Stephen Lawrence Winwood begann sein "Vintage"-Programm in Nürnberg mit einem tiefen Griff in seine eigene Musikgeschichte und erfreute sich zusammen mit dem Publikum am schönen Wetter. Das bestuhlte Open Air im Grünen erfreute die Herzen eines ebenfalls reifen Publikums. Doch der 65-jährige Vollblutmusiker wirkte trotz ergrauten Backenbarts frisch und in der Stimme fast jugendlich und dies auch in den höchsten Tönen, die er nahezu mühelos erklomm, was in der Vergangenheit nicht immer so war.

Was braucht die Band einen Bassisten, wenn der Bandleader einen musikalischen linken Fuß hat? Stevie Winwood spielte auf seiner original Hammond B 3 Orgel den Bass mit den Füßen gleich mit: "I´m A Man!" Schon bei diesem Song aus den 60er Jahren, als er noch mit Bruder Muff Winwood am Bass und Pete York am Schlagzeug bei der Spencer Davis Group auftrat, sprangen die ersten Fans aus den Sitzen um zu tanzen.
Bereits 1963, im Alter von sechzehn Jahren, galt der kleine Stevie in England als musikalisches Wunderkind. Die heutige Begleitgruppe des kreativen Musikers, bestehend aus Jose Neto (Gitarre), Paul Booth (Flöte, Saxophon, Keyboards), Richard Bailey (Drums) und Cafe DaSilva Percussion, sorgte den ganzen Abend über für einen gewaltigen Groove in einem perfekt abgestimmten Sound bei angenehmer Lautstärke.

Aus der Zeit der swinging Sixties durfte natürlich auch das stampfende "Keep On Running" und das flehende "Gimme Some Lovin´" nicht fehlen. Wichtig in Zeiten, in denen allzu leicht zu vergessen droht, was als musikalische Meilensteine und unverzichtbare Basis für alles, was danach kam, in die Rockgeschichte einging - "At Times We Do Forget". Aktuelle Songs gab es wenige. Winwood blickte eher dankbar auch auf die Zeiten zurück, als er sich Ende der Sixties aus der Beat-Ära verabschiedete und mit Traffic seine eigene Band gründete. Bei "The Low Spark Of High Heeled Boys", "Empty Pages" und "Light Up Or Leave Me Alone" erinnerten sich viele Fans an den Beginn einer anspruchsvolleren Entwicklung der Rockmusik, jenseits des kommerzialisierten Mainstreams.
"Leider strömen aber da wesentlich mehr Besucher zu den Konzerten im Gegensatz zu den qualitativ anspruchsvollen Angeboten, die dann hinter den Erwartungen zurück bleiben", kommentiert Gabi Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg. Dem überschaubaren Kreis der begeisterten Fans im Park war´s gerade recht, denn die Atmosphäre dieses Open Airs war umso schöner.

Als Winwood an seine Zeit mit Eric Clapton erinnerte, der wenige Wochen zuvor in der Arena auftrat und mit dem er 2009 die Doppel-CD/DVD "LIVE FROM MADISON SQUARE GARDEN" einspielte, war der Jubel groß. Der Multiple Grammy Award Winner verließ die Orgel und griff in die Saiten: Bei "Can´t Find My Way Home" und "Had To Cry Today" schwelgte die Fangemeinde in der Zeit von Blind Faith, als 1969 auch noch Ginger Baker Mitglied dieser Supergroup war, von der es nur ein einziges Album gibt.
Eingestreut in das musikhistorisch erlesene Programm gab es natürlich auch Titel aus seiner Solokarriere, die hin und wieder im Radio zu hören sind: "Back In The Highlife Again" und "Higher Love" mit Soul-Schmelz in der Stimme und funky Beats in den Beinen wie von der Rhythmusgruppe. Die Zugabe "Dear Mr. Fantasy" passte zu diesem kreativen, fantasiereichen Kopf mit seinem großen Repertoire, aus dem er auch noch mehr hätte schöpfen können. Im August tourt Steve Winwood zusammen mit der Allman Brothers Band durch die USA.


Die Setlist von Steve Winwood am 14.07.2013 in Nürnberg:

1. Rainmaker (Traffic)
2. I'm a Man (The Spencer Davis Group)
3. Fly
4. At Times We Do Forget
5. Can't Find My Way Home (Blind Faith)
6. Had To Cry Today (Blind Faith)
7. Low Spark of High Heeled Boys (Traffic)
8. Empty Pages (Traffic)
9. Back in the High Life Again
10. Light Up or Leave Me Alone (Traffic)
11. Higher Love
12. Keep On Running (The Spencer Davis Group)
Encore:
13. Dear Mr. Fantasy (Traffic)
14. Gimme Some Lovin' (The Spencer Davis Group)


Die Band:

Steve Winwood (vocals, guitar, piano)
Paul Booth (vocals, saxophone, flute)
Jose Neto (guitar)
Richard Bailey (drums)
Cafe DaSilva (percussion).