Dieses kleine Präsentations-Video mit der Laufband-Sequenz hatte mich gepackt. Links im Bild, das hätte ich sein können - ein minder begabter Hobby-Jogger. Rechts im Bild, das würde ich gerne sein: dynamischer, kräftiger, fast schon eleganter Stil. Beeindruckend. Es war tatsächlich derselbe Mensch, aber eine völlig andere Form der Fortbewegung. Also entschloss ich mich, das Laufen noch einmal neu zu lernen. Einen Weg zu betreten, der zur richtigen, gesunden Haltung führt. Der erste Schritt: eine Lauf-Analyse bei Wolfgang Müller in Bad Neustadt. Und der grinste erst einmal über meine voreilige Schwärmerei, mit neuer Technik auf Bestzeiten-Jagd zu gehen beim Saaletal-Marathon des SV Ramsthal. Zeit bis zum 24. März war schließlich noch genug, und auf der dortigen Halbmarathon-Strecke habe ich einige Rechnungen offen.

"Zehn Kilometer maximal würde ich bis dahin schaffen", prophezeite mir der 33-Jährige, selbst ambitionierter Läufer und damit höchst glaubwürdig. Recht sollte er behalten. Vier Kilometer ohne Gehpause waren es neulich im Kissinger Kurpark - und ich war überglücklich, weil ich meinen "Rekord" quasi pulverisiert hatte. "Hast Du mal Fußball gespielt?", hatte mich Wolfgang Müller bei unserer ersten Begegnung im Fitness-Studio gefragt. Aber damit keineswegs meine Beinmuskulatur loben wollen. Im Gegenteil. Der erste, mit Videokamera aufgenommene Test auf dem Sprintex Z6000 offenbarte allerhand Systemfehler, die meinen überschaubaren Vorwärtsdrang erklärten: die V-Form der Füße, das ineffiziente Abrollen bei der Landung über die Fersen, der ungenügende Einsatz der Arme und die mangelhafte Körper-Spannung.

Mit so vielen Baustellen hatte ich dann doch nicht gerechnet. Aber die Bilder waren echt: Ich war der, der die Füße beim Laufen kaum über den Boden brachte. Die folgenden sechs Trainingseinheiten waren intensiv. Mit einem jeweils 30-minütigen Aufbauprogramm zu Beginn, das mich mit diversen Gerätschaften vertraut machte. Allesamt mit dem Ziel, die Rumpfmuskulatur zu stärken. Schnell lernte ich, dass eine gewisse Stabilität in der Körpermitte die Grundvoraussetzung für einen vernünftigen Laufstil ist. Entsprechend gestreckt und angeschwitzt begann die Lauf-Schule, an deren Ende es immer Hausaufgaben gab. Klar, ohne regelmäßiges Üben würde das nicht funktionieren, schließlich musste meine "mobile Festplatte" komplett umgeschrieben werden.
Die Laufband-Einheiten, in Form diverser Intervalle, waren nur ein Teil des spannenden Unterrichts im Studio.

Koordinative Übungen, Stretching-Einheiten, Gleichgewichts-Training, aber auch Mobilisierungs-Techniken mit der Blackroll gehörten zum Programm. Jetzt gibt es auch von mir so ein schickes Vorher-Nachher-Video, auf dem ich wie ein weißer Afrikaner laufe. Auf dem die Füße den Boden deutlich verlassen und zackig Richtung Po-Backen schwingen.
Nur das mit dem Durchhalten, das dauert halt. Weil der neue Stil einen physisch an die Grenzen bringt. Laufen heißt für mich abschalten, den Kopf freibekommen. Jetzt muss ich mich brutal konzentrieren. Wie ich vorher gelaufen bin, das habe ich tatsächlich vergessen. Das sei ein sehr gutes Zeichen, meinte Wolfgang Müller. Den Start in Ramsthal habe ich trotzdem aufs nächste Jahr verschoben.

Hinter der Idee und dem Konzept von nextlevel.running steckt Christian Hasler. Der 33-Jährige Diplom-Sportwissenschaftler, ehemaliger Sprinter und Fußballer, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Herr Hasler, wie kamen Sie auf die Idee zu nextlevel.running?
In der Physiotherapie aber auch in der Rehabilitation haben wir in unserem Trainings- und Therapiezentrum in Schweinfurt permanent mit Sportlern zu tun, und hier sehr oft mit Läufern. Das primäre Ziel ist es, sie nach Verletzungen oder Operationen wieder fit und beschwerdefrei zu bekommen. Dabei stellten wir immer wieder fest, dass viele Probleme durch einen suboptimalen Laufstil hervorgerufen werden sowie durch individuelle Einschränkungen in der Biomechanik. Einem Großteil der Kunden ist ihre unphysiologische Lauftechnik jedoch nicht bewusst. Hinzu kommen neurologisch veränderte Bewegungsmuster, zum Beispiel durch Verletzungen, Schmerzen oder schlechte Angewohnheiten. Im Laufe der Jahre konnten wir sehr viel Praxiserfahrung sammeln, welche jetzt in ein eigenes Konzept mündet: nextlevel.running.

Welche Zielgruppen sind angesprochen?
Laufsportler sind für Fitness-Studios oder Gesundheitseinrichtungen relativ schwer zu erreichen. Die meisten betreiben ihren Sport nach dem Motto "erst einmal loslaufen" und trainieren anbieterunabhängig. Da mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig walken oder joggen, kann man sich vorstellen, dass die Nachfrage nach professionellen Angeboten für Läufer riesig ist. Unsere Trainingsprogramme sind ausgelegt auf Sprinter, Läufer, Triathleten, Fußballer, Handballer, Ballsportler, Kinder, Schlaganfallpatienten... Denn den typischen Laufkunden gibt es nicht, ebenso wenig spezifische Alterseinschränkungen. Wir trainieren mit Kindern ab sechs Jahren genauso wie mit 80-jährigen Patienten.

Was ist die Philosophie?
Laufen ist die natürlichste Bewegung der Welt. Die vermeintliche Natürlichkeit des Laufens geht jedoch mit zunehmendem Alter verloren, oft durch eine sitzende Grundhaltung und mangelnde Bewegung. Bei nl.running werden bestehende Bewegungsmuster analysiert und individuelle Trainingsprogramme für die optimale Koordination der Laufbewegung erstellt. Außerdem wird der persönliche Laufstil geformt und stabilisiert. Das Ergebnis: ein höheres Level an Fitness, Gesundheit, Schnelligkeit, Wendigkeit, Koordination sowie eine gezielte Verletzungsprävention. Motto und Zielsetzung dahinter: Besser bewegen, schneller laufen.

Und es kommen offensichtlich auch prominente Sportler...
Wir betreuen Fußballspieler wie Karim Bellarabi und Kevin Großkreutz, Top-Triathleten wie Natascha Schmitt und Andi Dreitz, Marathon- und Crossläufer wie Manuel Stöckert, den Profi Motocross-Fahrer Max Nagel und viele mehr. Profisportler haben eine hohe eigene Motivation, stehen gleichzeitig unter enormem Leistungsdruck. Diesen gilt es, in positive Energie umzuwandeln.

In der Szene stieß das Konzept von nextlevel.running natürlich auf Interesse. Wie hörten uns diesbezüglich bei einigen Läufern um.

Daniela Volkmuth: Ihre Erwartungshaltung beschreibt die 28-Jährige wie folgt: Ökonomischeres Laufen, Laufstil verändern, Verletzungsprophylaxe. Rückblickend berichtet die Läuferin des TSV Münnerstadt vom Training bei Wolfgang Müller: "Es war schweißtreibend, hat aber viel Spaß gemacht. Die ersten Trainingsläufe sind ungewohnt und kurz, aber mit Übung und Geduld kann man die neue Technik auch bei den längeren Läufen super gut anwenden. Besonders gefallen hat mir, dass ganz individuell auf mich eingegangen wurde, sagt die Niederläurerin, die von sichtbaren Erfolgen berichtet, "was auch auf den Videos zu erkennen war".

Tanja Dietrich: "Nachdem ich gesehen habe, wie unrund ich eigentlich laufe, war für mich klar, dass ich den Laufstil ändern möchte. Vor allem in der Hoffnung, dadurch länger meinem Hobby nachgehen zu können und vielleicht auch die Schmerzen im linken Fuß wegzubekommen, die ich manchmal bei längeren Läufen hatte", berichtet die 46-Jährige vom TSV Hollstadt, die seit 2003 läuft. Und mit der neuen Technik ganz neue Erfahrungen machte. "Die Umstellung war hart. Ich musste meine Umfänge drastisch kürzen, weil die Anstrengung so groß war. Mittlerweile macht das Laufen wahnsinnig viel Spaß und fühlt sich viel dynamischer an, wobei es immer noch so ist, dass der Puls selbst bei langsamen Läufen wesentlich höher ist als vorher. Geschwindigkeit und Gesamtkilometer pro Woche sind noch lange nicht so wie vorher, aber ich kann schon mal an die 20 Kilometer am Stück laufen."

Nico Mühling: Der 35-Jährige befindet sich - mit der neuen Technik - mitten in der Vorbereitung auf den Ironman in Hamburg. "Der Anfang war schwer, nicht nur wegen den schmerzenden Beine, sondern auch vom Kopf her. Zehn Kilometer am Stück waren zuvor nie ein Problem, und dann muss man drei Gehpausen machen", berichtet der Triathlet vom TSV Mellrichstadt von seinen Erfahrungen mit der Laufstil-Umstellung. "Im Oktober habe ich die Analyse mit sechs Einheiten gemacht und konnte im Januar 15 Kilometer am Stück laufen. Jetzt kann ich mir gar nicht mehr vorstellen anders zu laufen. Läufe über 20 Kilometer sind kein Problem."

Katharina Zink: Ihre Laufanalyse hatte Katharina Zink tatsächlich gewonnen. Eine glückliche Fügung findet die 30-Jährige, die im vergangenen Jahr ihren ersten Halbmarathon bestritt, "denn ich hatte zuletzt Knieprobleme beim Joggen, nach etwa vier Kilometern ging gar nichts mehr." Auch der Münnerstädterin fällt die Umstellung nicht leicht. "Mein erster Lauf mit neuem Stil war nach 500 Metern zu Ende, danach war ich platt. Nun habe ich fünf Einheiten hinter mir, und ich schaffe es schon ganze drei Kilometer", sagt Katharina Zink. Und: Das Knie hält. "Ich habe eigentlich mehr Beschwerden beim Spazierengehen als beim Laufen. Also muss ich mehr laufen. js