• Lockerungen in Bayern rufen Impfdrängler auf den Plan
  • Mit falschen Angaben: Nürnberger versuchen, schneller geimpft zu werden
  • 100 Mails pro Tag: Bürger wollen Zweitimpfung vorziehen - meist wegen Urlaub
  • Sprecherin richtet Appell an Bevölkerung: Solidarität statt Impfneid

Nürnberger Impfzentren kämpfen mit "Impfdränglern": Deutschlandweit klagen Ärzte und Impfzentren über eine zunehmende Aggressivität der Impfwilligen und kriminelle Energie von Impfvordränglern. Auch die Impfzentren in Nürnberg bleiben davon nicht verschont. Pressesprecherin Ulrike Goeken-Haidl erklärt inFranken.de die Problematik.

"Bayern geht voran und stellt bereits ab dem 6. Mai 2021 – und damit früher als der Bund – vollständig Geimpfte und Genesene in vollem Umfang negativ Getesteten Personen gleich." - So heißt es im Bericht aus der Kabinettssitzung vom 04. Mai 2021 der Bayerischen Staatsregierung. Diese Entscheidung der Politik hat die Debatte um sogenannte "Impfdrängler" weiter verschärft.

Impfzentren Nürnberg: Zahl der "Impfdrängler" nimmt weiter zu

"Was da gerade abgeht, ist schade", erklärt Goeken-Haidl inFranken.de. In Nürnberg sei das größte Problem, dass immer mehr Menschen versuchen sich in die bereits geimpfte Priorität zwei einzureihen. Täglich würden um die 300 Anmeldungen über das Online-Portal eintreffen, in denen Menschen angeben, sie seien beispielsweise Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen oder Schwangeren. Da die Nürnberger Impfzentren bereits seit zwei Wochen die dritte Priorität impfen, bekommen diese vermeintlichen Kontaktpersonen dann sofort ein Impfangebot.

"Man rutscht so vor die Menschen mit der Priorität 3", berichtet Goeken-Haidl. Beim Impftermin selbst sei dann aber natürlich ein Nachweis notwendig. Erscheint ein solcher Nachweis dem Impfzentrum nicht valide, werden Impfwillige vor Ort am Impfzentrum abgewiesen. "Wenn uns das nicht valide erscheint, kommt es immer zu Diskussionen." Solche Beschwerden würden dann meist noch beim Oberbürgermeister der Stadt oder bei Juristen landen.

Auch bei den Zweitimpfungen treten aktuell Probleme auf: Immer mehr Menschen versuchen ihre Zweitimpfung nach vorne oder hinten zu verschieben. Und zwar nur, weil der Termin "nicht in den Terminplan passt".  Etwa 100 E-Mails erreichen die Impfzentren täglich, in denen ein anderer Termin für die Zweitimpfung gewünscht wird. Grund dafür seien laut Goeken-Haidl meist Urlaube oder Familientreffen.

Vordrängeln bei der Impfung: Impfzentren appellieren an Geduld und Solidarität 

Eine solche Verschiebung sei aber sehr schwierig. Dem Impfzentrum werde nämlich nach einer bestimmten Zeit automatisch der Impfstoff für die Zweitimpfung geliefert. Dieser Abstand variiert je nach Impfstoff. Bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna beträgt er laut Robert-Koch-Insitiut beispielsweise sechs Wochen. "Wir sind darauf angewiesen, dass die Termine eingehalten werden", so Goeken-Haidl. Solche Bitten um Terminverschiebungen verlangsamen ihren Ausführungen zufolge lediglich den normalen Impfverlauf.

Goeken-Haidls Appell an die Bevölkerung ist eindeutig: "Wir müssen weiterhin zusammenhalten und geduldig sein." Sie ruft außerdem zu wieder mehr Solidarität auf. Auch der Impfneid gegenüber bereits Geimpften bringe niemanden weiter.

Mehr Informationen zur Corona-Lage in Nürnberg: Die Inzidenz in der Stadt Nürnberg hat einen großen Sprung nach unten gemacht. Allerdings ist der Wert noch immer mit Vorsicht zu genießen. Alle Informationen erhalten Sie im Corona-Ticker für Nürnberg.