im Idealfall kocht man für Senioren immer frisch. Vollkornprodukte, viel Gemüse, Obst, täglich frische Milchprodukte sowie gelegentlich Fisch runden einen gesunden, abwechslungsreichen Speiseplan ab. Es sollten jedoch nicht mehr als 600 Gramm Fleisch in der Woche verzehrt werden. Die Gerichte dürfen nicht mehrfach aufgewärmt werden, weil sonst wichtige Nährstoffe für die Senioren verloren gehen, was wieder die Gefahr von Mangelernährung verstärken würde. Auf zu viel Salz, Zucker und Weizen sollte beim Kochen ebenfalls verzichtet werden. Es empfiehlt sich, stattdessen mit Kräutern zu würzen.

Optimalerweise sollten Senioren fünf Mahlzeiten pro Tag in nicht allzu großen Portionen angeboten werden. Unverträglichkeiten müssen dabei unbedingt berücksichtigt werden. Viel trinken gehört zu einer gesunden Ernährung dazu. Mineralwasser oder Tee eignen sich neben Saftschorlen besonders gut. Es wird empfohlen, mindestens 1,5 bis 2 Liter täglich zu trinken. Das ist nicht nur gesund für den Körper, sondern auch für den Geist. Besonders demenzkranke Senioren brauchen außerdem viel Ansprache, Hilfe und Aufmerksamkeit während des Essens. Hier kann durch Zuspruch, der nicht überfordern sollte, Orientierung gegeben werden. Senioren, die an Altersdiabetes erkrankt sind, sollten im Rahmen einer ärztlichen Betreuung einen Ernährungsplan erhalten, der speziell auf den Diabetes-Patienten zugeschnitten ist und all seine ernährungsbedingten Bedürfnisse abdeckt. Gesund, abwechslungsreich und ausgewogen zu essen, ist die beste Prävention bei Mangelernährung im Alter. 

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