Sand knirscht unter den Füßen, Palmen rascheln im Sommerwind und Reggae-Musik weht über den Strand in der Stadt: "Das fühlt sich hier fast wie Urlaub an", findet Simone Kessler und steckt die Zehen ins Wasser. "Du bist dran, Mama", sagt Josper und legt die beiden Würfel auf den kleinen Holzsteg. "Wir waren erst beim Einkaufen. Natürlich musste Josper ein Fussball-Trikot mit Adler auf der Brust haben. Jetzt sitzen wir hier in der Pool-Bar und spielen Backgammon", erzählt Simone und freut sich, dass der Sohnemann das weiße Jersey der Nationalelf gleich stilecht am Strand präsentieren kann.


Anfängliche Skepsis ist weg

"Wir wollen einfach den Sommer in die Stadt bringen", sagt Lorenz Kalb. Gemeinsam mit vier Kollegen hatte Kalb die Idee, eine triste Fläche im Herzen der Stadt in eine Beachbar umzuwandeln. Nicht wenige waren am Anfang skeptisch, ob das Vorhaben gelingen kann. Allein 40 Lastwagen schaffen den feinen Sand vom Monte Kaolino heran. 50 stattliche Palmen werden eigens aus der Toskana eingeflogen. Der ganze Aufwand habe sich freilich gelohnt, freut sich Kalb. Die Nürnberger hätten ihren neuen Stadtstrand ins Herz geschlossen. Wie sonst könnte der Beachclub auf der Insel Schütt heuer seinen fünften Geburtstag feiern?

Derweil wirft sich Anja Pajer leidenschaftlich in den Sand. Mit allerletzter Kraft bugsiert sie den Ball noch über das Netz. Die Zuschauer am Spielfeldrand lümmeln in Liegestühlen und gönnen der blonden Sportlerin einen Szenenapplaus. "Die Zuschauer stören mich nicht. Hier findet man immer Leute, mit denen man Beachvolleyball spielen kann", erzählt Anja und schmettert den Ball diesmal mit Karacho über das Netz. Kosten tut der sportliche Spaß im feinen Sand übrigens nichts. Zwei Plätze stehen den Besuchern zur Verfügung.

Nach der Beachparty will Lorenz Kalb den Sand wie immer verschenken. "Diesmal bekommt der Post SV den Sand, um einen Beachvolleyball-Feld bauen zu können", sagt Kalb und strahlt. Dann verfinstert sich die Miene des 58-Jährigen. In den 15 Fernsehern läuft offensichtlich der falsche Kanal. "Wo ist die Fernbedienung?", fragt Kalb fassungslos und schaltet die Bildschirme im nächsten Moment auf Fußball um. Während der Öffnungszeiten kann man im Stadtstrand selbstverständlich überall die WM verfolgen. Eine halbe Stunde vor Mitternacht muss der Stadtstrand seine Tore schließen.


"Atmosphäre ist wirklich cool"

Für das runde Leder interessieren sich Judith und Martina nicht. Die beiden Freundinnen "chillen" lieber im Liegestuhl. "Ich bin zum ersten Mal hier, aber die Atmosphäre ist wirklich cool", erzählt Judith. "Die Sonne könnte noch etwas kräftiger sein heute, aber ansonsten ist alles perfekt", findet Martina und zieht an ihrem Strohhalm. Derweil können sich Kareem und Victor nicht von Anblick der Männer in kurzen Hosen trennen. "I like football", sagt der Mann mit dem schicken Panama-Hut und sein Freund aus Nigeria nickt.

Während die Sonne langsam untergeht, ist die Party im Stadtstrand längst nicht vorbei. "Jetzt machen wir die Lichter an", sagt Lorenz Kalb und plötzlich glühen und leuchten überall die Lämpchen. Grün funkeln die Palmen in der Nacht. Der Sand unter den Füßen ist immer noch warm. "Heuer ist das Wetter wirklich sensationell", sagt Lorenz Kalb und wippt die Füße fleißig im Takt. "Das ist Soul!", sagt Kalb und singt mit Marvin Gaye im Chor: "I heard it through the Grapevine."

Der "Sommer in der City" auf der Insel Schütt in Nürnberg läuft heuer noch bis zum 27. Juli. Weitere Informationen im Internet unter www.sommer-in-der-city.com.