• Nürnberg: Verein untersucht unterirdische Bunker-Anlagen
  • Bunker sind meist Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg
  • Neufunde "ganz, ganz selten": Verein startet außergewöhnlichen Aufruf
  • An diesen Orten werden noch vergessene Bunker vermutet 

In und um Nürnberg wurden bereits viele alte Bunker gefunden und erforscht. In einigen bietet der Förderverein Nürnberger Felsengänge e.V. auch Führungen an. Durch Corona müssen diese aktuell noch bis mindestens zum 9. Januar 2022 ausfallen. "Jetzt haben wir Zeit für etwas anderes", sagt der Vorsitzende Ralf Arnold inFranken.de und erzählt von einem außergewöhnlichen Aufruf an die Bevölkerung. 

Nürnberg: Vermehrt Hinweise auf Bunker - ein Phänomen ist verantwortlich

"Etwas anderes", damit meint er die Suche nach Bunkern, die dem Verein noch nicht bekannt sind. "Dass ein wirklich komplett vergessener Bunker gefunden wird, kommt ganz, ganz selten vor und ist etwas sehr Besonderes", erklärt er. "Aber oft sind Bunker zum Beispiel auf einem Firmengelände. Die Leute dort wissen dann zwar davon, aber er verfällt er. Solche Bunker wollen wir jetzt ausfindig machen."

Dafür bittet er die Bevölkerung um Hilfe. Wer einen Bunker kennt oder eine Vermutung darüber hat, wo einer ist, könne sich an den Verein wenden. "In den letzten Jahren haben wir vermehrt solche Hinweise bekommen", erinnert sich Arnold. Er sei bereits seit über 25 Jahren in dem Verein aktiv und habe auch schon mehrere Jahre am Stück keine Kenntnis über einen neuen Bunker bekommen. "Das liegt an dem aktuellen Bau-Boom. Wo viel gebaut wird, werden auch oft noch Bunker gefunden." Anders als bei archäologischen Funden hätten diese aber keinen Baustopp zur Folge. 

Das Projekt, die Bevölkerung um Mithilfe zu fragen, sei Neuland für den Verein. "Sowas haben wir davor noch nie gemacht", so Arnold. "Wir tapsen ganz ins Dunkle hinein." Es ließe sich deswegen auch gar nicht abschätzen, wie viele dem Verein noch unbekannte Bunker auf diese Weise ausfindig gemacht werden können. "Deswegen ist es auch für uns ein sehr spannendes Projekt."

Das war der letzte Bunker-Fund aus Nürnberg - Nazi-Einrichtung gefunden 

Das Ziel sei es, einen größeren Kreis an Menschen aufzubauen, die Informationen an den Verein weitergeben. "Wir haben ein gewisses Fachwissen und wenn Leute dann kommen und sagen 'Da ist so ein komisches Tunnelsystem unten drunter, was ist das denn?', dann können wir häufig erkennen, was das für eine Anlage ist oder war", erklärt Arnold. "Da wollen wir eben schauen, ob wir noch mehr Kontakte zu noch mehr Leuten aufbauen können, die uns da solche Tipps geben."

Der neueste Bunker-Fund sei im Dezember 2020 gewesen. Dabei habe es sich um einen Schutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg im Nürnberger Ortsteil Gebersdorf gehandelt. Darin befanden sich noch einige originale Einrichtungsgegenstände aus seiner nationalsozialistischen Vergangenheit, so Arnold.

Vor etwa drei Jahren sei außerdem ein alter Splitterschutzgraben unter einem Schulhof gefunden worden. Splitterschutzgräben seien eher "provisorische Anlagen", erklärt Arnold. "Das waren keine richtigen Bunker, sondern überdachte Gräben, wo sich die Leute während einer Bombardierung hineinflüchten konnten. Die mussten dann hoffen, dass keine Bombe direkt auf den Graben knallt, weil dann wären sie alle tot gewesen." Schutz boten die Gräben nur bei Bombenexplosionen, die mehrere Meter weit entfernt waren, erzählt der Vereinsvorsitzende. 

Nürnberger Verein vermutet noch "jede Menge" provisorischer Anlagen unterhalb der Stadt

Von solchen Splitterschutzgräben gäbe es noch "jede Menge", so Arnold. "Von denen entdeckt man heute vielleicht noch ein paar, von denen noch Überreste vorhanden sind." Generell seien die Bunker in Nürnberg bereits gut erforscht. "Es gab schon in den 1970er Jahren Doktorarbeiten und Veröffentlichungen dazu, in denen das sehr ausführlich behandelt wird", erklärt Arnold.

"Aber dabei geht es immer eher um den öffentlichen Luftschutz, also die offiziellen Bunker, die die Stadt Nürnberg für die Zivilbevölkerung eingerichtet hat und bestimmte Behördenbunker, wie zum Beispiel einer, von dem aus der Bahnverkehr geleitet wurde." Potenzial für weitere Forschungen und Entdeckungen bieten aus seiner Sicht dagegen Bunker von Firmen oder Militärstützpunkten in Nürnberg. "Da gibt es vielleicht noch Dinge, die noch relativ unerforscht sind."