Mit Mario Adorf eröffnet ein Stargast das deutsch-türkische Filmfestival am Donnerstagabend in Nürnberg. Nach dem Eröffnungsfilm "Der letzte Mensch", indem der bekannte Schauspieler die Hauptrolle spielt, erhält der Regisseur Edgar Reitz der Ehrenpreis für seine 60-stündige Filmtrilogie "Heimat". Im großen Wettbewerb der Spielfilme laufen heuer zehn Produktionen aus Deutschland und der Türkei. Der Vorsitzende der Jury ist der bekannte Filmemacher Thomas Arslan aus Berlin. "Wir haben aus der Türkei viele Frauengeschichten. Das ist ungewöhnlich und natürlich auch schön, dass sich so viele junge Filmemacher mit der weiblichen Seite der Türkei auseinandersetzen", sagt Sinem İlterli vom Festivalteam. Besonders interessant sei dabei, dass besonders viele männliche Regisseure aus der Türkei nun Geschichten über Frauen erzählen wollen.
In "Meryem" erzählt Atalay Taşdiken beispielsweise die Geschichte einer unglücklich (zwangs)verheirateten Frau, die ihre Jugendliebe plötzlich wieder trifft.

Die aktuellen politischen Ereignisse in der Türkei greifen besonders die zahlreichen Kurzfilme auf, die beim Filmfestival gezeigt werden. In dem Film "Die Kapsel" von Yakup Tekintangaç werden die Proteste im Gezi-Park thematisiert. Darin versuchen zwei Brüder an Geld zu kommen, indem sie die Kapseln der Gasbomben, die die Polizei gegen die Demonstranten einsetzt, einsammeln und verkaufen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Blick in die Filmgeschichte der Türkei. "Wir zeigen beim Festival heuer 100 Jahre türkisches Kino", sagt İlterli. Beispielsweise werde der schwarz-weiß Stummfilm "Das Fest der schwarzen Tulpe" von Muhsin Ertugrul und der Streifen "Trockener Sommer" gezeigt, der in den 60er Jahren auf der Berlinale mit dem "Goldenen Bären" ausgezeichnet wurde. Erwartet werden ebenfalls zahlreiche Ehrengäste, um gemeinsam in Nürnberg beim 19. Filmfestival Türkei/Deutschland den 100. Geburtstag des türkischen Kinos zu feiern. "Auf das Kommen von Schauspielerin Hülya Koçyiği und natürlich Mario Adorf freue ich mich besonders", sagt İlterli.


Festival ohne sichere Finanzierung

Die Zukunft des Filmfestivals ist allerdings laut Veranstalter auf Dauer nicht gesichert, weil das Festival rote Zahlen schreibt. "Wir sparen schon an allen Ecken und Enden. Am Programm können und wollen wir nicht noch mehr sparen", sagt Sinem İlterli vom Festivalteam. "Wir hoffen jetzt darauf, dass wir eine langfristige Finanzierung bekommen, damit wir nicht jedes Jahr erneut um den Fortbestand des Festivals kämpfen müssen." Vielleicht ist es ein positives Signal, dass Finanzminister Markus Söder (CSU) bereits seine Teilnahme angekündigt hat.


Vorstellungen von "Meryem":
18.3. um 21.15 Uhr im Festsaal
20.3 um 21.15 Uhr im KommKino
Ausführliche Informationen über das Festival-Programm gibt es im Internet.